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Von Abnehmspritze bis OP: Das hilft dem Herz bei Adipositas wirklich

Viele wissen: Übergewicht ist nicht gesund. Was kaum jemand ahnt – wie stark das Mehr an Gewicht auch das Herz belastet. Wissenschaftliche Studien zeigen eindeutig, dass Übergewicht und vor allem Adipositas (Fettleibigkeit) das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie zum Beispiel Herzinfarkt, Herzschwäche und Schlaganfall deutlich erhöhen. In einer Studie basierend auf Bevölkerungsdaten wurde gezeigt, dass Adipositas mit einer kürzeren Lebenserwartung und mehr kardiovaskulären Erkrankungen einhergeht. 

Von:

Prof. Dr. Michael Böhm 

 

21.01.2026

 

Bildquelle (Bild oben): iStock / AnnaStills

Warum ist Übergewicht schädlich fürs Herz?

Übergewicht wird meist über den Body-Mass-Index (BMI) definiert. Der BMI ist eine Zahl, die das Verhältnis von Körpergewicht zur Körpergröße beschreibt und einordnet. Medizinisch relevantes Übergewicht in Form einer Adipositas beginnt ab einem Wert von über 30. Dieses starke Übergewicht wirkt sich auf das Herz-Kreislauf-System in vielfältiger Weise aus. Zum einen muss das Herz bei erhöhtem Körpergewicht mehr Blut durch den Körper pumpen. Das bedeutet eine dauerhafte Mehrbelastung, die nicht nur die Leistungsfähigkeit einschränkt, sondern auf längere Sicht auch zu einer Verdickung des Herzmuskels mit einer Versteifung und nachfolgend beeinträchtigter Erschlaffungsfähigkeit führen kann. Zum anderen fördert das Fettgewebe – insbesondere das sogenannte viszerale Bauchfett – chronisch-entzündliche Prozesse, die die Gefäßwände angreifen, Arterienverkalkungen (Arteriosklerose) begünstigen und das Risiko für Bluthochdruck und Thrombosen erhöhen können.

 

Außerdem ist Adipositas auch häufig eng mit Stoffwechselstörungen wie Typ-2-Diabetes und Fettstoffwechselstörungen verknüpft. Doch auch wer noch keine dieser typischen Begleiterkrankungen hat, ist nicht unbedingt „herzgesund“. Auch Menschen, die als „metabolisch gesund übergewichtig bzw. adipös“ gelten, haben ein deutlich höheres Risiko im Vergleich zu normalgewichtigen Menschen mit einem gesunden Stoffwechsel im Laufe ihres Lebens eine Herzinsuffizienz zu entwickeln. Das Risiko steigt mit dem Gewicht: Während bei Menschen mit unauffälligen Stoffwechselwerten und Übergewicht bereits ein um rund 23 Prozent erhöhtes Risiko für Herzinsuffizienz festgestellt wurde, liegt es bei adipösen Personen mit einem gesunden Stoffwechsel bereits bei über 50 Prozent. Am höchsten ist das Risiko jedoch bei Menschen, die zusätzlich zu ihrem Übergewicht auch unter Bluthochdruck, Fettstoffwechselstörungen oder bereits Diabetes leiden – hier ist die Wahrscheinlichkeit laut einer großen Metaanalyse mehr als doppelt so hoch wie bei stoffwechselgesunden Normalgewichtigen. 

Das Wichtigste in Kürze

  • Adipositas wirkt sich vielfältig auf das Herz-Kreislauf-System aus – z. B. durch eine Begünstigung von chronisch-entzündlichen Prozessen oder eine dauerhafte Mehrbelastung durch mehr Blut, das durch den Körper gepumpt werden muss.
  • Zudem ist auch häufig eine enge Verknüpfung mit Stoffwechselstörungen wie Typ-2-Diabetes und Fettstoffwechselstörungen gegeben.
  • Adipöse Personen haben selbst bei gesundem Stoffwechsel ein deutlich erhöhtes Risiko für Herzinsuffizienz, bei zusätzlichen Erkrankungen wie Bluthochdruck oder Diabetes ist das Risiko mehr als doppelt so hoch.
  • Medikamente wie GLP-1-Rezeptoragonisten oder duale Agonisten, die für die Behandlung von Typ-2-Diabetes und zur Gewichtsregulierung entwickelt wurden, können für deutliche Gewichtsreduktionen und weitere positive Effekte sorgen.
  • Sehr schnelle Gewichtsverluste können das Herz jedoch auch belasten.

Wird die Behandlung von Übergewicht von der Krankenkasse bezahlt?

Die gute Nachricht ist, dass Patientinnen und Patienten mit medizinisch relevantem Übergewicht – also einem BMI über 30 oder bereits Folgeerkrankungen wie Bluthochdruck oder Diabetes – einen Anspruch auf Unterstützung durch die gesetzliche Krankenversicherung haben können. Dazu zählen Programme zur Ernährungsberatung, Bewegungstherapie und auch Verhaltenstherapie. Sie müssen allerdings ärztlich verordnet und von zertifizierten Anbietern durchgeführt werden. 

 

Bei schwerer Adipositas (BMI über 40 oder über 35 mit Begleiterkrankungen) kann unter bestimmten Bedingungen sogar eine Kostenübernahme für etwa einen Magenbypass oder einen Schlauchmagen beantragt werden. Solche Eingriffe zeigen nicht nur eine deutliche Gewichtsreduktion, sondern können auch die Leistungsfähigkeit bei Herzinsuffizienz und die Adipositas als solche verbessern. 

