Periinterventionelles Ressourcenmanagement und Risikostratifikation bei TAVI: Klinische Relevanz der präprozeduralen NYHA-Klassifikation

B. Markus (Marburg)1, P. Lauten (Bad Berka)2, G. Chatzis (Marburg)1, L. Steinheisser (Marburg)1, T. Zaun (Marburg)3, N. Patsalis (Marburg)1, S. Syntila (Marburg)1, H. Lapp (Bad Berka)2, B. Schieffer (Marburg)1, J. Kreutz (Marburg)1
1Universitätsklinikum Giessen und Marburg GmbH Klinik für Kardiologie, Angiologie und internistische Intensivmedizin Marburg, Deutschland; 2Zentralklinik Bad Berka GmbH Klinik für Kardiologie und Internistische Intensivmedizin Bad Berka, Deutschland; 3Universitätsklinikum Giessen und Marburg Klinik für Kardiologie, Angiologie und internistische Intensivmedizin Marburg, Deutschland

Hintergrund:
Bestehende Risikostratifikationsmodelle für den transkatheter Aortenklappenersatz (TAVI) sind komplex und häufig nur begrenzt praxistauglich für die Steuerung des periinterventionellen Managements und der Ressourcenplanung. Angesichts zunehmender Patientenzahlen und begrenzter intensivmedizinischer Kapazitäten besteht ein Bedarf an einfach anwendbaren, klinisch validen Parametern, die frühzeitige Interventionsentscheidungen und eine effiziente Ressourcensteuerung unterstützen. Ziel dieser Arbeit war es, den prädiktiven Wert der präprozeduralen NYHA-Klassifikation hinsichtlich klinischer Outcomes und des Ressourcenverbrauchs zu untersuchen.

Methoden:
In einer retrospektiven, multizentrischen Kohortenanalyse von 2.261 konsekutiven TAVI-Patienten (2017–2022) wurden klinische Outcomes (Komplikationen, 30-Tage- und 1-Jahres-Mortalität) sowie Indikatoren des Ressourcenverbrauchs (Hospitalisationsdauer, Intensivtherapie- und Nierenersatztherapiebedarf) in Abhängigkeit von der präprozeduralen NYHA-Klasse (I/II, III, IV) analysiert.

Ergebnisse:
Mit zunehmender NYHA-Klasse zeigte sich ein deutlicher Anstieg von Mortalität, Komplikationen und Ressourcenbedarf. NYHA IV war mit einer 7,6-fach erhöhten Reanimationsrate, einer 5,9-fach höheren 30-Tage-Mortalität (8,3 % vs. 1,4 %, p < 0,001) und einer 3,7-fach höheren 1-Jahres-Mortalität (19,2 % vs. 5,2 %, p < 0,001) im Vergleich zu NYHA I/II assoziiert. Parallel dazu stieg der Bedarf an Vasopressoren (7,3-fach, 11,7 % vs. 1,6 %; p<0,001), die Häufigkeit des Einsatzes der Nierenersatztherapie (34-fach; 6,8 % vs. 0,2 %; p<0,001) sowie die Hospitalisierungsdauer um 67 % (10 vs. 6 Tage, p < 0,001) im Vergleich beider Kollektive. Insbesondere Patienten im Stadium NYHA I–II wiesen somit ein deutlich stabileres periinterventionelles Profil mit geringerem Ressourcenverbrauch auf.

Schlussfolgerungen:
Die präprozedurale NYHA-Klassifikation ist ein robuster, klinisch leicht anwendbarer Prädiktor für Mortalität, Komplikationen und Ressourcenbedarf bei TAVI. Besonders der Übergang zu NYHA IV markiert eine kritische Dekompensationsphase, in der die Vulnerabilität rapide ansteigt und der Ressourcenbedarf erheblich wächst. Frühzeitige Indikationsstellung und Intervention vor Erreichen dieses Stadiums sowie die Integration der NYHA-Klassifikation in ressourcenorientierte periinterventionelle Strategien können die Ergebnisqualität verbessern und den Einsatz intensivmedizinischer Kapazitäten optimieren. Diese Ansätze verdeutlichen ebenso die Notwendigkeit der intensiveren Verzahnung ambulanter und stationärer Strukturen und deren Integration in adaptive, zukunftsorientierte Versorgungspfade, die eine frühzeitige Diagnostik und schnelle Reaktion auf klinische Verschlechterungen ermöglichen.