Sondenlose Schrittmacherimplantation nach interventionellem Trikuspidalklappenersatz: Erste Erfahrungen und Sicherheit des jugulären Zugangs

C. auf der Heiden (Düsseldorf)1, J. Schmidt (Mönchengladbach)2, L. Eßer (Düsseldorf)3, N. Augustin (Düsseldorf)1, O. R. Rana (Düsseldorf)1, A. G. Bejinariu (Düsseldorf)1, A. Polzin (Düsseldorf)1, M. Kelm (Düsseldorf)1, D. Oehler (Düsseldorf)4, D. Glöckner (Düsseldorf)1
1Universitätsklinikum Düsseldorf Klinik für Kardiologie, Pneumologie und Angiologie Düsseldorf, Deutschland; 2Städtische Kliniken Mönchengladbach GmbH Kardiologie & Angiologie Mönchengladbach, Deutschland; 3Universitätsklinik Kardiologie Düsseldorf, Deutschland; 4Universitätsklinikum Düsseldorf Klinik f. Kardiologie, Pneumologie und Angiologie Düsseldorf, Deutschland

Hintergrund und Fragestellung: Der interventionelle Trikuspidalklappenersatz (TTVR) hat in den letzten Jahren an Bedeutung gewonnen. Etwa 10% der PatientInnen entwickeln danach einen höhergradigen AV-Block. Zur Behandlung stehen vier Optionen zur Verfügung: Ein sondenloser Schrittmacher, eine epikardiale oder Koronarsinussonde und eine transprothetische transvenöse Sonde. Sondenlose Systeme sind vielversprechend, da sie ohne transvenöse Elektroden auskommen, weniger invasiv sind und ein geringeres Risiko einer Klappeninteraktion bergen. Ein transjugulärer Zugangsweg ermöglicht zudem eine frühere postoperative Mobilisierung.

Da der TTVR ein neues Verfahren ist, bestehen bislang nur begrenzte Erfahrungen mit sondenlosen Schrittmachern. Die häufig kraniokaudal angulierten Klappenprothesen können die Implantation erschweren, während der juguläre Zugang einen direkteren Weg in den rechten Ventrikel bietet.

Methoden: In unsere prospektive Registerstudie wurden von Oktober 2024 – Oktober 2025 alle PatientInnen mit Schrittmacherindikation nach interventionellem TTVR eingeschlossen. Die Passage erfolgt in kaudal angulierter LAO-Projektion. Die Schrittmacherfunktion wurde unmittelbar postoperativ, am Folgetag und nach einem Monat überprüft.

Ergebnisse: Es wurden fünf PatientInnen (4 Frauen) mit mittlerem Alter 80±7 Jahre in die Analyse eingeschlossen. Die Indikation war ein höhergradiger AV-Block (60%) oder Bradyarrhythmia absoluta (40%).

Die OP-Dauer betrug im Mittel 61±20 Minuten, die Durchleuchtungszeit 18,5±7,4 Minuten und die Strahlendosis 1216±797 cGy·cm². Alle Implantationen verliefen transjugulär und erfolgreich.

In zwei Fällen kam es zu Interaktionen mit der Klappenprothese. Im ersten Fall verfing sich die Helix im Rahmen der Klappenprothese. Der Schrittmacher musste ersetzt werden. In den folgenden Implantationen wurde die Schutzhülle maximal vorgebracht. Hiernach traten in keinem weiteren Fall Interaktionen zwischen Helix und Rahmen auf. In einem Fall kam es zu einer Schutzhüllenperforation ohne klinische oder funktionelle Konsequenzen. Darüber hinaus gab es keine perioperativen Komplikationen.

Die elektrischen Parameter zeigten stabile Werte. Die Reizschwelle betrug postoperativ 0,80±0,34V/0,4ms, am Folgetag 0,70±0,31V/0,4ms und nach einem Monat 0,55±0,28V/0,4ms (p=0,18). Die Impedanz betrug 670±110Ω postoperativ, am Folgetag 702±95Ω und 574±80Ω nach einem Monat (p=0,47). Die Wahrnehmung betrug 6,24±2,1mV postoperativ, 7,33±2,8 mV am Folgetag und 12,74±4,3mV nach einem Monat (p=0,13).

Schlussfolgerung: In zwei Fällen trat eine Interaktion mit der Klappe auf, jedoch ohne klinische Folgen. Die Interaktion mit der Helix des sondenlosen Herzschrittmachers lässt sich durch das maximale Vorbringen der Schutzhülle minimieren. Angesichts der Risiken konventioneller Strategien stellt der jugulär implantierte, sondenlose Herzschrittmacher nach TTVR eine vielversprechende Alternative dar. Weitere Studien mit größerem Patientenkollektiv und längerer Nachbeobachtung sind notwendig, um Langzeitergebnisse und klinische Effektivität zu bestätigen.