Kontinuität des arrhythmischen Schutzes während WCD-Therapie: Verzögerte Nachsorgetermine durch strukturelle Ressourcenengpässe als potenzielle Versorgungslücke

V. Buia (Fürth)1, F. Ciotola (Erlangen)2, F. V. Hahn (München)3, E. Martens (München)4
1Klinikum Fürth Med. Klinik I - Kardiologie Fürth, Deutschland; 2Friedrich-Alexander Universität Erlangen-Nürnberg Medizinische Klinik 2 Erlangen, Deutschland; 3Klinikum rechts der Isar der Technischen Universität München Klinik und Poliklinik für Innere Medizin I München, Deutschland; 4TUM Klinikum Rechts der Isar Klinik und Poliklinik für Innere Medizin I München, Deutschland

Hintergrund: Die tragbare Kardioverter-Defibrillator-Weste (WCD) dient als temporärer Schutz bei Patient:innen mit erhöhtem arrhythmischem Risiko in der Frühphase.Gemäß den ESC-Leitlinien wird eine Reevaluation der linksventrikulären Pumpfunktion nach mindestens drei Monaten optimaler medikamentösen Therapie empfohlen,um über weitere therapeutische Massnahmen zu entscheiden.In Bayern genehmigen viele Krankenkassen, nach Empfehlung des Medizinischen Dienst, die Kostenerstattung jedoch nur vier Wochen mit einer Option für eine Verlängerung nach erfolgtem kardiologischem Kontrolltermin.Dieser findet im ambulanten Setting aufgrund von strukturellen Engpässen häufig nicht innerhalb von 4 Wochen statt.Aufgrund dessen erhalten die Patient:innen zunächst keine weitere Kostenübernahme über die 4 Wochen hinaus und dies führt bei allen Beteiligten zu Unsicherheiten.Die Patient:innen müssten den WCD vor Abschluss der Risikostratifizierung abgeben und  wären in der Hochrisikophase ungeschützt.

Methoden: Analysiert wurden alle WCD-Patient:innen mit Wohnsitz in Bayern, die zwischen Januar 2024 und Oktober 2025 entlassen wurden.Erfasst wurde die Dauer zwischen Krankenhausentlassung und erstem dokumentierten Kontrolltermin. Die Daten stammen aus den  Dokumentationen der LifeVest-Versorgungen.

Ergebnisse: 2.207 Patient:innen konnten ausgewertet werden; nur bei ca. 1% lag keine Information zum Kontrolltermin vor.Nach Krankenhausentlassung erhielten 4% innerhalb von vier Wochen, 31% innerhalb von acht Wochen und 58% der Gesamtpopulation innerhalb von 12 Wochen einen kardiologischen Kontrolltermin. Der Großteil der Patient:innen (42%) erhielt erst nach mehr als zwölf Wochen einen kardiologischen Kontrolltermin.Eine Subanalyse der AOK Bayern-Versicherten (n ≈ 960) zeigte ein ähnliches Bild: 5% der Patient:innen erhielten einen kardiologischen Kontrolltermin innerhalb von vier Wochen nach Krankenhausentlassung.Bei 39% konnte innerhalb von acht Wochen und bei 66% innerhalb von 12 Wochen ein Kontrolltermin realisiert werden.35% der PatientInnen konnten erst nach zwölf Wochen einen kardiologischen Kontrolltermin wahrnehmen. Damit findet ein Großteil der Nachsorgen erst nach Ablauf der initialen dreimonatigen WCD-Verordnung statt. Schlussfolgerung: diese Analyse liefert Real-Life-Daten aus Bayern und zeigt eine deutliche Versorgungslücke in der ambulanten Nachsorge von Patient:innen mit einem WCD.Die Reevaluation der linksventrikulären Funktion erfolgt oft erst nach Ende der initialen 3-Monats-Verordnung. Da die initiale Kostenzusage jedoch nach 4 Wochen endet führt dies bei allen Beteiligten zu Verunsicherungen im Versorgungsprozess.Den Patient:innen droht in der Hochrisikophase sogar ein Zeitraum ohne arrhythmischen Schutz.Um einen durchgehenden Schutz zu gewährleisten, ist es dringend erforderlich, dass die Krankenkassen die LifeVest-Versorgung initial für mindestens 8, idealerweise 12 Wochen ermöglichen.Nur so kann sichergestellt werden, dass Patient:innen bis zur ersten kardiologischen Kontrolle adäquat vor plötzlichem Herztod geschützt bleiben.