Hintergrund: Arterielle Pseudoaneurysmen (PA) der oberen Extremität sind seltene, jedoch potenziell schwerwiegende Komplikationen nach diagnostischen oder interventionellen Kathetereingriffen. Während PA im Bereich der Femoralarterie gut untersucht sind, liegen über Läsionen der A. radialis, A. brachialis und A. ulnaris nur begrenzte Daten vor. Mit der Etablierung des transradialen Zugangs als Goldstandard für die konventionelle Koronarangiographie sind vermehrte Gefäßkomplikationen der oberen Extremität zu erwarten. Ziel dieser Untersuchung war die Analyse der Häufigkeit und Therapie iatrogener PA der oberen Extremität in unserem universitären Herzzentrum.
Methoden: Eingeschlossen wurden alle Patienten, bei denen zwischen Januar 2016 und September 2025 ein Pseudoaneurysma nach einem Kathetereingriff an der oberen Extremität diagnostiziert wurde. Erfasst wurden demographische und klinische Daten, Lokalisation des Gefäßzugangs, Zeitintervall bis zur Diagnosestellung sowie das gewählte Therapieverfahren. Therapeutisch kamen gezielte Druckverbände (DV), Thrombin-Injektionen (TI) und Operation zum Einsatz.
Ergebnisse: Insgesamt wurden 35 Patienten (22 weiblich; medianes Alter 81) mit nachgewiesenem PA analysiert. Die häufigste Lokalisation war die A. radialis (n = 21; 60,0 %), gefolgt von der A. brachialis (n = 8; 22,9 %) und der A. ulnaris (n = 6; 17,1 %). In 28 Fällen (80,0%) erfolgte der Eingriff über den rechten Arm. Das mediane Zeitintervall zwischen Intervention und Diagnose betrug einen Tag (IQR 1,0 – 5,0). Fünf Patienten (14,3%) präsentierten ein spontan thrombosiertes PA. 24 Patienten (68,6%) erhielten erneute DV und bei zehn Patienten (28,6%) wurden TI durchgeführt. Fünf Patienten (14,3%) wurden operiert, eine Patientin verweigerte die Behandlung des PA. Von den behandelnden Patienten (N = 29) gelang der Verschluss des PA in 15 Fällen (51,7%) nur durch DV. Wurde eine TI durchgeführt, so konnte in 90% der Patienten das PA ohne Operation verschlossen werden. Bei einer Patientin kam es nach erfolgreicher TI zu einem Verschluss der A. radialis. Assoziiert mit einer mindestens einmal frustranen DV-Therapie waren eine längere Zeit bis zur Diagnose (6,0 Tage; IQR 1,0 – 20,0 vs. 1,0; IQR 0.0 – 3,3; p = 0,014), eine Diagnose nach Entlassung (85,7% vs. 23,5%; p = 0,005) sowie eine orale Antikoagulation am Eingriffstag (87,5% vs. 18,8%; p = 0,001) oder bis zur Diagnose (75,0% vs. 8,3%; p < 0,001). Faktoren, die mit einer notwendigen Operation assoziiert waren, sind ebenfalls eine längere Zeit bis zur Diagnose (7,0 Tage; IQR 3,0 – 23,5 vs. 1,0; IQR 1.0 – 3,5; p = 0,013) eine Diagnose nach Entlassung (44,4% vs. 4,0 %; p = 0,003) sowie eine orale Antikoagulation am Eingriffstag (37,5% vs. 7,7%; p = 0,037) oder bis zur Diagnose (30,8% vs. 4,8%; p = 0,037).
Schlussfolgerung: PA der oberen Extremität sind eine seltene Komplikation nach interventionellen Kathetereingriffen. Sowohl eine Kompressionstherapie als auch die TI haben eine hohe Wirksamkeit, wobei das Fehlen einer oralen Antikoagulation vor und nach dem Eingriff sowie eine frühe Diagnose mit signifikant besseren Verschlusschancen einhergingen. Prospektive Multicenter-Studien sind erforderlich um standardisierte Therapiealgorithmen zu evaluieren.