Einleitung: Trotz der klaren Leitlinien-Empfehlungen der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie zum Lipidmanagement, werden die LDL-Zielwerte (LDL-C ≤ 55 mg/dl bzw. 1,4 mmol/l) in der Praxis häufig nicht erreicht. So erreichten in Registerstudien in Europa lediglich 20% der Patienten das LDL- Ziel.
Methodik: Das Lübecker Lp(a) Herzinsuffizienz (HF)- Register ist eine kombiniert retrospektive/prospektive Versorgungsforschungsstudie. Die prospektive Analyse umfasst Patienten, die sich im Zeitraum Dezember 2022 bis Februar 2024 in der HF- Sprechstunde unserer Klinik vorgestellt haben. Lp(a) wurde direkt beim Einschluss in das Register bestimmt und weitere Parameter wie Alter, Geschlecht, HF- Phänotyp- und Genese sowie Einstellung von LDL-C und die bestehende Lipidtherapie erfasst. Dabei wurde eine niedrig- intensive (Fluvastatin <40mg, Simvastatin <10mg, Pravastatin <20mg), intermediär- intensive (Fluvastatin 80mg, Pravastatin >40mg, Simvastatin 20-40mg) und hoch- intensive (Simvastatin 80mg, Atorvastatin >40mg, Rosuvastatin >20mg) Lipidtherapie unterschieden. Ein Fokus der aktuellen Arbeit bestand in der Analyse der LDL-C Einstellung bei 2 Hochrisiko-Patientenkollektiven, A) ischämischer Kardiomyopathie und B) relevanter Lp(a) Erhöhung, definiert als Lp(a) >120 nmol/l.
Ergebnisse: Insgesamt wurden N=337 Patienten in das Lübecker Lp(a) Register eingeschlossen. Davon waren 70% (N=237) der Patienten männlich und 48% der Patienten (N=162) wiesen eine Herzinsuffizienz mit reduzierter LV-Funktion auf. Das mediane Alter lag bei 66,6 Jahren (Q1;Q3, 57,6;76,4 Jahre). Bei 42% der Patienten (N=142) bestand eine ischämische Genese der Herzinsuffizienz. Bei 18,7% der Patienten wurden Lp(a)-Werte >120 nmol/l bestimmt und der mediane Lp(a)- Wert bei diesen Patienten lag bei 207 nmol/l (Q1;Q3, 172;252 nmol/l). A) Bei den Patienten mit ischämischer Kardiomyopathie wurde der LDL-C- Zielwert ≤1,4 mmol/l lediglich bei 36,4% der Patienten erreicht. 65,2% dieser Patienten erreichten ein LDL-C ≤1,8 mmol/l. 79,5% der Patienten wurden mit einer hoch-intensiven- und 15,4% mit intermediär- intensiven Statintherapie behandelt. Zusätzlich erhielten 22,7% der Patienten mit intermediär-intensiver- und 50,4% der Patienten mit hoch-intensiver Lipidtherapie Ezetimib. B) Bei den Patienten mit Lp(a) Erhöhung >120 nmol/l wurde ein LDL-C ≤1,4 mmol/l von 29,5% der Patienten erreicht, 47,6% der Patienten hatten ein LDL-C ≤1,8 mmol/l. Insgesamt 66,6% dieser Patienten erhielten hier hoch- intensive-, 17,5% intermediär- intensive Lipidtherapie. 18,2% der Patienten mit intermediär- intensiver- und 54,8% der Patienten mit hoch- intensiver Statintherapie wurden zusätzlich mit Ezetimib behandelt.
Schlussfolgerung: Auch bei Hochrisiko-Patienten gelingt die Erreichung der empfohlenen LDL-Zielwerte (LDL-C ≤1,4 mmol/l) nur in einer Minderheit der Fälle. Dies unterstreicht den weiterhin bestehenden erheblichen Handlungsbedarf im Lipidmanagement. Eine konsequentere Nutzung kombinierter Lipidtherapien sowie der künftige Einsatz innovativer Lipidsenker (PCSK9-Inhibitoren, Inclisiran) könnten entscheidend dazu beitragen, Versorgungslücken zu schließen und das kardiovaskuläre Risiko nachhaltig zu senken.