Hintergrund: Herzinsuffizienz (HF), chronische Nierenkrankheit (CKD) und Typ-2-Diabetes (T2D) sind zentrale, häufig koinzidente Komponenten des kardiorenal-metabolischen Syndroms. Betroffene Patienten werden typischerweise hausärztlich betreut und weisen ein erhöhtes Risiko für Mortalität, Morbidität und Hospitalisierung auf. Trotz des nachgewiesenen Nutzens einer leitliniengerechten Medikation, insbesondere der Behandlung mit Sodium-Glucose-Cotransporter-2-Inhibitoren (SGLT2i), ist deren Einsatz in Deutschland bislang unzureichend etabliert. Eine strukturierte, sektorenübergreifende Versorgung ist für die Verbesserung der Mortalität, Morbidität und Lebensqualität essenziell. Real-World-Daten zur Umsetzung in der hausärztlichen Versorgung liegen bislang nur begrenzt vor. Ziel dieser retrospektiven Querschnittsanalyse war es, die aktuelle Versorgungssituation von Patienten mit kardiorenal-metabolischem Syndrom in der deutschen Hausarztpraxis anhand elektronischer Real-World-Daten zu untersuchen.
Methoden: Die WATCH-HF-Subanalyse der InspeCKD-Studie [1] basiert auf anonymisierten Routinedaten aus 1.244 hausärztlichen Praxen. Eingeschlossen wurden Patienten (≥18 Jahre) mit dokumentierten kardiovaskulären Risikofaktoren oder Diagnosen, einschließlich HF, CKD und T2D. Die Identifikation erfolgte ICD-10-basiert unter Berücksichtigung sämtlicher HF-Phänotypen. Der Erfassungszeitraum umfasste Januar 2021 bis Juni 2023.
Ergebnisse: Von 448.837 eingeschlossenen Patienten wiesen 12,2 % (n = 54.721) eine dokumentierte HF-Diagnose auf. Davon hatten 1.891 (3,5 %) Personen zusätzlich sowohl eine CKD- als auch eine T2D-Diagnose vor HF-Erstdiagnose. Das mittlere Alter dieser komorbiden Kohorte betrug 77,5 Jahre, und etwas mehr als die Hälfte (51,6 %) waren weiblich. Eine NT-proBNP-Bestimmung vor HF-Diagnose erfolgte lediglich bei 2,6 % (n=50) der Patienten, wobei der mittlere Wert mit 2.553,7 pg/ml deutlich erhöht war; die maximale Dauer zwischen Messung und HF-Diagnose betrug 10 Wochen. Trotz Mehrfachindikation erhielten über den gesamten Beobachtungszeitraum nur 32,4 % (n = 612) der multimorbiden Patienten (HF+CKD+T2D) eine SGLT2i-Verordnung. Unter den 1.185 Patienten mit mindestens 13 Wochen Beobachtungszeitraum vor und 26 Wochen nach HF-Diagnose wurde bei lediglich 162 (13,7 %) Patienten bereits vor der HF-Diagnose ein SGLT2i verschrieben, während 1.023 (86,3 %) nicht behandelt wurden. Innerhalb von 26 Wochen nach HF-Diagnosestellung wurden 10,0 % (n = 119) erstmals mit einem SGLT2i behandelt; die mittlere Zeit bis zur Therapieinitiierung betrug 8,5 Wochen.
Schlussfolgerung: Die Analyse zeigt erhebliche Diskrepanzen zwischen aktuellen Leitlinienempfehlungen und der Versorgungspraxis von Patienten mit HF, CKD und T2D in der deutschen hausärztlichen Praxis. Zur Optimierung der Behandlungsergebnisse sind Verbesserungen in der Diagnostik, Therapiestandardisierung sowie eine engere sektorenübergreifende Zusammenarbeit erforderlich. Zudem sollten Wissen und Ressourcen für die Versorgung dieser komplexen Patientengruppe in der hausärztlichen Praxis flächendeckend verfügbar gemacht und adäquat vergütet werden.
1. Wanner C, et al. MMW Fortschr Med. 2024;166:9–17.