Hintergrund: Die hochgradige Trikuspidalklappeninsuffizienz (TI) führt zu progredienter Multiorgandysfunktion. Der transkathetergestützte Trikuspidalklappenersatz (TTVR) eliminiert die TI und könnte so die Endorgandysfunktion verbessern. Daten aus der klinischen Praxis sind jedoch limitiert.
Methoden: In dieser retrospektiven, monozentrischen Studie wurden 78 inoperable Hochrisikopatienten (mittleres Alter 74.9±8.8 Jahre, STS-Score 7.6±5.1%) mit hochgradiger TI (47,5% torrentiell) eingeschlossen, die über einen Zeitraum von sieben Jahren einen TTVR mit sechs verschiedenen Devices im Compassionate-Use-Verfahren erhielten. Primäre Endpunkte waren das Ein-Jahres-Überleben und die Freiheit von Hospitalisierungen aufgrund von dekompensierter Herzinsuffizienz (HFH). Sekundäre Endpunkte umfassten Veränderungen hepatischer und renaler Biomarker sowie die klinische Symptomatik (NYHA-Klasse, Diuretikadosierung).
Ergebnisse: Der technische Erfolg lag bei 94.8% (74/78). Bei Entlassung wiesen 94.6% der überlebenden Patienten (70/74) nur eine milde oder geringere Rest-TI auf. Die Ein-Jahres-Mortalität betrug 83.3% (65/78). Im Vergleich zum Jahr vor dem Eingriff kam es zu einer relativen Reduktion der HFH-Rate um 67.5% (p<0,001). Die Anzahl symptomatischer Patienten (NYHA-Klasse III-IV) sank von 75.6% auf 7.8% nach einem Jahr (p<0.001). Es zeigten sich signifikante Verbesserungen der Leberfunktion [Bilirubin 1.35±0.8 auf 0.89±0.2 mg/dL (p<0.001); alkalische Phosphatase 112.5±56.8 auf 94.3±22.4 U/L (p=0.005)] und der Nierenfunktion [Kreatinin 1.44±0.6 auf 1.22±0.3 mg/dL (p<0.001); GFR 51.7±20.9 auf 56.1±12.2 ml/min/1.73m² (p=0.023)]. NT-proBNP sank signifikant von 2894±3221 pg/mL auf 1646±2173 pg/mL (p<0.001). In der univariaten Analyse waren Aszites, kardiohepatisches Syndrom (CHS), NYHA-Klasse IV und ein paravalvuläres Leck 2+ bei Entlassung signifikante Prädiktoren für den kombinierten Endpunkt aus Mortalität und HFH. In der multivariaten Analyse erwies sich die Kombination aus einem baseline CHS und einem kardiorenalen Syndrom Typ 2 (CRS-2) als der stärkste unabhängige Prädiktor (OR: 2.8; 95% KI: 1.3-6.7; p=0.033).
Schlussfolgerung: Bei Hochrisikopatienten mit schwerer TI und begleitender Multiorgandysfunktion ist der TTVR mit einer signifikanten Verbesserung der Leber- und Nierenfunktion, der klinischen Symptomatik und der Reduktion von HFH assoziiert. Das Vorliegen eines kombinierten kardiohepatischen und kardiorenalen Syndroms identifiziert Patienten mit dem höchsten Risiko für adverse Ereignisse, die jedoch gleichzeitig erheblich von der TI-Elimination profitieren können. Dies unterstreicht die Bedeutung einer frühzeitigen Intervention, bevor eine irreversible Endorganschädigung eintritt.




