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Endokarditis: Wie die Entzündung der Herzklappen behandelt wird

Fieber, Nachtschweiß und Schüttelfrost können auf verschiedenen Erkrankungen hindeuten – auch auf eine Entzündung der Herzinnenhaut, eine sogenannte Endokarditis. Meist wird diese potenziell lebensbedrohliche Erkrankung durch Bakterien verursacht. Woran man die Endokarditis erkennt, welche Schäden sie verursacht – und wie man sie behandeln kann.

Von Silja Klassen

 

31.03.2023 (aktualisiert: 06.03.2026)

 

Bildquelle (Bild oben): iStock / Dr_Microbe  

Das Wichtigste in Kürze

  • Eine Endokarditis wird meist durch Bakterien verursacht, die in den Blutkreislauf gelangen und sich an den Herzklappen ansiedeln.
  • Besonders gefährdet sind Patienten und Patientinnen mit angeborenen Herzfehlern, vorgeschädigten oder künstlichen Herzklappen.
  • Erste Symptome sind häufig Fieber und Erschöpfung. Auch Nachtschweiß und Schüttelfrost sind typisch für die Endokarditis. 
  • Mögliche Komplikation: eine dauerhafte Schädigung der Herzklappen und eine akute Herzschwäche.

Was ist eine Endokarditis?

Bei der Endokarditis ist die innerste Schicht der Herzwand entzündet. Die Herzwand besteht aus drei Schichten: dem Perikard (Herzbeutel), dem Myokard (Herzmuskel) und dem Endokard (Herzinnenhaut). Die Herzinnenhaut ist eine 0,5 bis 1,0 Millimeter dünne und glatte Gewebeschicht, die für einen reibungslosen Blutfluss sorgen soll. Gibt es raue Stellen oder kleine Verletzungen im Endokard, sind Herzklappen vorgeschädigt oder künstliche Herzklappen vorhanden, können sich die Bakterien dort leichter festsetzen. Besonders häufig betroffen sind die Mitralklappen und die Aortenklappe, da sie sich auf der linken Seite des Herzens befinden und durch den Druck des Blutflusses stärker beansprucht werden.

Was sind die Symptome einer Endokarditis?

Die Symptome einer Endokarditis sind sehr unspezifisch, das heißt, sie lassen nicht eindeutig auf eine Entzündung der inneren Herzhaut schließen.


Die Symptome sind in der Regel:

 

  • Krankheitsgefühl
  • Abgeschlagenheit
  • Leistungsunfähigkeit
  • sogenannte subfebrile Körpertemperaturen – etwa zwischen 37,3 bis 37,7 Grad Celsius
  • Nachtschweiß
  • keine Schmerzen 


Diese Symptome können sich schnell – über einige Tage (akute Endokarditis) – oder langsam – über einige Wochen oder möglicherweise Monate (subakute Endokarditis) – entwickeln. 


„Sobald eine Herzklappe in ihrer Funktion beeinträchtigt ist, kommen dann noch die klassischen Symptome vonseiten des Herzens dazu – wie zum Beispiel Atemnot, insbesondere bei Belastung“, erklärt Prof. Andreas Zeiher. 


„Ist der Prozess bereits so weit fortgeschritten, dass die Klappe zerstört wird, können sich zudem kleine Blutgerinnsel darauf bilden, die im Laufe der Zeit abgeströmt werden, in die Peripherie gelangen und kleine rote Flecken oder Knötchen auf der Haut bilden.“ Das heißt: Die Blutgerinnsel können von der betroffenen Herzklappe ausgehend in andere Bereiche des Körpers transportiert werden – und als Zeichen einer stark fortgeschrittenen Endokarditis auf der Haut sichtbar werden. „Diese kleinen sogenannten septischen Embolien, ausgehend von der destruierten Klappe, sind aber glücklicherweise relativ selten“, erklärt Prof. Zeiher.

Zum Experten

Prof. Dr. Andreas Zeiher

Prof. Dr. Andreas Zeiher ist Facharzt für Innere Medizin und Kardiologie im CardioVasculären Centrum Frankfurt.

Prof. Andreas Zeiher

Wie stellt man die Diagnose einer Endokarditis?

Treten die typischen Symptome einer Endokarditis auf, ist dringend eine ärztliche Abklärung nötig! Um eine Endokarditis zu diagnostizieren, wird in der Regel eine Ultraschalluntersuchung des Herzens durchgeführt. „Wir können Veränderungen der Herzklappen heute mit den hochauflösenden Systemen wunderbar sehen“, sagt Prof. Zeiher. „Dadurch ist die Diagnose in der Regel einfach zu stellen.“

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Eine Endokarditis kann die Funktion einer Herzklappe als Ventil im Herzen beeinträchtigen. Bildquelle: iStock / gerenme

Welche Ursachen führen zu einer Endokarditis?

„Klassischerweise wird die Endokarditis, die Entzündung der Herzklappen, von Bakterien verursacht“, sagt Prof. Zeiher. Beispielsweise durch Staphylokokken oder Streptokokken, die durch offene Wunden ins Blut gelangen – etwa bei Zahnfleischproblemen, Hautverletzungen oder invasiven Eingriffen. Diese Bakterien können dann das Herz erreichen und sich dort festsetzen. 


„Im Gegensatz dazu wird die Myokarditis, die Herzmuskelentzündung, wenn sie infektiös ist, von Viren verursacht“, so der Kardiologe. 

Was sind die Risikofaktoren einer Endokarditis?

Besonders gefährdet sind Patientinnen und Patienten mit angeborenen Herzfehlern, vorgeschädigten oder künstlichen Herzklappen. Gerade künstliche Materialien können leichter von Bakterien besiedelt werden.


