Hintergrund
Ventrikuläre Extrasystolen (VES) werden bislang häufig als benigne betrachtet, ihre potenziellen subklinischen Auswirkungen auf die linksventrikuläre (LV) Funktion sind jedoch unzureichend untersucht. Ziel dieser Studie war es daher, frühe Anzeichen einer myokardialen Funktionsstörung sowie eines strukturellen kardialen Remodelings zu identifizieren, die durch idiopathische ventrikuläre Extrasystolen verursacht werden und sich mittels kardialer Magnetresonanztomographie (CMR) in Abhängigkeit von der VES-Last nachweisen lassen könnten.
Methoden
Klinische und bildgebende Daten von Patientinnen und Patienten mit ventrikulären Extrasystolen ohne strukturelle Herzerkrankung wurden retrospektiv ausgewertet. Frequenz, Ursprung und Morphologie der VES wurden anhand eines 24-Stunden-Langzeit-EKGs mit 12 Ableitungen erfasst. Die CMR diente zur Beurteilung des linksventrikulären (LV) Strains, der Ejektionsfraktion (LVEF), des enddiastolischen Volumens (indexiertes LVEDV), der Myokardmasse sowie des Fibroseausmaßes anhand nativer T1-Zeiten und des Late-Gadolinium-Enhancements (LGE). Anschließend wurde der Zusammenhang zwischen VES-Last und myokardialer Funktionsbeeinträchtigung untersucht. Patientinnen und Patienten mit einer VES-Last von <100 VES/24h wurden mit solchen mit höherer VES-Last verglichen. Darüber hinaus erfolgte ein Vergleich zwischen Personen mit VES und gesunden Kontrollprobandinnen und -probanden.
Ergebnisse
Insgesamt wurden 443 Patientinnen und Patienten mittleren Alters (Median 54 Jahre [33-69 Jahre], 45% weiblich) eingeschlossen, die ein breites Spektrum an VES-Last aufwiesen (Median 10 VES/24h; Bereich von 0-50194/24h). Eine höhere VES-Frequenz war mit einem ungünstigen kardialen Remodeling assoziiert, gekennzeichnet durch eine linksventrikuläre Dysfunktion (LVEF: r2=0,123, p<0,0001; globale zirkumferenzielle Deformation (GCS): r2=0,149, p<0,0001), eine ventrikuläre Dilatation (indexiertes LVEDV r2=0,054, p<0,01), sowie eine myokardiale Fibrose (globale T1-Zeiten: r=0,173; p<0,05). Die Schwellenwerte der VES-Last, ab denen eine Einschränkung der kardialen Funktion nachweisbar war, lagen im unteren Bereich der bislang als klinisch relevant betrachteten VES-Last; die GCS erwies sich dabei als sensitivster Parameter (reduzierte GCS: >794 VES/24h, AUC=0,691, p<0,0001; reduzierte LVEF: >878 VES/24h, AUC=0,631, p<0,01). Eine Einschränkung der kardialen Funktion war unabhängig mit männlichem Geschlecht und der VES-Frequenz assoziiert.
Schlussfolgerung
Die linksventrikuläre Funktion scheint empfindlicher auf VES-assoziierte Veränderungen zu reagieren, als bislang angenommen. Eine zunehmende VES-Last ging mit einer frühen Beeinträchtigung der LV-Funktion einher, die mit strukturellem kardialem Remodeling verbunden war. Besonders die Messung der GCS erwies sich dabei als der sensitivste Parameter zum Nachweis einer beginnenden myokardialen Funktionsstörung. Diese Ergebnisse sollten in künftigen Studien bestätigt und hinsichtlich ihrer klinischen Relevanz weiter untersucht werden.