Kardiovaskuläres Screening im betrieblichen Umfeld: Bedeutung des Bluthochdrucks als „stiller Killer“ – Ergebnisse aus dem Projekt „Unternehmen mit Herz“

K. Peters (Bad Oeynhausen)1, K.-P. Mellwig (Bad Oeynhausen)1, F. Herrmann (Bad Oeynhausen)2, K.-O. Dubowy (Bad Oeynhausen)3, A. Räthling (Bad Oeynhausen)4, J.-C. Reil (Bad Oeynhausen)1, F. Willecke (Freiburg)5, C. Schlamm (Bad Oeynhausen)6, H. Bante (Bad Oeynhausen)1, M. Köster (Bad Oeynhausen)4, V. Rudolph (Bad Oeynhausen)1, C. Piper (Bad Oeynhausen)1
1Herz- und Diabeteszentrum NRW Allgemeine und Interventionelle Kardiologie/Angiologie Bad Oeynhausen, Deutschland; 2Herz- und Diabetszentrum NRW Klinik für Allgemeine und Interventionelle Kardiologie/Angiologie Bad Oeynhausen, Deutschland; 3Herz- und Diabeteszentrum NRW Klinik für Kinderkardiologie und angeborene Herzfehler Bad Oeynhausen, Deutschland; 4Herz- und Diabeteszentrum NRW Klinik für Kardiologie Bad Oeynhausen, Deutschland; 5Universitäts-Herzzentrum Freiburg - Bad Krozingen Klinik für Kardiologie und Angiologie Freiburg, Deutschland; 6Herz- und Diabeteszentrum NRW Agnes Wittenborg Institut für translationale Herz-Kreislaufforschung Bad Oeynhausen, Deutschland
Hintergrund
Herz-Kreislauf-Erkrankungen stellen mit über 42% aller Todesfälle in Europa weiterhin die führende Todesursache dar(WHO). Ein wesentlicher, häufig unerkannter Risikofaktor ist die arterielle Hypertonie. Der SCORE2-Algorithmus ermöglicht eine individuelle Risikoeinschätzung. Die Umsetzung effektiver Präventionsstrategien in der Bevölkerung, insbesondere im berufstätigen Alter, bleibt jedoch eine Herausforderung.
Ziel dieser Studie war es, die Prävalenz unentdeckter Hypertonie und weiterer kardiovaskulärer Risikofaktoren im Rahmen eines strukturierten Screenings am Arbeitsplatz zu erfassen und den praktischen Nutzen eines solchen Projekts zu evaluieren.
Methoden
Im durch das Herz- und Diabeteszentrum NRW initiierte Projekt „Unternehmen mit Herz“ wurden von Oktober 2023 bis Juli 2025 987 Mitarbeitende aus acht Unternehmen während der Arbeitszeit untersucht. Das Untersuchungsprotokoll umfasste standardisierte Eigen-und Familienanamnese, körperliche Untersuchung, Ruhe-EKG, Messung des Ankle-Brachial-Index (ABI) mit Bestimmung der Pulswellenlaufgeschwindigkeit (PWV) sowie Laboranalysen (Gesamt-, LDL-, VLDL-Cholesterin, Lp(a), Kreatinin, GFR, HbA1c, Blutbild). Bei sehr hohem kardiovaskulärem Risiko, pathologischen ABI-Werten, Herzrhythmusstörungen oder Erstdiagnose eines Diabetes mellitus erfolgte eine Überweisung in die Fachambulanz des HDZ NRW.
Ergebnis
Von den 987 Mitarbeitenden (36,7% Männer, 63,3% Frauen) hatten 40% einen arteriellen Hypertonus (>140/90mmHg), davon 67% ohne vorherige Diagnose. Bei den bekannten Hypertonikern lag trotz Medikation bei 61% der Blutdruck weiterhin über dem Zielwert.
Nach der SCORE2-Klassifikation (mittlere Risikoregion) wurden die Teilnehmenden in vier altersadjustierte Risikogruppen eingeteilt (40-49J/50-69 Jahre): niedrig (<2,5%/<5 %), moderat (2,5–7,5%/5–10%), hoch (7,5–10%/10–15%) und sehr hoch (≥10 %/ ≥15 %). Es zeigte sich eine klare Zunahme des kardiovaskulären Risikos mit steigenden Blutdruckwerten: 98% der normotonen Mitarbeiter hatten ein niedriges Risiko, während bereits 24% der Gruppe mit erhöhtem Blutdruck(120–139/70–89mmHg) ein moderates oder höheres Risiko aufwiesen. Bei den Hypertonikern (> 140/90 mmHg) lag fast die Hälfte (47%) im moderaten bis sehr hohen Risiko, davon 9% im hohen bzw. sehr hohen Bereich.
Diese Ergebnisse verdeutlichen den engen Zusammenhang zwischen Blutdruckniveau und kardiovaskulärem Gesamtrisiko und die Bedeutung frühzeitiger Prävention bei leicht erhöhten Werten.
Fazit
Das Projekt „Unternehmen mit Herz“ zeigt, dass arbeitsplatzbasierte kardiovaskuläre Screenings ein effektives Instrument zur Früherkennung unerkannter Hochrisikopatienten darstellen. Neben der hohen Prävalenz nicht diagnostizierter Hypertonie fällt die unzureichende Blutdruckkontrolle bekannter Hypertoniker auf. Die Ergebnisse verdeutlichen die Notwendigkeit konsequenter Therapiekontrolle sowie einer engen Verzahnung betrieblicher Gesundheitsförderung mit kardiologischer Prävention. Durch strukturierte Screenings kann die Umsetzung leitliniengerechter Prävention verbessert und die kardiovaskuläre Morbidität gesenkt werden.