Zum Experten

Prof. Dr. Michael Böhm

Prof. Dr. Michael Böhm ist Seniorprofessor für Innere Medizin am Universitätsklinikum des Saarlandes, Homburg/Saar. Er war über 25 Jahre Direktor der dortigen Klinik für Innere Medizin III, Kardiologie, Angiologie und Internistische Intensivmedizin.

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Welche Medikamente können beim Abnehmen helfen – und das Herz schützen?

Neben klassischen Maßnahmen wie Ernährungsumstellung und Bewegung stehen mittlerweile auch Medikamente zur Verfügung, die hier gut unterstützen können. Besonders die sogenannten GLP-1-Rezeptoragonisten und eine neue Weiterentwicklung (sogenannte duale Agonisten), die zur Behandlung von Diabetes entwickelt wurden, zeigen in aktuellen Studien eine deutliche Gewichtsreduktion, die sich auch positiv auf das Herz und seine Leistungsfähigkeit auswirken kann.

Können GLP-1- und duale Agonisten über den Gewichtsverlust hinaus wirken?

Neben der Gewichtsabnahme sind ebenfalls positive Effekte auf die Belastbarkeit und die Nierenfunktion belegt. Die Studien dazu wurden jedoch nur mit stark übergewichtigen Personen durchgeführt. Daher ist unklar, ob diese Vorteile auch bei normalgewichtigen Personen auftreten und ob sie direkt durch die Gewichtsabnahme oder unabhängig davon erzielt werden konnten.

Ist ein schneller Gewichtsverlust gefährlich für mein Herz?

Tatsächlich kann ein sehr schneller Gewichtsverlust das Herz belasten und manchmal sogar gefährlich sein. Extreme Diäten oder Fasten können zu Störungen im Elektrolythaushalt führen. Elektrolyte wie Kalium und Magnesium sind wichtig, damit das Herz richtig im Takt bleibt. Wenn diese Werte durcheinandergeraten, können Herzrhythmusstörungen auftreten. Das Risiko ist höher, wenn Vorerkrankungen vorliegen oder die Diät nicht unter Begleitung einer Ärztin/eines Arztes oder einer Ernährungsberaterin/eines Ernährungsberaters (Ökotrophologen/Ökotrophologin) durchgeführt wird. Die „Abnehmspritzen“ (etwa GLP-1- und duale Agonisten) sind kein Ersatz für eine Verbesserung der Lebensführung. Regelmäßige körperliche Belastung ist besonders wichtig, da sie den immer begleitenden Verlust von Muskelmasse beim Abnehmen entgegenwirken kann. Man sollte langsam und kontrolliert abnehmen. Das ist meist sicher und gut für Herz, Blutdruck und Blutzucker.

Fazit

Adipositas und Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind eng verbunden – das zeigt die Forschung immer deutlicher. Doch die gute Nachricht ist: Selbst kleine Gewichtsveränderungen können die Herzgesundheit mess- und spürbar verbessern. Wichtig ist, früh hinzuschauen und nicht erst, wenn Beschwerden auftreten. Eine gute medizinische Begleitung, mehr Aufklärung und bessere Bedingungen für einen gesunden Lebensstil können dabei helfen, das Risiko langfristig zu senken. Denn ein starkes Herz braucht nicht nur Medikamente, sondern auch Unterstützung im Alltag – verständlich, zugänglich und vor allem rechtzeitig.

FAQ – Häufige Fragen zu Adipositas und Herzgesundheit

Adipositas wirkt sich vielfältig auf das Herz-Kreislauf-System aus – z. B. durch eine Begünstigung von chronisch-entzündlichen Prozessen oder eine dauerhafte Mehrbelastung durch mehr Blut, das durch den Körper gepumpt werden muss

Nicht nur ist Adipositas häufig eng mit Stoffwechselstörungen wie Typ-2-Diabetes verknüpft – das Risiko für Herzinsuffizienz kann laut Studien um 50 % selbst bei gesundem Stoffwechsel steigen, bei gleichzeitigen Stoffwechselerkrankungen ist es sogar doppelt so hoch.

Ja, bei einem Body-Mass-Index von über 30 oder bereits bestehenden Folgeerkrankungen wie Bluthochdruck oder Diabetes kann ein Anspruch auf Unterstützung durch die gesetzliche Krankenversicherung bestehen. Bei schwerer Adipositas (BMI über 40 oder über 35 mit Begleiterkrankungen) kann sogar eine Kostenübernahme für eine Magen-OP möglich sein.

Sogenannte GLP-1-Rezeptoragonisten und duale Agonisten, die für die Behandlung von Typ-2-Diabetes und zur Gewichtsregulierung entwickelt wurden, zeigen in Studien eine deutliche Gewichtsreduktion in Verbindung mit anderen positiven Effekten fürs Herz.

Ein sehr schneller Gewichtsverlust kann das Herz belasten. Ein kontrolliertes Abnehmen, idealerweise unter Begleitung einer Ärztin bzw. eines Arztes oder einer Ernährungsberaterin bzw. eines -beraters, ist meist sicher und gut für Herz, Blutdruck und Blutzucker. 

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