Einkommensabhängige Unterschiede bei der Motivation und Hindernissen für Sport bei kardiologischen Patienten

J. Micek (Regensburg)1, N. Brandl (Regensburg)2, L. Heislbetz (Regensburg)3, M. Paulus (Regensburg)1, P. Hegner (Regensburg)1, S. Wagner (Regensburg)1, L. S. Maier (Regensburg)1, K. W. Lange (Regensburg)3, A. Reißmann (Regensburg)3, M. Wester (Regensburg)1
1Universitätsklinikum Regensburg Klinik und Poliklinik für Innere Med. II, Kardiologie Regensburg, Deutschland; 2Universitätsklinikum Regensburg Universitäres Herzzentrum Regensburg Regensburg, Deutschland; 3Universität Regensburg Lehrstuhl für Gesundheitsforschung und Neuropsychologie Regensburg, Deutschland

Hintergrund: Sport hat vielfältige positive Effekte auf kardiovaskuläre Risikofaktoren und Erkrankungen und wird daher insbesondere bei kardiologischen Patienten als zentrale Präventionsmaßnahme empfohlen (ESC Guideline on Sports Cardiology, 2020, Klasse IA). Das konkrete Sportverhalten kardio­logischer Patienten und der Einfluss des Einkommens sind jedoch noch wenig erforscht. Ein Verständnis der relevanten Motivationsfaktoren ermöglicht die gezielte Planung von Interventionen zur Verbesserung der Adhärenz an sportbezogene Ziele.

Methoden: Es wurden 63 stabile kardiologische Patienten ≥50 Jahre mittels standardisierter Fragebögen zu Sportverhalten, sportbezogenen Motiven und Barrieren befragt. Das Einkommen wurde separat erhoben. Ausschlusskriterien waren kardiale und nicht-kardiale Erkrankungen, die eine Kontraindikation für intensivere Belastungen oder die regelmäßige Ausübung von Sport darstellen. Die Analyse erfolgte einkommensstratifiziert: einkommensschwächere (≤2900 €, n=30) und einkommensstärkere Patienten (n=33; t-Test).

Ergebnisse: Das Patientenkollektiv war durchschnittlich 67±9 Jahre alt, 29% weiblich. Vorherrschende Erkrankungen waren arterielle Hypertonie (81%) und koronare Herzerkrankung (71%). 33% übten regelmäßig Sport aus. Einkommensschwächere erfüllten seltener die WHO-Empfehlung (10,0% vs. 30,3%, p=0,047) und betrieben deutlich weniger wöchentlichen Sport (20% vs. 53,1%, p=0,007, Abb. A). Als Sportmotiv nannten sie seltener Aussehen/Figur (2,51 vs. 3,16, p=0,028), häufiger Stimmungsregulation (2,86 vs. 2,34, p=0,043, Abb. B). Ihr Glaube an positive Folgen sowie ihr Selbstvertrauen und ihre Emotionsregulation im Sport waren schwächer, ebenso Motivation und Zielorientierung (Abb. C). Trotz ähnlichem Wissen über die Vorteile von Sport hatten sie weniger Kenntnis zu passenden Aktivitäten und geringere Umsetzungsbereitschaft. Zweifel an der Vereinbarkeit mit ihrer Erkrankung, Unsicherheiten und Planungsprobleme von Aktivität waren ausgeprägt (Abb. D). Unterschiede bei Selbstwirksamkeit (SWE) und Stress (PSS10) zeigten sich nicht, aber Pessimismus war bei niedrigem Einkommen höher (LOT-R, Abb. E).

Zusammenfassung: Es bestehen relevante einkommensabhängige Unterschiede im Sportverhalten von Patienten. Dies geht einher mit schlechteren individuellen Ressourcen in Bezug auf die Planung und Durchführung von Sport bei Patienten mit einem geringeren Einkommen. Bei gleichem Wissen zur Nützlichkeit von Sport bestehen größere Ängste in Bezug auf Sport. Diese Erkenntnisse könnten dazu beitragen gezielte Interventionen zu entwickeln, um einkommensschwächere Population in Bezug auf ihre körperliche Aktivität und Gesundheitsförderung zu
unterstützen.