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Aortenklappenstenose: So belastet die verengte Aortenklappe das Herz

Die Aortenklappenstenose ist die häufigste Herzklappenkrankheit im höheren Alter. Durch die verengte Aortenklappe muss das Herz stärker pumpen, was zu Luftnot, Brustenge oder Schwindel führen kann. Die Diagnose erfolgt per Echokardiographie. Je nach Schweregrad helfen Kontrollen, Medikamente gegen Begleiterkrankungen oder ein Klappenersatz, oft per TAVI.

Von:

Kerstin Kacmaz 

 

Dr. Heidi Schörken

 

26.01.2024 (aktualisiert: 02.07.2026)

 

Bildquelle (Bild oben): iStock / andresr 

Das Wichtigste in Kürze

  • Aortenklappenstenose bedeutet: Die Aortenklappe ist verengt – das Herz muss mehr Kraft aufwenden, um Blut in den Körper zu pumpen.
  • Häufigkeit steigt mit dem Alter: Von den über 70-Jährigen Menschen sind rund 10 Prozent von einer Aortenklappenstenose betroffen.
  • Typische Symptome einer Aortenklappenstenose sind: Luftnot, Leistungsabfall, Brustenge, Schwindel oder Ohnmacht.
  • Diagnose: Ultraschall des Herzens (Echokardiographie) – bei Bedarf Belastungs- oder Speiseröhren-Echo.
  • Behandlung: Regelmäßige Kontrollen; ein Klappenersatz (TAVI oder Operation) ist nötig, sobald deutliche Symptome auftreten oder die Herzleistung nachlässt.

Eine Verengung der Aortenklappe – medizinisch: Aortenklappenstenose – ist mit Abstand die häufigste Herzklappenkrankheit. In der Krankenakte wird die Aortenklappenstenose mit der ICD-10-Kodierung I35.0 für die Abrechnung und zur Dokumentation angegeben. Das Risiko steigt mit dem Alter. Wird die Klappe enger, muss das Herz stärker arbeiten. Das kann lange unbemerkt bleiben, aber im Verlauf deutliche Beschwerden auslösen.

Wie entsteht eine Aortenklappenstenose?

Die Aortenklappe liegt zwischen der linken Herzkammer und der Hauptschlagader (Aorta). Sie wirkt wie ein Ventil: Sie öffnet sich beim Herzschlag, damit Blut in den Körper fließt, und schließt anschließend, damit kein Blut zurückströmt. Bei der Stenose kommt es meist durch Fettablagerungen, Verkalkungen oder Entzündungsprozesse zu Versteifungen der elastischen Fasern und die Klappe kann sich nur unvollständig öffnen.

 

Seltener liegt eine angeborene Veränderung vor, zum Beispiel eine bikuspide Aortenklappe. Dabei hat die Aortenklappe nur zwei statt drei Taschen. Diese Form kann früher im Leben zu einer Stenose führen. Ist die Klappe verengt, gelangt weniger Blut durch die Öffnung. Die linke Herzkammer baut dann höheren Druck auf – das Herz wird dauerhaft überlastet.

Ursachen der Aortenklappenstenose

Am häufigsten entsteht eine Aortenklappenstenose durch altersbedingten Verschleiß und zunehmende Verkalkung der Aortenklappe. Die Klappentaschen werden steifer, verdicken sich und öffnen weniger weit.

 

Seltener liegt eine angeborene Veränderung vor, zum Beispiel eine bikuspide Aortenklappe. Dabei hat die Aortenklappe nur zwei statt drei Taschen. Diese Form kann früher im Leben zu einer Stenose führen.

Symptome: Woran Sie eine Aortenklappenstenose erkennen können

Leichte Verengungen verursachen oft keine Beschwerden. Bei stärkerer Stenose sind typische Anzeichen:

 

  • Luftnot bei Belastung, später auch in Ruhe
  • Verringerte Leistungsfähigkeit und schnelle Erschöpfung
  • Brustenge oder Beklemmungsgefühl (ähnlich einer Angina Pectoris)
  • Schwindel bis zur Ohnmacht
  • Niedriger Blutdruck
  • Wasseransammlungen (Ödeme), vor allem in den Beinen

 

Wenn solche Symptome neu auftreten oder zunehmen, sollten Sie das ärztlich abklären lassen.

Wie wird die Aortenklappenstenose diagnostiziert?

Nicht immer verursacht eine Aortenklappenstenose Beschwerden – selbst eine hochgradige Aortenklappenstenose kann über längere Zeit symptomfrei bleiben. Auffällige Herzgeräusche, die beim Abhören mit dem Stethoskop zu erkennen sind, können auf eine Aortenklappenstenose hinweisen. Falls ein Verdacht auf eine Aortenklappenstenose besteht, wird eine Ultraschalluntersuchung (Echokardiografie) durchgeführt und der Schweregrad der Klappenerkrankung bestimmt. Der Schweregrad einer Aortenstenose wird in 4 Stadien eingeteilt: von mild bis sehr hochgradig. 

 

Weitere Untersuchungen können vor einem operativen Eingriff notwendig sein, wie zum Beispiel:

 

  • Transösophageale Echokardiographie (Ultraschall über die Speiseröhre)
  • Belastungs-Echo (Stress-Echo), wenn Beschwerden nur unter Belastung auftreten

Wie wird die Aortenklappenstenose behandelt?

Nicht jede Aortenklappenstenose muss behandelt werden. Laut den aktuellen europäischen Leitlinien soll eine leichte bis mittelgradige Aortenklappenstenose regelmäßig im jährlichen Abstand kontrolliert, aber nicht behandelt werden.

