Hintergrund:
Sondenlose Schrittmacher (Leadless Pacemaker, LP) haben sich als sichere und effektive Alternative zu transvenösen Systemen etabliert. Nach dem Marktrückzug des Nanostim™ war der Micra™ (Medtronic) über Jahre das einzige verfügbare LP-System. Seit 2022 steht mit dem Aveir™ (Abbott) ein weiteres System zur Verfügung, das sich durch einen aktiven Schraub-Fixationsmechanismus, erweiterte Programmieroptionen und eine potenziell längere Batterielaufzeit unterscheidet. Vergleichsdaten beider Systeme sind bislang limitiert und stammen überwiegend aus Italien.
Ziel:
Vergleich beider marktverfügbaren, sondenlosen Schrittmachersysteme hinsichtlich Machbarkeit, Sicherheit und prozeduraler Aspekte.
Methoden:
In einer retrospektiven Registeranalyse wurden alle konsekutiven LP-Implantationen von 2017–2025 in einem tertiären Herzzentrum erfasst. Erhoben wurden demografische und klinische Basisdaten, prozedurale Parameter, elektrische Kennwerte (Reizschwelle, Sensing) sowie Ereignisse bis 30 Tage nach Implantation.
Ergebnisse:
Insgesamt wurden 70 Patienten (60 % männlich) eingeschlossen (Micra n = 38, Aveir n = 32). Hauptindikation war bradykardes Vorhofflimmern. Das mittlere Alter (81 ± 7,2 J.), der BMI (27 ± 5,7 kg/m²) sowie die LVEF (51 ± 6,7 %) waren vergleichbar.
Eine höhergradige Trikuspidalinsuffizienz (53 % vs. 42 %, p = 0,01), fortgeschrittene Herzinsuffizienz (NYHA III–IV 93 % vs. 71 %, p < 0,01) und chronische Niereninsuffizienz (66 % vs. 21 %, p < 0,01) fanden sich häufiger bei Patienten in der Aveir -Gruppe.
Die mediane Implantationsdauer betrug bei Micra 31 min (IQR 25–46) vs. Aveir 29 min (IQR 19–29; p = 0,2), die Durchleuchtungszeit 3,4 min (IQR 1,8–4,1) vs. 3,0 min (IQR 1,7–3,7; p = 0,8) und das Dosisflächenprodukt 3032 Gy·m² (IQR 517–10124) vs. 1260 Gy·m² (IQR 212–1453; p = 0,2).
Bei den Micra™-Patienten zeigten sich initial niedrigere mediane Reizschwellen 0,38 V (IQR 0,38–0,63) vs. 0,72 V (IQR 0,38–1,06; p = 0,001) und höhere mittlere Sensingwerte 9,6 ± 3,7 mV vs. 6,7 ± 3,7 mV (p = 0,003). Nach 30 Tagen waren die medianen Reizschwellen vergleichbar (0,38 V [IQR 0,38–0,5] vs. 0,50 V [IQR 0,35–0,87]; p = 0,54), das Sensing blieb bei Micra höher (13,8 ± 4,4 mV vs. 9,8 ± 4,0 mV; p = 0,01).
Komplikationen waren selten: 1 interventionspflichtiger Perikarderguss Aveir, eine Systemrevision bei Mikra wegen ansteigender Reizschwellen nach 30 Tagen. Innerhalb von 30 Tagen zeigte sich kein signifikanter Unterschied in der Mortalität.
Schlussfolgerung:
Trotz unterschiedlicher Konstruktion, Fixationsmechanismen und Implantationstechniken weisen beide Systeme ein vergleichbares Kurzzeitsicherheitsprofil auf. Die Gerätewahl sollte anhand der Verfügbarkeit sowie gerätespezifischer Besonderheiten (Explantierbarkeit, Koppelbarkeit, VDD-Funktion, Batterielaufzeit) und patientenspezifischer Faktoren erfolgen. Weitere Studien sind wünschenswert, um mögliche Langzeitunterschiede besser zu bewerten.