Hintergrund:
Herz-Kreislauf-Erkrankungen (CVD) stellen weltweit und auch in Deutschland die häufigste Todesursache dar und verursachen die höchsten Kosten im Gesundheitssystem. Im internationalen Vergleich weist Deutschland eine der höchsten altersstandardisierten Sterblichkeitsraten durch CVD unter den westlichen Industrienationen auf. Bis zu 70 % der CVD-Fälle sind auf modifizierbare Lebensstilfaktoren zurückzuführen – insbesondere auf Fehlernährung, Fettstoffwechselstörungen, Bewegungsmangel, Tabakkonsum und übermäßigen Alkoholkonsum.
Methoden:
Das 2024 gegründete Lipidnetzwerk HANSE-HERZ-Prävention entstand unter der Schirmherrschaft des Universitären Herzzentrums Lübeck (UHZL) sowie in Zusammenarbeit mit niedergelassenen Fach- und Hausärzten. Im Fokus steht die strukturierte Einbindung von Assistenzberufen, insbesondere Lipid-Nurses, in die kardiovaskuläre Sekundärprävention. Analog zum Herzinsuffizienz-Netzwerk Nord wird eine enge Vernetzung regionaler Akut-, Reha- und Ambulanzeinrichtungen angestrebt. Die Lipid-Nurse übernimmt eine zentrale Rolle: Sie betreut Patient/innen nach Akutereignissen wie Myokardinfarkt oder Schlaganfall mit erhöhten Lipidwerten, führt Schulungen im stationären Aufenthalt durch und organisiert strukturierte Verlaufskontrollen nach sechs Wochen und drei Monaten zur Therapieanpassung und Zielwertekontrolle. Ziel ist eine deutschlandweite Etablierung und Vergütung von Präventionsassistenzberufen.
Ergebnisse:
Die Aufgaben der Lipid-Nurse (siehe Abbildung 3) sind vielfältig und folgen einer gemeinsam erarbeiteten, sektorenübergreifenden Standard Operating Procedure (SOP, siehe Abbildung 2). Die lipidsenkende Therapie erfolgt leitliniengerecht. Das UHZL bietet Patient/innen eine umfassende Schulung sowie eine enge Anbindung an weiterbehandelnde Kardiologen und Hausärzte. Zusätzlich ermöglichen eine Telefonhotline und eine Kontakt-App eine niedrigschwellige Kommunikation, sowohl zur ärztlichen Anbindung als auch zur Klärung akuter Fragen. Die Lipid-Nurse trägt maßgeblich zur kontinuierlichen Begleitung und Gesundheitsmotivation der Patient/innen bei.
Schlussfolgerung:
Das HANSE-HERZ-Präventionsnetzwerk zielt auf eine frühzeitige Erreichung der Lipid-Zielwerte in der Sekundärprävention ab, um kardiovaskuläre Folgeereignisse zu verhindern, die Lebenserwartung zu verbessern und die sozioökonomische Belastung im Gesundheitswesen zu senken. Eine wissenschaftliche Evaluation des Programms ist für ein Jahr nach Implementierung geplant.

Abbildung 1

Abbildung 2

Abbildung 3