Auch Menschen mit chronischen Erkrankungen wie beispielsweise Diabetes mellitus haben ein höheres Erkrankungsrisiko. Bei ihnen verheilen Wunden oft schlechter, sodass die Bakterien leichter in den Körper und somit ins Blut gelangen können.

 

„Mittlerweile werden wir auch zunehmen mit Patientinnen und Patienten konfrontiert, bei denen ein Drogenmissbrauch mit Injektionen durch verunreinigte Spritzen die Endokarditis ausgelöst hat – in solchen Fällen spritzen sich die Menschen die Bakterien sozusagen selbst ins Blut“, sagt Prof. Zeiher.


Seltener sieht der Kardiologe inzwischen Rheumatische Herzklappen, die durch unbehandelte oder nicht ausreichend bekämpfte Streptokokken-Infektionen entstehen können. Diese treten oft im Kindesalter auf, weil das Immunsystem der Kinder noch nicht vollständig entwickelt ist. „Allerdings wird diese Erkrankung mittlerweile meist schon im Kindesalter entdeckt und dann werden entsprechende Therapien in die Wege geleitet“, erklärt der Kardiologe.

Führt eine Immunschwäche zu einem erhöhten Risiko für Endokarditis?

„Menschen mit einer sogenannten Immunsuppression haben ebenfalls ein erhöhtes Risiko“, erklärt Prof. Zeiher. Und auch bei krebskranken Patientinnen und Patienten ist es geringfügig erhöht. „Zudem gibt es Besonderheiten bei Menschen, die viele Hautpusteln haben oder mit ihrer Hygiene nicht so achtsam sind, sodass Keime aus dem Gastrointestinaltrakt, sogenannte Enterokokken, in die Intimzone gelangen können. Aber das sind eher Sonderfälle.“

Wie viele Menschen sind von Endokarditis betroffen?

Eine Endokarditis trifft etwa drei bis zehn von 100.000 Menschen. Im Gegensatz zur Myokarditis hat die Endokarditis in den vergangenen Dekaden deutlich an Häufigkeit zugenommen. Das hängt vor allem damit zusammen, dass die Menschen älter werden und dementsprechend häufiger geschädigte Herzklappen haben. Männer erkranken etwa doppelt so oft wie Frauen. „Die Ursache dafür kennen wir noch nicht vollständig“, so Prof. Zeiher. „Eine Vermutung ist, dass Männer eher Verletzungen haben, die sie möglicherweise nicht ganz so ernst nehmen, wie Frauen es tun würden. Allerdings kann das nicht die einzige Ursache sein – da ist also noch weitere Forschung nötig.“

Wie läuft die Behandlung einer Endokarditis ab?

Bei einer Endokarditis wird zuerst bestimmt, welche Bakterien die Entzündung verursacht haben. „Das heißt: Wir untersuchen das Blut, kultivieren die für die Endokarditis verantwortlichen Bakterien und erstellen ein sogenanntes Antibiogramm“, erklärt Prof. Zeiher. „Wir testen also, welche Antibiotika im speziellen Fall wirksam sind.“ 


Anschließend folgt meistens eine sechswöchige bis dreimonatige Antibiotika-Therapie. „Diese Langzeit-Antibiotika-Therapie soll verhindern, dass die Herzklappe von den Bakterien regelrecht ‚weggefressen‘ wird“, so der Kardiologe. 


Falls die Zerstörung der Herzklappe dennoch fortschreitet, muss sie operativ ausgetauscht werden. Dabei wird auch das Gewebe um die betroffene Klappe möglichst umfassend herausgeschnitten, um zu verhindern, dass sich eventuell noch in der Umgebung vorhandene Bakterien auf die ausgetauschte Herzklappe setzen können. 
Grundsätzlich gilt: Je früher die Behandlung der Endokarditis begonnen wird, desto günstiger ist die Prognose.

Die beste Vorbeugung!

Gerade Patientinnen und Patienten, die bereits eine infektiöse Endokarditis überstanden haben oder mit einem angeborenen Herzfehler, torgeschädigten oder künstlichen Herzklappen leben, sollten auf eine gute Mundhygiene (regelmäßiges Zähneputzen, Zahnseide, Zahnarztkontrollen) zur Reduktion von Bakterien achten. Außerdem kann vor bestimmten zahnärztlichen oder chirurgischen Eingriffen eine Antibiotika-Prophylaxe sinnvoll sein. Zudem sollten diese Hochrisiko-Patientinnen und -Patienten auf Piercings und Tattoo verzichten.

Fazit

Die Endokarditis, die Entzündung der Herzinnenhaut und der Herzklappen, zeigt sich leider häufig mit sehr unspezifischen Symptomen. Unbehandelt kann sie zu schweren Komplikationen führen. Umso wichtiger ist es, rechtzeitig mit der Therapie zu beginnen!

FAQ – Häufige Fragen zu Endokarditis: Ursachen, Symptome und Behandlung

Die Endokarditis ist eine Entzündung der Herzinnenhaut, des sogenannten Endokards, und der Herzklappen.

Durch Zahninfektionen oder Hautwunden können Bakterien in den Blutkreislauf gelangen. Diese können sich an den Herzklappen ansiedeln und eine Entzündung der Herzinnenhaut verursachen.

Die Symptome sind sehr unspezifisch: Fieber, Nachtschweiß, Schüttelfrost und Abgeschlagenheit. Später können Atemnot und Flecken auf der Haut dazukommen.

Eine Ultraschalluntersuchung des Herzens ermöglicht eine detaillierte Darstellung der Herzklappen, sodass die Anzeichen einer Infektion sichtbar werden.

Zunächst wird der verantwortliche Erreger mittels eines Bluttests bestimmt. Anschließend folgt eine Langzeit-Antibiotika-Therapie.

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