Stand der Forschung: Wearables gewinnen in der modernen Kardiologie an diagnostischer Bedeutung, da sie eine einfache Möglichkeit zum täglichen ambulanten Monitoring bieten. Es fehlen jedoch Informationen über Beeinflussbarkeit und Reproduzierbarkeit der Messungen sowie zu möglichen Schwankungen bei Aufzeichnungen an unterschiedlichen Tagen.
Ziele und Methoden: Hierzu wurden bei zehn gesunden Probanden Apple-Watch-EKGs unter verschiedenen Bedingungen (Atemlage; Anpressdruck an den Sensor an der Krone; Armbandlänge, die dem Anpressdruck des rückseitigen Sensors entspricht; Feuchtigkeit an den Sensoren) aufgezeichnet. Zudem wurden von zwei gesunden Probanden über 30 Tage tägliche EKGs aufgezeichnet, um die normale Schwankungsbreite der Messungen zu evaluieren. Die EKGs wurden mit einem Qualitätskontroll-Algorithmus sowie einem modifizierten NeuroKit2-Algorithmus ausgewertet. Untersucht wurden die Amplituden und Dauern der P-Welle, R-Zacke sowie T-Welle.
Ergebnisse: Es zeigten sich keine Unterschiede der Amplitude bei Aufzeichnung in unterschiedlichen Atemlagen (P-Amplitude: p= 0,923; R-Amplitude: p= 0,148; T-Amplitude: p= 0,728) und auch die Dauer der Wellen (P-Dauer: p= 0,670; R-Dauer: p= 0,670; T-Dauer: p= 0,670) war unbeeinflusst. Der einzige signifikante Unterschied bestand bei der R-Wellen-Amplitude zwischen maximaler Inspiration und Exspiration (p=0,028). Auch unterschiedliche Anpressdrücke der Finger an die Krone beeinflussten weder Amplituden (R-Amplitude: p= 0,518; P-Amplitude: p= 0,757; T-Amplitude: p= 0,751), noch Dauer der Wellen (R-Dauer: p= 0,390; P-Dauer: p= 0,173; T-Dauer: p= 0,719). Bei variierendem Druck (entspricht z.B. Tremor) während der Messung war das EKG in 9 von 10 Fällen nicht auswertbar. Es gab keine Unterschiede bei unterschiedlichen Armbandgrößen oder Feuchtigkeit an den Sensoren. In der Langzeitaufzeichnung fanden sich nur geringe Schwankungen der P-, R-, und T-Amplitude. Die größte prozentuale Veränderung pro Tag zeigte sich bei der P-Wellenamplitude mit 38-44%, während bei R- und T-Wellenamplitude eine prozentuale Veränderung von 18-20% vorlag.
Fazit: Sowohl bei den Tests als auch im Langzeitverlauf zeigen sich die Ergebnisse der Apple-Watch-Messung stabil. Einzig extreme Atemlagen hatten einen Einfluss auf die Amplitude der R-Zacke. Die Technik und der Algorithmus liefern also zuverlässige Daten, deren großes Potential zum einfachen und leicht skalierbaren automatisierten Monitoring von kardiologischen Patienten in Zukunft weiter evaluiert werden sollte.