Kardiale Langzeitfolgen nach Brustkrebsbestrahlung: HFpEF als unterschätzte Komplikation

J. Brauer (Heidelberg)1, S. Obert (Heidelberg)1, S. Romann (Heidelberg)1, D. Finke (Heidelberg)1, A. Abdollahi (Heidelberg)2, N. Frey (Heidelberg)1, L. H. Lehmann (Heidelberg)1
1Universitätsklinikum Heidelberg Klinik für Innere Med. III, Kardiologie, Angiologie u. Pneumologie Heidelberg, Deutschland; 2Universitätsklinikum Heidelberg Division of Molecular and Translational Radiation Oncology, Department of Radiation Oncology Heidelberg, Deutschland

Hintergrund

Thorakale Radiotherapie (RT) ist ein integraler Bestandteil der Brustkrebstherapie, kann jedoch kardiovaskuläre Spätfolgen verursachen. Während systolische Funktionsstörungen selten sind, mehren sich Hinweise auf eine strahleninduzierte diastolische Dysfunktion als möglicher Mechanismus der Herzinsuffizienz mit erhaltener Ejektionsfraktion (HFpEF). Ziel dieser Arbeit war die Untersuchung der Prävalenz und klinischen Relevanz der diastolischen Dysfunktion nach RT bei Mammakarzinom-Patientinnen.

Methoden

Aus einer prospektiven kardioonkologischen Kohorte (2016–2023; n = 3332) wurden alle Patienten mit thorakaler Radiotherapie und ausführlicher kardiologischer Untersuchung vor und nach RT identifiziert (n = 161). Nach Ausschluss anderer Tumorentitäten verblieben 143 Brustkrebspatientinnen. Echokardiographisch wurden systolische und diastolische Funktionsparameter erfasst. Klinische Symptome und Biomarker (hs-Troponin T, NT-proBNP) wurden longitudinal erfasst.

Ergebnisse

Nach Radiotherapie zeigte sich ein signifikanter Anstieg der Prävalenz der diastolischen Dysfunktion von 2,8 % auf 28,7 %, einhergehend mit einer signifikanten Zunahme der Septumdicke (9,52 mm ± 1,59 vs. 10,30 mm ± 1,79; p < 0,001), der Hinterwanddicke (8,43 mm ± 1,16 vs. 8,86 mm ± 1,16; p = 0,002) und des linksatrialen Durchmessers (35,01 mm ± 4,05 vs. 36,60 mm ± 3,63; p < 0,001). Parallel dazu zeigte sich ein signifikanter Anstieg des NT-proBNP-Spiegels nach Radiotherapie (113 pg/mL ± 153 vs. 163 pg/mL ± 477; p < 0,001), wohingegen hs-Troponin T nur tendenziell anstieg. Patientinnen mit diastolischer Dysfunktion nach thorakaler Bestrahlung berichteten häufiger über eine Dyspnoe (18 % vs. 32 %). In der univariaten Analyse waren eine arterielle Hypertonie (OR = 2,87; CI:1,31-6,31; p = 0,009), Adipositas (BMI ≥ 30 kg/m²; OR = 3,83; CI 1,53-9,60; p = 0,004) und Dyslipidämie (OR = 3,16; CI 1,11-9,01; p = 0,032) signifikant mit dem Auftreten einer diastolischen Dysfunktion assoziiert. Unter den onkologischen Therapien waren insbesondere PARP-Inhibitoren (OR 12,1; CI1,31–112,2; p = 0,028) und TROP-2-gerichtete ADCs (antibody-drug conjugates) (OR 5,10; CI 1,16–22,5; p = 0,031) mit einer erhöhten Wahrscheinlichkeit einer diastolischen Dysfunktion verbunden. Anthrazykline und Anti-HER2-Therapien (T-DM1, mAbs) wiesen keine signifikanten Zusammenhänge auf.

Schlussfolgerung

Thorakale RT bei Mammakarzinom-Patientinnen geht mit einer deutlichen Zunahme diastolischer Dysfunktionen einher. Klassische kardiovaskuläre Risikofaktoren wie Hypertonie, Adipositas und Dyslipidämie verstärken diesen Effekt. Die Ergebnisse weisen auf eine frühe strahleninduzierte HFpEF-Entwicklung hin und unterstreichen die Bedeutung eines strukturierten kardioonkologischen Screenings zur Prävention und Früherkennung funktioneller Herzveränderungen.