Hintergrund: Endovaskuläre fibröse, flottierende Residuen (EFR), sogenannte „Ghosts“, nach Extraktion von Herzschrittmacher- und ICD-Sonden wurden in mehreren Studien und Fallberichten beschrieben. Ihre klinische Bedeutung sowie mögliche Assoziationen mit Patientenmerkmalen und Device-Eigenschaften sind bislang nicht abschließend geklärt.
Ziel: Diese Arbeit untersucht die Prävalenz von EFR in der transösophagealen Echokardiographie (TEE) nach Sondenextraktion und ihren Zusammenhang mit klinischen Parametern und Device-Charakteristika sowie mit dem weiteren klinischen Verlauf.
Methoden: In einer monozentrischen, retrospektiven Registerdatenbank aller am Herzzentrum Leipzig an einem aktiven Herzrhythmusimplantat (CIED) operierten Patienten wurden Fälle identifiziert, bei denen aufgrund einer infektiösen Indikation (lokale Infektion, CIED-assoziierte Endokarditis) eine transvenöse Sondenextraktion >12 Monate nach CIED-Erstimplantation im Zeitraum von 01/2023 bis 12/2024 erfolgte. Patienten ohne Folge-TEE nach Sondenextraktion wurden ausgeschlossen. Entsprechend der post-operativen TEEs erfolgte eine Differenzierung zwischen fehlenden EFR, nicht-Trikuspidalklappen-assoziierten sowie Trikuspidalklappen-assoziierten EFR.
Ergebnisse: Insgesamt erfüllten 126 Patienten die Selektionskriterien (medianes Alter 77,4 Jahre, 19,8% weiblich, 69,8% mit Vegetationen in der präoperativen TEE). Eine vollständige Systemexplantation von im Median 2 Elektroden (Interquartilsabstand [IQR] 1; medianes Alter der ältesten Elektrode 8,5 Jahre [IQR 9,2 Jahre]) gelang in 93,7% (klinisch erfolgreich in 97,7%), eine CIED-Reimplantation erfolgte bei 64,3% aller Patienten. Nicht-Trikuspidalklappen-assoziierte bzw. Trikuspidalklappen-assoziierte EFR wurden bei 38 Patienten (30,2%) und 23 Patienten (18,3%) nach Sondenextraktion nachgewiesen. Die Anzahl explantierter Sonden war signifikant höher bei Patienten mit postoperativ nachweisbaren EFR (p jeweils <0,05 vgl. mit Patienten ohne EFR). Eine höhere Zahl vorangegangener Elektroden-assoziierter Eingriffe waren mit einer erhöhten Prävalenz nicht-Trikuspidalklappen-assoziierter EFR verbunden (p<0,001 vgl. mit Patienten ohne EFR, p=0,080 vgl. mit Trikuspidalklappen-assoziierten EFR). Andere Basischarakteristika sowie das mittlere bzw. maximale Elektrodenalter waren innerhalb der Gruppen nicht verschieden. Das Vorhandensein von EFR war mit einer längeren Dauer der antibiotischen Therapie, einer verlängerten Zeit bis zur Reimplantation sowie einer prolongierten Krankenhausverweildauer assoziiert (p jeweils <0,05). Die Krankenhaussterblichkeit lag bei 10,32% ohne relevante Unterschiede zwischen den Gruppen.
Fazit: Sowohl Trikuspidalklappen-assoziierte als auch nicht-Trikuspidalklappen-assoziierte EFR beeinflussen den intrahospitalen Verlauf nach Sondenextraktion von Patienten mit CIED-assoziierten Infektionen relevant. Der Einfluss auf die langfristige Prognose der Patienten bedarf weiterer wissenschaftlicher Untersuchungen.