Hintergrund
Der LAA-Verschluss stellt eine etablierte Alternative zur oralen Antikoagulation (OAK) bei Patienten mit Vorhofflimmern und Kontraindikation zur dauerhaften OAK dar. Trotz hoher Erfolgsraten können in seltenen Fällen schwerwiegende prozedurale Komplikationen auftreten, darunter Device-Embolisationen.
Fallbeschreibung
Ein 64-jähriger Patient mit persistierendem Vorhofflimmern und einem CHA₂DS₂-VASc-Score von 3 wurde aufgrund einer Kontraindikation zur OAK bei rezidivierenden, hämodynamisch relevanten gastrointestinalen Blutungen zur interventionellen LAA-Okklusion vorgestellt.
Der Eingriff erfolgte mit einem Amplatzer™ Amulet™ Occluder (28 mm). Nach korrekter Positionierung und unauffälligem Zugtest wurde das Device freigesetzt.
In der Verlaufskontrolle mittels transösophagealer Echokardiographie (TEE) zeigte sich jedoch eine partielle Dislokation des Occluders. Beim Versuch, das Device in die Schleuse zurückzuführen, löste es sich vollständig und embolierte in den linken Ventrikel.
Mehrere Bergungsversuche unter Verwendung verschiedener Schleusen (u. a. venöse LAA-Occluder-Schleuse und arterielle Impella-Schleuse) wurden unternommen. Schließlich gelang die transmitrale, interventionelle Bergung mithilfe einer steuerbaren EPU-Schleuse und mit doppelter Schlinge des Standarddrahts. Dabei trat eine leicht- bis mittelgradige Mitralklappeninsuffizienz auf.
Der Patient musste intraoperativ kurzzeitig intubiert und auf die Intensivstation verlegt werden, konnte jedoch am selben Tag extubiert werden und blieb hämodynamisch stabil. Eine erneute echokardiographische Kontrolle zeigte eine nur leichtgradige, hämodynamisch nicht relevante MI.
Im weiteren Verlauf erfolgte ein erneuter LAA-Verschluss mit einem Amplatzer-Occluder (32 mm), der komplikationslos verlief. Bei der Entlassung zeigte sich das Device stabil positioniert und ohne periokklusives Leck.
Diskussion
Dieser Fall illustriert eine seltene, aber schwerwiegende Komplikation nach LAA-Okklusion . Besonders bemerkenswert ist die erfolgreiche katheterbasierte, transmitrale Bergung ohne chirurgische Konversion.
Die Erfahrung zeigt:
• Eine sorgfältige präprozedurale Bildgebung (TEE, CT) und präzise Device-Selektion sind entscheidend.
• Bei entsprechender Erfahrung ist eine perkutane Bergung auch bei komplexer Device-Embolisation möglich.
Schlussfolgerung
Der LAA-Verschluss ist ein sicheres und effektives Verfahren zur Schlaganfallprävention bei ausgewählten Patienten mit Vorhofflimmern und Kontraindikation zur OAK. Der vorliegende Fall unterstreicht die Bedeutung einer adäquaten Device-Auswahl, sorgfältigen Bildgebung und strukturierten Handlungsstrategien im Komplikationsmanagement.