Hintergrund:
Arterielle Hypertonie ist einer der Hauptrisikofaktoren für kardiovaskuläre Erkrankungen. Dennoch sind viele Patienten unzureichend eingestellt, was unter anderem an einer eingeschränkten Medikamentenadhärenz liegt. Dabei zeigt sich häufig eine weitere Abnahme dieser innerhalb des ersten Behandlungsjahres.
Ziel:
Das Ziel dieser Substudie war es zu untersuchen, ob Personen, die unter regelmäßiger medizinischer Betreuung via Telefonkontakt stehen, eine höhere Medikamentenadhärenz aufweisen als Personen ohne engmaschigen medizinischen Kontakt.
Methoden:
Es handelt sich hierbei um eine Subanalyse der Remote-Control-HTN-Studie. In diese wurden Patienten, die trotz einer Medikation von 1 bis 4 Antihypertensiva hypertone Blutdruckwerte hatten, eingeschlossen. Die Teilnehmer wurden in eine Interventionsgruppe (alle 2 Wochen telefonische Kontaktaufnahme zur Anpassung der Medikation oder bspw. Umstellung bei Nebenwirkungen) oder eine Kontrollgruppe randomisiert. Nach 6 Monaten erfolgte ein Cross-over.
Bei Einschluss, nach 6 Monaten sowie nach 12 Monaten wurde die Medikation erfasst sowie die Adhärenz mittels Medikamententestung im Blut und Urin untersucht. Endpunkt dieser Substudie war die Medikamentenadhärenz nach 6 und 12 Monaten.
Ergebnisse:
Die 60 Teilnehmer nahmen bei Einschluss durchschnittlich 2,37 ± 1,0 Medikamente ein. Innerhalb der ersten 6 Monate wurde die Medikamentenanzahl in der Interventionsgruppe signifikant gesteigert (2,31 ± 1,1 vs. 3,59 ± 1,2, p<0,01), wobei sich vor allem eine Zunahme an Calcium-Kanal-Blockern, Diuretika und Aldosteron-Antagonisten zeigte. Dabei handelte es sich häufiger um Kombinationspräparate.
Nach 6 Monaten nahmen die Teilnehmer in der Interventionsgruppe eine numerisch leicht höhere Anzahl an Medikamenten als die in der Kontrollgruppe ein (3,59 ± 1,2 vs. 3,19 ± 1,2, p=0,22), hatten aber deutlich bessere Blutdruckwerte (systolisch 129,4 ± 6,9 vs. 138,8 ± 12,3, p<0,01 bzw. diastolisch 79,0 ± 6,9 vs. 87,2 ±9,0, p<0,01).
Nach Cross-over in den Kontrollarm kam es nur zu einer numerisch leichten Abnahme der Medikamentenanzahl (3,59 ± 1,2 vs. 3,22 ± 1,1, p=0,24) bei weiterhin guter Blutdruckeinstellung.
Bereits bei Einschluss konnte laborchemisch eine hohe Medikamentenadhärenz von 88,8 ± 24,4 % detektiert werden. Bei der 6-Monatskontrolle zeigte sich weiterhin eine hohe Adhärenz, welche in der Interventionsgruppe numerisch höher war als in der Kontrollgruppe (94,2 ± 13,2 % vs. 88,8 % ± 25,1 %, p=0,36).
Nach 12 Monaten zeigte sich weiterhin eine hohe Adhärenz, welche in der initialen Interventionsgruppe nach Cross-over numerisch nur leicht abgenommen hatte (86,6% vs. 87,1% (initiale Kontroll-Gruppe), p= 0,95).
Zusammenfassung:
Insgesamt konnten die Studie zeigen, dass Patienten unter regelmäßiger telemedizinischer Überwachung eine hohe Medikamentenadhärenz aufweisen.
Unter engmaschigem telefonischem Kontakt konnte mit einer insgesamt nur geringen Erhöhung der Medikamentenanzahl eine deutliche Besserung der Blutdruckwerte erzielt werden im Vergleich zur Kontrollgruppe.