Perikarditis als häufiger Befund bei Covid-19 Verstorbenen

S. Saupe (Görlitz)1, A. Ahmad (Görlitz)2, N. Grunow (Görlitz)3, C. Pflücke (Görlitz)4
1Städtisches Klinikum Görlitz Klinik für Innere Medizin I Görlitz, Deutschland; 2St. Carolus Krankenhaus Görlitz, Deutschland; 3Städtisches Klinikum Görlitz Institut für Pathologie Görlitz, Deutschland; 4Städtisches Klinikum Klinik für Innere Medizin I Görlitz, Deutschland

Hintergrund: Bei schwerem Verlauf stellt die Covid-19 Infektion eine Multisystemerkrankung dar. Neben den klinisch häufig prädominierenden respiratorischen Manifestationen legten Ergebnisse aus Fallserien und kleineren retrospektiven Untersuchungen eine möglicherweise relevante kardiale Beteiligung nahe.

Ziel der Studie war die Bestimmung der Prävalenz von Peri- und Myokarditis bei Covid-19 Verstorbenen durch eine systematische histopathologische Aufarbeitung kardialer Gewebeproben.

 

Methodik: Es wurde eine retrospektive Studie bei 114 Covid-19 Verstorbenen durchgeführt, die alle eine Obduktion erhalten hatten. Die systematisch ausgewerteten histopathologischen Herzbefunde, sind weitergehend im Kontext zu im Vorfeld erhobenen EKG-Befunden, Laborparametern, wie Troponin-, proBNP- und CRP-Werten betrachtet worden. Neben allgemeiner Patientencharakteristika war das Vorhandensein von Covid-19 Impfungen, einer durchgeführten Dexamethason-Therapie, die Covidvarianten und die per Obduktion ermittelte Todesursache bei Covid-19 von zusätzlichem Interesse.

 

Ergebnisse: Bei 65 von 114 (57%) obduzierten Covid-19 Verstorbenen war histopathologisch eine mindestens geringgradige Perikarditis nachzuweisen. 5 der Verstorbenen wiesen eine akute Perikarditis auf.  In 29 der 65 nachgewiesenen Fälle mit Perikarditis zeigte sich histopathologisch bereits eine deutliche Fibrosierung. Zwischen den in den Jahren 2020 bis 2022 vorherrschenden Covid-Varianten zeigten sich keine Prävalenzunterschiede in der Rate einer Perikarditis (α: 19 von 30; δ: 40 von 72; ο: 6 von 12) bei den Verstorbenen. Auch systemische Entzündungsparameter, wie CRP, als auch eine zuvor durchgeführte Dexamethason-Therapie zeigte keinen signifikanten Einfluss auf die Rate der ermittelten Perikarditisfälle. Eine histologisch gesicherte Myokarditis bestand insgesamt bei 5 der 114 (4.4%) an Covid-19 Verstorbenen. Patienten mit nachgewiesener Myokarditis zeigten vor Ihrem Tod signifikant höhere Troponinwerte (0,095 ng/ml, [0,040-0,225] vs. 2,060 ng/ml [2,000-2,120], p=0,035).

 

Schlussfolgerung: Neben dem möglichen Auftreten einer Myokarditis bei einer Covid-19 Infektion in wenigen Fällen zeigt sich bei Covid-19 – positiven Verstorbenen eine hohe Rate von Fällen mit Perikarditis, welche häufig bereits fibrosierende Entzündungsprozesse aufweisen. Ob bei Überlebenden einer schweren Covid-19 Infektion die Gefahr der Entwicklung einer chronisch konstriktiven Perikarditis erhöht ist und wie die Entwicklung verhindert werden kann, sollte in weitergehenden Studien untersucht werden.