Prävalenz einer obstruktiven koronaren Herzerkrankung bei asymptomatischen Krebspatienten mit erhöhten Troponinwerten

J. Brauer (Heidelberg)1, C. Stengele (Heidelberg)1, S. Romann (Heidelberg)1, L. Entenmann (Heidelberg)1, D. Finke (Heidelberg)1, H. A. Katus (Heidelberg)1, E. Giannitsis (Heidelberg)1, N. Frey (Heidelberg)1, L. H. Lehmann (Heidelberg)1
1Universitätsklinikum Heidelberg Klinik für Innere Med. III, Kardiologie, Angiologie u. Pneumologie Heidelberg, Deutschland

Hintergrund:

Krebspatienten zeigen nicht selten erhöhte High-Sensitivity Troponin T (hs-cTnT) Werte, doch die klinische Bedeutung dieser Befunde ist häufig unzureichend erklärt. Insbesondere bleibt offen, wie häufig eine obstruktive koronare Herzerkrankung (KHK) der Grund für Troponinerhöhungen ist.

Methoden:

In einer monozentrischen Kohortenstudie wurden 810 asymptomatische Krebspatienten mit erhöhten hs-cTnT-Werten, die sich zwischen 2016 und 2023 in der kardioonkologischen Ambulanz vorgestellt haben, prospektiv erfasst. Eine strukturierte kardiovaskuläre Diagnostik (inkl. Anmanese, Echokardiographie und Erhebung kardialer Biomarker) wurde durchgeführt. Bei unerklärten Troponinerhöhungen erfolgte eine systematische weiterführende Abklärung einer möglichen obstruktiven KHK. Prädiktoren für das Vorliegen bzw. Fehlen einer obstruktiven KHK wurden mittels logistischer Regression analysiert. Onkologische Therapien wurden nach ESC-Leitlinien hinsichtlich ihres kardiotoxischen Risikos eingeteilt.

Ergebnisse:

Bei 470 von 810 Patienten (58,0 %) mit unerklärter hs-cTnT Erhöhung wurde eine mögliche KHK als Ursache untersucht. 47 dieser 470 Patienten (10,0 %) wiesen eine interventionell relevante obstruktive KHK auf und erhielten eine PCI. 90,0 % der Patienten zeigten keine relevante obstruktive KHK. Unabhängige Prädiktoren für das Fehlen einer relevanten KHK waren: Jüngeres Alter, weibliches Geschlecht, normale NT-proBNP-Werte und eine erhaltene linksventrikuläre Ejektionsfraktion. Bei 78,3 % der Patienten ohne Nachweis einer relevanten KHK wurde eine onkologische Therapie mit moderatem oder hohem kardiotoxischem Risiko durchgeführt.

Schlussfolgerung:

Erhöhte hs-cTnT-Werte bei onkologischen Patienten gehen nur selten auf eine interventionsbedürftige KHK zurück. Ursächlich sind nicht-ischämische Mechanismen wie Therapie- oder Tumor-bedingte Myokardschädigungen. Diese Ergebnisse unterstreichen die Notwendigkeit einer individualisierten Risikostratifizierung und einer individualisierteren Bewertung kardialer Biomarker bei onkologischen Patienten.