Echoes along the brain-heart axis: Dynamische Troponinveränderungen als Ausdruck eines akuten ICB-assoziierten Myokardschadens

H. Lesch (Mannheim)1, M. Kruska (Mannheim)2, A. Marx (Mannheim)1, L. Haucke (Mannheim)3, A. Ebert (Mannheim)1, L. Becker (Mannheim)1, K. Szabo (Mannheim)1, D. Dürschmied (Mannheim)4, I. Akin (Mannheim)4, A. Alonso (Mannheim)1, C. Fastner (Mannheim)2
1Universitätsmedizin Mannheim Neurologische Klinik Mannheim, Deutschland; 2Universitätsmedizin Mannheim I. Medizinische Klinik - Kardiologie, Hämostaseologie und internistische Intensivmedizin Mannheim, Deutschland; 3Medizinische Fakultät Mannheim der Universität Heidelberg Mannheim, Deutschland; 4Universitätsklinikum Mannheim GmbH I. Medizinische Klinik Mannheim, Deutschland

Hintergrund: Patienten mit intrakranieller Blutung (ICB) und erhöhtem kardialem Troponin(kTn)-Wert weisen ein schlechteres Outcome auf. Unklar war in diesem Zusammenhang allerdings die Bedeutung einer seriellen kTn-Messung, wie sie in der klinischen Praxis etabliert ist, und einer daraus ableitbaren kTn-Dynamik.

Ziel: Diese Arbeit untersucht den Zusammenhang zwischen dynamischen kTn-Veränderungen von ICB-Patienten, hierfür kritischen Patientenfaktoren sowie dem intrahospitalen Outcome.

Methoden: Konsekutive Patientenfälle aus der Stroke-Datenbank einer überregionalen Stroke-Unit (2015-2021) mit ICB und serieller Messung des hochsensitiven kTn I (hs-kTn I) bei Aufnahme wurden retrospektiv in eine „dynamische Gruppe“ (Anstieg oder Abfall des hs-kTn I von > 20 %) versus eine „stabile Gruppe" eingeteilt und die Assoziation von Patientenfaktoren mit einer hs-kTn-I-Dynamik geprüft. Variablen mit vermutetem Einfluss auf die intrahospitale Mortalität von ICB-Patienten wurden zur Bestimmung ihres prädiktiven Werts einer multivariaten logistischen Regressionsanalyse unterzogen.

Ergebnisse: Bei insgesamt 55/105 ICB-Patienten (52,4 %) wurde eine dynamische Veränderung des hs-kTn I festgestellt. Die Patienten in der dynamischen Gruppe hatten niedrigere mediane hs-kTn-I-Werte bei Aufnahme (0,063 vs. 0,080 µg/l, p=0,014) und seltener erhöhte hs-kTn-Werte (> 0,045 µg/l; 58,2 vs. 78,0 %, p=0,030). Ein Ventrikeleinbruch der ICB (36,4 vs. 12,0 %, p=0,004) und eine mindestens mittelgradige Aortenklappenstenose (20,0 vs. 0 %, p=0,014) waren mit einer hs-kTn-I-Dynamik assoziiert, während das vaskuläre Risikoprofil, eine koronare Herzerkrankung oder der neurologische Status bei Aufnahme keine Assoziation aufwiesen. ICB-Patienten mit hs-kTn-I-Dynamik hatten eine höhere Krankenhaussterblichkeit (29,1 vs. 10,0 %, p=0,015). Nur ein Ventrikeleinbruch der ICB war unabhängiger Prädiktor für die intrahospitale Mortalität (p=0,025, Exp(B)=3,527). Eine hs-kTn-I-Dynamik zeigte einen Trend hinsichtlich einer Prädiktion (p=0,066, Exp(B)=3,029).

Schlussfolgerungen: Das klinische Phänomen einer hs-kTn-I-Dynamik bei Krankenhausaufnahme war unter ICB-Patienten häufig nachzuweisen und mit einer höheren intrahospitalen Mortalität verbunden. Die hs-kTn-I-Dynamik scheint dabei eher Ausdruck des akuten myokardialen "Hits", den die ICB entlang der Hirn-Herz-Achse hervorruft, als auf einer ischämischen Myokardschädigung zu basieren. Dies passt in das pathophysiologische Muster des Stroke-induced Heart Injury.