Interessenkonflikte von Autoren der Dyslipidämie-Leitlinien der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie (ESC) im Vergleich von 2016 bis 2025

C. Stöllberger (Wien)1, B. Schneider (Lübeck)2
1Institut Gesünder Leben Wien, Österreich; 2Sana-Kliniken Lübeck GmbH Kardiologie Lübeck, Deutschland

Hintergrund und Ziel: Interessenkonflikte (IK) werden definiert als Situationen, die ein Risiko dafür schaffen, dass professionelles Urteilsvermögen oder Handeln, welches sich auf ein primäres Interesse bezieht, durch ein sekundäres Interesse unangemessen beeinflusst wird. Ein IK tritt auf, wenn materielle oder soziale Vorteile in einer Spannung zu primären medizinisch-ethischen Zielen stehen. Autoren von Leitlinien werden verpflichtet, ihre IK anzugeben. Das Institute of Medicine (IOM) in Washington hat 2009 Standards für den Umgang mit IK bei der Erstellung von Leitlinien herausgegeben. Nach den Empfehlungen des IOM soll nur eine Minderheit der Mitglieder der Leitlinienkommission IK haben und der Vorsitzende keinen IK. Leitlinien-Ersteller sollen nur bei solchen Themen stimmberechtigt sein, bei denen sie keinen IK haben.

Ziel der Analyse war es, die 2025 publizierten Leitlinien der ESC zur Behandlung der Dyslipidämie im Hinblick auf die IK der Autoren zu untersuchen und mit den vorausgegangenen Leitlinien zu vergleichen.

Methode: Die IK-Erklärungen von Autoren der 2025 erschienenen und der entsprechenden Leitlinien von 2016 und 2019 wurden auf der ESC-Homepage gesucht und ausgewertet.

Ergebnisse: Bei den Leitlinien von 2016 gaben 16/19 Autoren (84%) zwischen 1 und 21 IK an. Insgesamt wurden 141 IK deklariert (8,8 pro Autor). Persönliche Zahlungen erhielten 15/19 Autoren (79%) (6,9 pro Autor, range 1-20). Die Vorsitzenden gaben 16 bzw. 4 IK an. Von den 74 Reviewern deklarierten 56 (76%) IK (6,4 pro Reviewer, range 1-20).

2019 gaben 20/21 Autoren (95%) IK an (range 1-49). Insgesamt wurden 188 IK berichtet (9,4 pro Autor). 16/21 Autoren (76%) hatten persönliche Zahlungen erhalten (7,3 pro Autor, range 1-20). Die drei Vorsitzenden deklarierten 6, 3 bzw. 18 IK. Von den Reviewern gaben 69/85 (81%) IK an (6,1 pro Reviewer, range 1-23).

2025 deklarierten 18/20 Autoren (90%) IK (range 1-30). Insgesamt wurden 177 IK angegeben (9,8 pro Autor), 14/20 Autoren (78%) erhielten persönliche Zahlungen (8,6 pro Autor, range 1-22). Die drei Vorsitzenden gaben 9, 4 bzw. 11 IK an. Von den Reviewern deklarierten 73/103 (71%) IK (6,0 pro Reviewer, range 1-20).

Unternehmen, welche Lipid-senkende Substanzen herstellen, wurden bei den IK-Erklärungen 2025 von den Leitlinien-Autoren am häufigsten aufgeführt.

Konklusion: Entgegen den Empfehlungen des IOM aus dem Jahr 2009 ist der Anteil von Autoren mit IK bei den Dyslipidämie-Leitlinien der ESC mit 90% unverändert hoch, wobei die Anzahl der IK pro Autor im Verlauf kontinuierlich zugenommen hat. 2025 erhielten 78% der Autoren persönliche Zahlungen. Um eine unangemessene Beeinflussung der Leitlinien zu vermeiden, sollte den IK und einem verantwortlichen Umgang mit ihnen mehr Aufmerksamkeit geschenkt werden. Da es einen großen Bedarf an Leitlinien gibt, denen wir vertrauen können, sollte die ESC bei der Leitlinien- Erstellung den Empfehlungen des IOM folgen.