Hintergrund und Zielsetzung: Frühe Rhythmuskontrolle verbessert die Prognose bei Patient:innen mit Vorhofflimmern (VHF) und chronischer Herzinsuffizienz. Unklar ist jedoch, welchen Stellenwert sie bei akuter dekompensierter Herzinsuffizienz (ADHF) hat. Ziel dieser Studie war es, die Charakteristika der betroffenen Patient:innen zu beschreiben und den Zusammenhang zwischen Rhythmuskontrolle und klinischen Endpunkten bei hospitalisierten ADHF-Patient:innen mit gleichzeitigem VHF zu untersuchen.
Methoden: Analysiert wurden Daten der prospektiven CYCLE-Kohorte von Patient:innen mit ADHF, definiert als NT-proBNP ≥300pg/ml und Hospitalisierung mit Verschlechterung von Herzinsuffizienzsymptomen, von 2019 bis Juli 2024. Rhythmuskontrolle umfasste Kardioversion, antiarrhythmische Medikation oder Vorhofflimmerablation; ein Erfolg wurde als Sinusrhythmus bei Entlassung definiert. Assoziationsanalysen zwischen einer frühen Rhythmuskontrolle und der Gesamtmortalität erfolgten mittels Cox-Regression und Kaplan-Meier-Analysen.
Ergebnisse: Von 285 hospitalisierten ADHF-Patient:innen präsentierten sich 49,5% mit Vorhofflimmern. Im Vergleich zu Patient:innen ohne VHF waren diese älter (77 vs. 70 Jahre), litten häufiger an arterieller Hypertonie (76,6% vs. 66,4%) und seltener an ischämischer Kardiomyopathie (34,1% vs. 55,4%). Eine frühe Rhythmuskontrolle wurde bei 51,1% der ADHF-Patient:innen mit VHF eingeleitet; bei 75,0% dieser Patient:innen konnte bis zur Entlassung ein Sinusrhythmus erreicht werden. Eine neu aufgetretene Herzinsuffizienz stellte einen unabhängigen Prädiktor für die Einleitung einer frühen Rhythmuskontrolle dar, während Anämie, Betablocker-Therapie, eine koronare Herzerkrankung sowie die Einnahme von Schleifendiuretika mit einer geringeren Wahrscheinlichkeit der Einleitung einer frühen Rhythmuskontrolle verbunden waren. Über eine mediane Nachbeobachtungsdauer von 2,97 Jahren zeigte sich eine signifikante Assoziation zwischen früher Rhythmuskontrolle und einer niedrigeren Gesamtmortalität (adjustierte Hazard Ratio [HR] 0,46; 95%-KI 0,26-0,82; p=0,009). Ähnliche Ergebnisse ergaben sich für eine erfolgreiche frühe Rhythmuskontrolle (adjustierte HR 0,38; 95%-KI 0,19-0,75; p=0,006). Ein geringerer Einsatz der frühen Rhythmuskontrolle war unabhängig mit einer Betablocker- und Schleifendiuretika-Therapie, sowie mit Anämie und koronarer Herzkrankheit assoziiert. Die Etablierung einer erfolgreichen frühen Rhythmuskontrolle war bei älteren Patient:innen und bei Patient:innen mit Bluthochdruck, Betablocker-Therapie oder Schleifendiuretika-Einnahme weniger wahrscheinlich.
Schlussfolgerung: Eine frühe und erfolgreiche Rhythmuskontrolle bei ADHF-Patient:innen mit VHF war mit einer verbesserten Überlebensrate verbunden als eine stationäre Behandlung ohne Rhythmuskontrolle. Diese Ergebnisse sind hypothesengenerierend und sollten in externen Kohorten sowie in randomisierten klinischen Studien bestätigt werden.