App-basierte Erfassung neurokognitiver Veränderungen bei Patienten nach Transkatheter Aortenklappenimplantation (TAVI)

A. L. Gaul (Bernau bei Berlin)1, C. Butter (Bernau bei Berlin)2, F. Hölschermann (Bernau bei Berlin)2, M. Hauptmann (Neuruppin)3, G. Fritz (Bernau bei Berlin)4, A. Haase-Fielitz (Bernau bei Berlin)2, J. Nübel (Bernau bei Berlin)2
1Immanuel Klinikum Bernau Herzzentrum Brandenburg Bernau bei Berlin, Deutschland; 2Immanuel Klinikum Bernau Herzzentrum Brandenburg / Kardiologie Bernau bei Berlin, Deutschland; 3Medizinische Hochschule Brandenburg (MHB) Theodor Fontane Institut für Biometrie und Registerforschung Neuruppin, Deutschland; 4Immanuel Klinikum Bernau Herzzentrum Brandenburg Anästhesiologie, Intensivmedizin und Schmerztherapie Bernau bei Berlin, Deutschland

Hintergrund: Peri-prozedurale zerebrale Mikroembolien können subklinische neurokognitive Veränderungen nach TAVI verursachen. Klassische Tests sind zeit- und personalintensiv und daher im klinischen Alltag oft nicht routinemäßig einsetzbar. App-basierte, digitalisierte Testverfahren in Kombination mit KI-gestützter Auswertung könnten eine praktikablere und effizientere Alternative darstellen. Die vorliegende Analyse zielt darauf ab, zentrale Aspekte der kognitiven Leistungsfähigkeit, darunter Gedächtnis, Aufmerksamkeit, exekutive Funktionen und Sprachproduktion zu untersuchen und diese mit einer Normstichprobe zu vergleichen.

Methoden: Zwischen Oktober 2020 und März 2022 wurden 141 Patienten (mittleres Alter 81 ± 6 Jahre; 57,5 % männlich), vor und nach elektiver TAVI mit sieben standardisierten neurokognitiven Tests (Tab. 1) über die „Δelta-App“ getestet. Die KI-gestützte Auswertung wurde durch Psychologen validiert. Es wurden sowohl individuelle kognitive Veränderungen der Patienten als auch Veränderungen auf Gruppenebene analysiert und alters-, geschlechts- und bildungsangepasst mit Normdaten verglichen.

Ergebnisse: Postoperative Tests wurden von 112 Patienten (79%) abgeschlossen. Auf Gruppenebene zeigte sich in den verschiedenen kognitiven Domänen eine insgesamt stabile Leistung. Nach TAVI blieben 31,6 % beeinträchtigt, 11,4 % entwickelten neu eine Beeinträchtigung, während 17,5 % von zuvor beeinträchtigt zu unauffällig wechselten. Die Gedächtnisfunktionen der Patienten lagen insgesamt sowohl vor als auch nach TAVI im Vergleich zur Alters- und Bildungsniveau-adaptierten Normstichprobe unter dem Durchschnitt (Abb. 1).  Die App-basierte Testung erwies sich als durchführbar und gut anwendbar in dieser älteren Population.

Schlussfolgerung: Es fanden sich keine Hinweise auf eine systematische oder prozedurbedingte kognitive Verschlechterung nach TAVI. Die postoperative Verbesserung in Gedächtnis- und Exekutivtests bei einzelnen Patienten könnte durch eine verbesserte kardiale und zerebrale Funktion bedingt sein. Hier sind weitere Untersuchungen notwendig.