Früherkennung kardiovaskulärer Risiken bei jungen Berufstätigen: Altersstratifizierte Analyse im Rahmen des Projekts „Unternehmen mit Herz“

K. Peters (Bad Oeynhausen)1, K.-P. Mellwig (Bad Oeynhausen)1, F. Herrmann (Bad Oeynhausen)2, K.-O. Dubowy (Bad Oeynhausen)3, A. Räthling (Bad Oeynhausen)4, J.-C. Reil (Bad Oeynhausen)1, F. Willecke (Freiburg)5, C. Schlamm (Bad Oeynhausen)6, H. Bante (Bad Oeynhausen)1, M. Köster (Bad Oeynhausen)4, V. Rudolph (Bad Oeynhausen)1, C. Piper (Bad Oeynhausen)1
1Herz- und Diabeteszentrum NRW Allgemeine und Interventionelle Kardiologie/Angiologie Bad Oeynhausen, Deutschland; 2Herz- und Diabetszentrum NRW Klinik für Allgemeine und Interventionelle Kardiologie/Angiologie Bad Oeynhausen, Deutschland; 3Herz- und Diabeteszentrum NRW Klinik für Kinderkardiologie und angeborene Herzfehler Bad Oeynhausen, Deutschland; 4Herz- und Diabeteszentrum NRW Klinik für Kardiologie Bad Oeynhausen, Deutschland; 5Universitäts-Herzzentrum Freiburg - Bad Krozingen Klinik für Kardiologie und Angiologie Freiburg, Deutschland; 6Herz- und Diabeteszentrum NRW Agnes Wittenborg Institut für translationale Herz-Kreislaufforschung Bad Oeynhausen, Deutschland
Hintergrund
Kardiovaskuläre Erkrankungen entstehen oft schon im jungen Erwachsenenalter, manifestieren sich jedoch erst Jahrzehnte später klinisch. Klassische Risikoscores wie SCORE2 bewerten das Risiko erst ab 40 Jahren. Der PREVENT-Score (AHA 2023) ermöglicht erstmals eine valide 30-Jahres-Risikoeinschätzung für jüngere Erwachsene. Im Projekt „Unternehmen mit Herz“ wurde die altersabhängige Risikoverteilung untersucht.
Methoden
Im durch das Herz- und Diabeteszentrum NRW initiierten Projekt wurden von Oktober 2023 bis Juli 2025 insgesamt 987 Mitarbeitende aus acht Unternehmen während der Arbeitszeit untersucht. Das Untersuchungsprotokoll umfasste Anamnese, körperliche Untersuchung, Ruhe-EKG, Messung des Ankle-Brachial-Index (ABI) mit Bestimmung der Pulswellenlaufgeschwindigkeit (PWV) sowie Laboranalysen (Gesamt-, LDL-, VLDL-Cholesterin, Lp(a), Kreatinin, GFR, HbA1c, Blutbild). Bei sehr hohem Risiko (SCORE2), pathologischem ABI, Herzrhythmusstörungen oder Erstdiagnose eines Diabetes mellitus erfolgte eine Überweisung in eine Fachambulanz des HDZ NRW.
Ergebnisse
Die Teilnehmenden verteilten sich auf die Altersgruppen <30 Jahre (n=128), 30–39 Jahre (n=203), 40–49 Jahre (n=233) und ≥50 Jahre (n=423). In der Gruppe der 30- bis 39-Jährigen (104 Frauen, 99 Männer, mittleres Alter 35 Jahre) zeigte sich eine relevante Prävalenz kardiovaskulärer Risikofaktoren. So wiesen 7,8 % der Teilnehmenden einen arteriellen Hypertonus (>140/90 mmHg) auf, 54 % ein Übergewicht (BMI ≥25 kg/m²), 50,2 %  erhöhtes LDL-Cholesterin (>116 mg/dl) und 13,7% eine Erhöhung des Lipoprotein(a) >50 mg/dl. Prädiabetes oder Diabetes (HbA1c ≥5,7 %) lag bei 7,4 %  vor. Die Blutdruckverteilung ist in Grafik 1 dargestellt.
Bei 170 Teilnehmenden konnte der PREVENT-Score berechnet werden. Auf Basis der PREVENT-Risikokategorien hatten 166 Teilnehmende (97 %) ein niedriges Risiko (<5 %), 4 Teilnehmende (3 %) ein Borderline-Risiko (5–7,4 %), während kein Fall ein intermediäres (7,5–19,9 %) oder hohes Risiko (≥20 %) für kardiovaskuläre Ereignisse aufwies. Diese Ergebnisse verdeutlichen, dass schon im dritten Lebensjahrzehnt viele Berufstätige relevante Risikofaktoren aufweisen, auch wenn das langfristige Risiko nach PREVENT meist niedrig bleibt. Eine frühe Prävention ist insbesondere bei Personen mit Borderline-Risiko empfehlenswert.
Fazit
Die altersstratifizierte Analyse zeigt, dass junge Berufstätige im dritten Lebensjahrzehnt häufig kardiovaskuläre Risikofaktoren aufweisen, oft ohne Symptome. Trotz überwiegend niedrigem PREVENT-Risiko betont dies die Bedeutung früher Prävention, insbesondere bei Gewicht, Blutdruck, Lipiden und Glukosestoffwechsel. Arbeitsplatzbasierte Screeningprogramme wie „Unternehmen mit Herz“ ermöglichen es, Risikopersonen frühzeitig zu identifizieren, gezielt zu beraten und langfristig die kardiovaskuläre Gesundheit zu fördern.