Nächtliche Herzfrequenzvariabilität und Herzfrequenzreaktion auf respiratorische Events bei Patienten mit Diabetes mellitus Typ 2

S. Driendl (Regensburg)1, S. Stadler (Regensburg)1, M. Arzt (Regensburg)1, K. J. Stark (Regensburg)2, J. Pec (Regensburg)1, F. El-Hamad (Adelaide)3, M. Baumert (Adelaide)4
1Universitätsklinikum Regensburg Klinik und Poliklinik für Innere Med. II, Kardiologie Regensburg, Deutschland; 2Universitätsklinkum Regensburg Lehrstuhl für Genetische Epidemiologie Regensburg, Deutschland; 3Adelaide University Discipline of Biomedical Engineering, School of Electrical and Mechanical Engineering Adelaide, Australien; 4School of Electrical and Mechanical Engineering, University of Adelaide Discipline of Biomedical Engineering Adelaide, Australien

Hintergrund

Diabetes mellitus Typ 2 (T2D) ist mit einer erhöhten Morbidität und Mortalität assoziiert, was auf eine kardiale autonome Neuropathie zurückzuführen sein kann. Die Herzfrequenzvariabilität (HRV) ist ein etablierter Marker zur Quantifizierung autonomer Dysfunktion. Die Herzfrequenzreaktion auf Apnoen und Hypopnoen (ΔHR) ist ein spezifischer Aspekt der HRV, der mit einem erhöhten Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen assoziiert ist. Wir untersuchten, ob HRV und ΔHR aus der Polygraphie schwerwiegende kardiovaskuläre Ereignisse (major adverse cardiovascular events, MACE) und Mortalität bei Patienten mit T2D vorhersagen können.

Methoden

Wir untersuchten HRV und ΔHR in der DIACORE (DIAbetes COhoRtE) Sleep-disordered breathing Substudie, einer prospektiven Kohortenstudie mit T2D-Patienten. MACE wurde definiert als Myokardinfarkt, Schlaganfall und kardiovaskulärer Tod. Wir führten Cox-Proportional-Hazards-Regressionen durch, die für potenzielle Risikofaktoren für Atherosklerose - wie Alter, Geschlecht, Taillen-Hüft-Verhältnis, Raucherstatus, Bluthochdruck und Diabetesdauer - sowie die Einnahme von Betablockern adjustiert wurden, um den Zusammenhang zwischen ΔHR und HRV und der Inzidenz von MACE und der Gesamtmortalität zu untersuchen.

Ergebnisse

Von 1009 Teilnehmern (40% weiblich, Durchschnittsalter 67 Jahre, mittlere Diabetesdauer 9.7 Jahre) trat bei 121 (12%) Patienten ein MACE auf, und 97 (10%) starben nach einem medianen Follow-up von 6.5 Jahren. Patienten mit hoher ΔHR (oberes Quartil) hatten ein um 56 % erhöhtes Risiko für MACE im Vergleich zu Patienten mit mittlerer ΔHR (25. bis 75. Perzentil) (adjustierte Hazard Ratio 1.56, 95 %-Konfidenzintervall (CI) [1.03–2.36], p = 0.035). Die HRV war nicht mit dem Auftreten von MACE assoziiert. Die Mortalität war signifikant erhöht bei Patienten mit niedriger Standardabweichung aller normalen RR-Intervalle (SDNN; adjustierte Hazard Ratio 1.72, 95 % CI [1.06; 2.78], p = 0.028) oder einer niedrigen Root Mean Square of Successive Differences der RR-Intervalle (RMSSD; adjustierte Hazard Ratio 2.34, 95 % CI [1.44; 3.80], p < 0.001) im Vergleich zu Patienten im mittleren Bereich (Q2-Q3). Im Gegensatz dazu war ΔHR nicht signifikant mit der Mortalität assoziiert.

Zusammenfassung

T2D-Patienten mit hoher ΔHR haben ein erhöhtes Risiko für MACE-Ereignisse, während eine niedrige nächtliche HRV mit einer höheren Gesamtmortalität assoziiert ist. Beide Faktoren können eine ergänzende Rolle bei der Risikostratifizierung für kardiovaskuläre Ereignisse und Mortalität bei T2D-Patienten mit schlafbezogenen Atmungsstörungen spielen.