Musclin - ein potenzieller kardialer Biomarker mit prognostischer Relevanz in der Schnittstelle zwischen Kardiologie und Onkologie

J. Brauer (Heidelberg)1, J. Heineke (Mannheim)2, N. Frey (Heidelberg)1, L. H. Lehmann (Heidelberg)1
1Universitätsklinikum Heidelberg Klinik für Innere Med. III, Kardiologie, Angiologie u. Pneumologie Heidelberg, Deutschland; 2Medizinische Fakultät Mannheim der Universität Heidelberg Kardiovaskuläre Physiologie Mannheim, Deutschland

Hintergrund:

Musclin (Osteocrin) ist ein muskelabgeleitetes Peptid mit kardioprotektiven und antiinflammatorischen Eigenschaften. Experimentelle Studien zeigen, dass Musclin pathologische kardiale Umbauprozesse, Inflammation und Hypertrophie hemmt. Bei Krebspatienten könnte Musclin sowohl als Marker der körperlichen Leistungsfähigkeit als auch der subklinischen Kardiotoxizität dienen. Ziel dieser Studie ist es, den Zusammenhang zwischen zirkulierenden Musclin-Spiegeln, kardialer Funktion und Prognose bei onkologischen Patientinnen und Patienten zu untersuchen.

Methoden:

In einer prospektiven monozentrischen Kohorte wurden 69 onkologische Patientinnen und Patienten zwischen 2021 und 2023 eingeschlossen. Alle Teilnehmenden erhielten standardisierte kardiologische Untersuchungen inklusive Echokardiographie (LVEF, GLS), Biomarkeranalyse (hs-cTnT, NT-proBNP) und Erfassung klinischer Parameter. Musclin wurde zu drei Zeitpunkten bestimmt; die Area under the Curve (AUC) wurde als Maß für die kumulative Musclin-Exposition berechnet. Patienten wurden anhand des Medianwerts in Gruppen mit hoher bzw. niedriger Musclin-AUC eingeteilt.

Ergebnisse:

Patientinnen und Patienten mit hoher Musclin-AUC wiesen eine signifikant höhere Überlebenswahrscheinlichkeit (log-rank p = 0,046) im Vergleich zur Gruppe mit niedriger AUC auf. Echokardiographisch zeigte sich zudem ein signifikant besserer globaler Longitudinalstrain (GLS -20,1 ± 2,2 % vs. -18,6 ± 3,0 %; p = 0,031). Niedrige Musclin-Werte waren mit erhöhtem NT-proBNP, verschlechtertem GLS (>-18 %) sowie fortgeschrittenem Tumorstadium und palliativem Therapiesetting assoziiert. Zudem korrelierte Musclin positiv mit Körpergröße und Handkraft, jedoch invers mit dem BMI, was darauf hinweist, dass niedrige Musclin-Spiegel eine reduzierte Muskelmasse trotz vermeintlich normalem Körpergewicht widerspiegeln könnten.

Schlussfolgerung:

Niedrige Musclin-Spiegel sind mit subklinischer kardialer Dysfunktion, fortgeschrittener Tumorerkrankung und erhöhter Mortalität bei Krebspatienten assoziiert. Musclin könnte zukünftig als ergänzender Biomarker an der Schnittstelle zwischen Muskelstatus, kardialer Funktion und Prognose in der Kardioonkologie dienen.