Computertomographische Planimetrie versus Echokardiographie in der Beurteilung der Mitralklappenstenose

R. Schmitt (Bad Krozingen)1, P. C. E. Steinhoff (Bad Krozingen)1, D. Hazard (Freiburg im Breisgau)2, J. Brado (Bad Krozingen)1, H. N. Momm (Bad Krozingen)1, M. Hein (Bad Krozingen)1, D. Westermann (Freiburg im Breisgau)3, P. Breitbart (Frankfurt am Main)1, P. Ruile (Bad Krozingen)1
1Universitäts-Herzzentrum Freiburg / Bad Krozingen Klinik für Kardiologie und Angiologie Bad Krozingen, Deutschland; 2Institut für medizinische Biometrie und Statistik Universitätsklinikum Freiburg Freiburg im Breisgau, Deutschland; 3Universitäts-Herzzentrum Freiburg - Bad Krozingen Innere Medizin III, Kardiologie und Angiologie Freiburg im Breisgau, Deutschland
Hintergrund und Ziel:
Die Quantifizierung der Mitralklappenstenose (MS) bleibt insbesondere bei degenerativen Vitien diagnostisch herausfordernd. Während die computertomographische (CT) Planimetrie bereits für andere Klappenerkrankungen validiert wurde, ist ihre Rolle bei der MS bisher unklar. Ziel dieser Studie war es, die Durchführbarkeit und diagnostische Aussagekraft der CT-Planimetrie im Vergleich zu echokardiographischen Parametern bei Patienten mit MS zu evaluieren.

Methoden:

In die retrospektive Analyse wurden 85 Patienten (mittleres Alter 79 ± 7,8 Jahre; 63,5 % weiblich) mit einem mittleren transmitralen Druckgradienten (MPG) ≥ 5 mmHg in der transthorakalen Echokardiographie zwischen 2019 und 2024 und einer EKG-getriggerten kardialen Computertomographie innerhalb von drei Monaten nach Echokardiographie eingeschlossen. Patienten mit signifikanter Mitralklappeninsuffizienz, mechanischem Klappenersatz, Valve-in-Valve-Prozeduren, vorangegangenem Edge-to-Edge-Repair oder unzureichender Bildqualität wurden ausgeschlossen. 

Ergebnisse:

Die CT-basierte Planimetrie der Mitralklappenöffnungsfläche (MVA) war in allen eingeschlossenen Fällen durchführbar und zeigte eine hohe Interobserver-Übereinstimmung (Intraklassenkorrelationskoeffizient = 0,983; 95 %-KI 0,960–0,993). Die mittels CT ermittelte MVA korrelierte invers mit dem MPG (rho = –0,60; 95% CI -0.73;-0.42) und moderat mit der echokardiographischen Planimetrie (rho = 0,58; 95% CI 0.29;0.78). Besonders ausgeprägt war diese Korrelation in den Subgruppen mit degenerativen und nativen Klappen. Die Übereinstimmung mit der aus der pressure halftime (PHT) abgeleiteten MVA war dagegen schwach und inkonsistent über alle Subgruppen (rho = 0,32; 95% CI -0.01;0.60).

Schlussfolgerungen:

Die computertomographische Planimetrie stellt ein gut durchführbares und hoch reproduzierbares Verfahren zur Quantifizierung der Mitralklappenöffnungsfläche bei MS dar. Die besten Korrelationen ergaben sich mit dem mittleren transmitralen Druckgradienten und der echokardiographischen Planimetrie, während die Übereinstimmung mit der indirekten, PHT-basierten Methode begrenzt war. Somit kann die CT-Planimetrie als ergänzendes diagnostisches Instrument insbesondere bei unklaren oder technisch eingeschränkten echokardiographischen Befunden dienen und zur verbesserten Beurteilung der MS beitragen.