Akute hämodynamische Belastungsreaktion beim Krafttraining – Einfluss unterschiedlicher Trainingsmodalitäten bei Patienten mit koronarer Herzkrankheit. Erste Ergebnisse der HEMODYRET-Studie

T. Schmidt (Köln)1, L. Riemer (Köln)2, C. Vikoler (Köln)2, R. Milewski (Köln)2, C. Niederegger (Köln)2, H.-G. Predel (Köln)1, B. Bjarnason-Wehrens (Köln)2, F. Mazzoli-Rocha (Köln)2
1Deutsche Sporthochschule Köln Institut für Kreislauforschung und Sportmedizin Köln, Deutschland; 2Deutsche Sporthochschule Köln Institut für Kreislaufforschung und Sportmedizin Köln, Deutschland

Hintergrund: Krafttraining (RT) ist ein zentraler Bestandteil der kardiologischen Rehabilitation. Daten zur akuten hämodynamischen Belastungsreaktion bei KHK-Patienten sind bislang begrenzt. Ziel war es, die akute hämodynamische Reaktion beim dynamischen Training an der Beinpresse (DLP) und beim isometrischen Wandsitzen (IWS) zu untersuchen.

Methoden: Prospektive, randomisierte, Cross-over-Studie: Testtag 1: Maximalkrafttest (1RM) an der Beinpresse. Testtag 2: Jeweils 2 Sätze IWS über 90 s bei zwei verschiedenen Winkelgeraden (IWS-Low: 135°, IWS-Mod:115°) mit einer Satzpause von 2 min. Testtag 3: Jeweils 3 Sätze DLP bei zwei verschiedenen Intensitäten (DLP-Low: 15 Wdh. bei 40% 1RM; DLP-High: 8 Wdh. bei 80% 1RM) mit einer Satzpause von 90 s. Zwischen den Protokollen bestand eine Washout-Phase von ≥ 30 min. Zur Vermeidung des Valsalva-Manövers wurde die Atmung kontrolliert. Während der Belastung erfolgte eine kontinuierliche hämodynamische Messung (SBP, DBP, Pulsrate) mittels Vascular Unloading Technik. Die erhobenen Daten sind als Median (IQR) angegeben und wurden mittels Zwei-Wege-ANOVA mit Bonferroni-Korrektur analysiert.

Ergebnisse: Zwölf stabile KHK-Patienten (83% m; 68,5 [65,5–73,5] Jahre; BMI: 26,8 [23,0-30,2]; LVEF: 57 [55–63] %) wurden bisher untersucht. Das 1RM an der Beinpresse betrug 154 (123-177) kg. Alle Teilnehmenden absolvierten sämtliche Protokolle ohne Komplikationen. Beide Modalitäten (IWS + DLP) führten zu signifikanten, intensitätsabhängigen SBP-Anstiegen.
Beim IWS-Low stieg der SBP von 132 [130-140] mmHg in Ruhe auf 162 [151-181] mmHg im zweiten Satz (p<0.01). Beim IWS-Mod stieg der SBP von 129 [124-134] in Ruhe auf 196 [181-222] mmHg im zweiten Satz. (p<0.001) Der Unterschied zwischen beiden IWS-Intensitäten war signifikant (p<0.01). Der höchste gemessene Einzelwert betrug 238 mmHg (IWS-Mod, 2. Satz).
Beim DLP-Low erhöhte sich der SBP von 141 [124–144] mmHg in Ruhe auf 167 [157–174] mmHg im dritten Satz (p<0.01). Beim DLP-High steigerte sich der SBP von 138 [134–143] mmHg in Ruhe auf 190 [181–202] mmHg im dritten Satz (p <0.001). Der Unterschied zwischen beiden Intensitäten war signifikant (p<0.05). Der höchste gemessene Einzelwert betrug 242 mmHg (DLP-High, 3. Satz).
Bezogen auf den DBP und die Pulsrate gab es nur geringere (DBP) oder keine (Pulsrate) signifikanten Veränderungen zwischen den Modalitäten.

Schlussfolgerung: Sowohl IWS als auch DLP wurden von KHK-Patienten gut toleriert. Beide Modalitäten führten jedoch zu intensitätsabhängigen SBP-Anstiegen mit individuellen Maximalwerten >220 mmHg. Die Ergebnisse unterstreichen den Bedarf, zentrale Trainingsparameter wie Intensität, Dauer und Pausenzeit weiter zu untersuchen.