Zielgerichtete Entlastung: Wie Heart Failure Nurses mit Urinnatrium den Therapieerfolg steuern

A. Rafael (Lübeck)1, L. Arbeiter (Lübeck)1, N.-K. Drochner-Brocks (Lübeck)1, A. Mazur (Lübeck)1
1Universitätsklinikum Schleswig-Holstein Medizinische Klinik II Lübeck, Deutschland

Hintergrund

Herzinsuffizienz (HI) zählt zu den häufigsten chronischen Erkrankungen und ist mit einer hohen Morbidität, Mortalität sowie erheblichen gesundheitlichen und ökonomischen Belastungen verbunden. Eine rasche und effektive Dekongestion spielt eine zentrale Rolle in der Therapie der HI. Obwohl die Natriurese ein prognostisch relevanter Parameter ist, findet sie im klinischen Alltag bislang wenig Beachtung. Ziel des vorliegenden Konzepts ist es, durch den Einsatz eines speziell geschulten Pflegeteams eine frühzeitige und wirksame Dekongestion einzuleiten – unabhängig von ärztlicher Mitwirkung.

Methoden

Nach Beginn der intravenösen Diuretikatherapie erfolgt zwei Stunden später eine Urinnatriumbestimmung direkt am Patientenbett durch das Pflegeteam. Das Ergebnis liegt umgehend vor und ermöglicht eine sofortige Beurteilung der Natriurese, ohne zeitlichen Verzug durch Laborprozesse. Basierend auf einem standardisierten Flowchart (SOP, Abbildung 1) trifft die spezialisierte Pflegekraft eigenständig Entscheidungen zur Anpassung der Diuretikadosierung. Die Dekongestion wird kontinuierlich klinisch und sonographisch überwacht. Nach Erreichen einer stabilen Entwässerung erfolgt die Umstellung auf orale Diuretika sowie die Entlassung mit einer optimierten medikamentösen Therapie.

Ergebnisse

Aufbauend auf bereits vorhandenen Daten soll durch den Einsatz der spezialisierten HI-Fachpflege nicht nur die Machbarkeit dieses Konzepts im deutschen Versorgungskontext demonstriert werden. Ziel ist es auch, die stationäre Verweildauer zu verkürzen und die Sicherheit sowie den Nutzen einer eigenverantwortlichen Steuerung der Diuretikatherapie durch Pflegefachkräfte zu belegen – ein innovativer Schritt hin zu einer teamorientierten Versorgung und einer erweiterten pflegerischen Handlungskompetenz.

Potenzielle Vorteile des Konzepts:

  • Verkürzte Krankenhausverweildauer
  • Schnellere Erreichung der Dekongestion (ADVOR-Score ≤ 1)
  • Verbesserte Lebensqualität (KCCQ-Score, NYHA-Stadium)
  • Reduzierte Rehospitalisationsrate innerhalb von drei Monaten
  • Entlastung ärztlicher Ressourcen, insbesondere zu Randzeiten

Schlussfolgerung

Die Durchführung der Dekongestion durch ein interprofessionelles Team könnte einen Meilenstein in der Versorgung von Patient:innen mit Herzinsuffizienz darstellen. Durch gezielte Schulung und den Einsatz von Pflegekräften mit Kompetenzen in der modernen Point-of-Care-Diagnostik lässt sich eine leitliniengerechte, zeitnahe Therapie mit direktem Einfluss auf Prognose, Lebensqualität und Ressourcennutzung realisieren. Die Zukunft der Herzinsuffizienztherapie ist interprofessionell – mit der spezialisierten Herzinsuffizienzpflege als zentralem Partner im Behandlungsteam.

Abbildung 1 – Prozessbeschreibung Natriumbestimmung durch Heart Failure-Nurse