 

Ob eine hochgradige Aortenklappenstenose behandelt wird, richtet sich vor allem danach, wie stark die Beschwerden sind. Bei dem Befund einer hochgradigen Aortenklappenstenose werden die Betroffenen in der Regel in eine spezialisierte Klinik überwiesen. Dabei sollte es sich um ein zertifiziertes TAVI-Zentrum handeln, denn diese Einrichtungen verfügen über alle Qualitätsanforderungen und werden regelmäßig überprüft. Dort berät das Herzteam im Einzelfall unter Berücksichtigung der Begleitumstände über das weitere Vorgehen. 

TAVI oder chirurgischer Aortenklappenersatz?

Die TAVI (Transkatheter-Aortenklappenimplantation) ist ein modernes minimalinvasives Verfahren, das inzwischen immer häufiger bei einer Aortenklappenstenose angewendet wird. Die TAVI ersetzt die Aortenklappe minimalinvasiv per Katheter, meist über einen kleinen Schnitt in der Leiste. Der Vorteil der TAVI gegenüber dem chirurgischen Klappenersatz ist, dass der Eingriff weniger belastend ist und eine schnellere Erholung und Entlassung aus dem Krankenhaus ermöglicht. Allerdings ist die Haltbarkeit der TAVI mit etwa 10 bis 20 Jahren gegenüber mechanischen Klappenprothesen kürzer. Laut den europäischen Leitlinien wird die TAVI bei Personen ab 70 Jahren empfohlen, wenn eine hochgradige symptomatische Aortenklappenstenose vorliegt. Neben der Altersgrenze sind auch die Anatomie der Herzklappen, Begleiterkrankungen und andere Kriterien für die Entscheidung TAVI oder Klappenimplantation zu berücksichtigen. 

 

TAVI eignet sich besonders bei:

 

  • schwerer, symptomatischer Aortenklappenstenose,
  • mittlerem oder hohem Operationsrisiko,
  • höherem Alter oder mehreren Begleiterkrankungen.

 

Beim operativen Aortenklappenersatz wird die Klappe in einer offenen Herzoperation ersetzt. Dieses Verfahren ist weiterhin wichtig, zum Beispiel bei jüngeren Patientinnen und Patienten oder wenn anatomische Gründe gegen eine TAVI sprechen.

 

Welche Methode am besten passt, entscheidet das Herzteam im Einzelfall, das aus Expertinnen und Experten verschiedener Fachrichtungen, wie Kardiologie, Chirurgie und Anästhesiologie besteht.

Verlauf und Erfolgsaussichten

Eine unbehandelte hochgradige Aortenklappenstenose, die sich durch Beschwerden bemerkbar macht, schädigt das Herz langfristig und verkürzt die Lebenserwartung erheblich. Wenn die Aortenklappenstenose rechtzeitig erkannt und überwacht oder ggf. behandelt wird, sind die Erfolgsaussichten dagegen sehr gut. Nach einem erfolgreichen Klappenersatz ist die Lebenserwartung und die Lebensqualität nicht eingeschränkt und die allermeisten Menschen können ein ganz normales Leben ohne Einschränkungen führen. Wichtig sind allerdings eine gesunde Lebensweise, die Einahme der verschriebenen Medikamente und regelmäßige ärztliche sowie zahnärztliche Kontrolluntersuchungen.

DGK-zertifizierte Behandlungszentren

Für TAVI-Eingriffe hat die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie (DGK) Qualitätskriterien definiert. Zertifizierte Zentren sollen eine hohe Behandlungsqualität sicherstellen. Weitere Informationen zur TAVI-Zertifizierung finden Sie bei der DGK.

FAQ – Häufige Fragen zur Aortenklappenstenose

Nicht sofort. Leichte Verengungen können lange stabil bleiben. Gefährlich wird es meist dann, wenn Symptome auftreten oder die Herzfunktion nachlässt. Dann sollte ein Klappenersatz geprüft werden.

Durch die verengte Klappe gelangt weniger Blut in den Körper. Die linke Herzkammer wird überlastet, und Blut staut sich zurück Richtung Lunge. Das führt zu Atemnot, zuerst bei Belastung.

Nein. Verkalkungen und strukturelle Veränderungen der Klappe lassen sich medikamentös nicht rückgängig machen. Medikamente behandeln nur Begleiterkrankungen.

TAVI wird vor allem eingesetzt, wenn eine schwere, symptomatische Stenose vorliegt und das OP-Risiko erhöht ist oder wenn ein schonender Eingriff bevorzugt wird. Ob TAVI geeignet ist, prüft das Herzteam.

Das hängt vom Schweregrad ab. Ohne Beschwerden reichen oft ärztliche Kontrollen. Bei Symptomen wie Brustenge, Ohnmacht oder Luftnot sollten Sie zeitnah mit Ihrer Kardiologin oder Ihrem Kardiologen über einen Klappenersatz sprechen.

Unbehandelt kann die Herzleistung weiter sinken, es drohen Herzschwäche, Rhythmusstörungen oder plötzliche Komplikationen. Ein rechtzeitiger Klappenersatz verbessert Prognose und Lebensqualität deutlich.

Haben Sie Beschwerden wie Luftnot, Brustenge oder Schwindel? Sprechen Sie zeitnah mit Ihrer Kardiologin oder Ihrem Kardiologen über eine mögliche Aortenklappenstenose und welche Behandlung für Sie infrage kommt.

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