Frühe Prädiktoren des kurzfristigen Überlebens bei akut dekompensierter Herzinsuffizienz: Implikationen für Therapie und Prognose

N. Patsalis (Marburg)1, J. Kreutz (Marburg)1, G. Chatzis (Marburg)1, S. Syntila (Marburg)1, D. Gaczoch (Marburg)2, C. Müller (Marburg)1, B. Schieffer (Marburg)1, B. Markus (Marburg)1
1Universitätsklinikum Giessen und Marburg GmbH Klinik für Kardiologie, Angiologie und internistische Intensivmedizin Marburg, Deutschland; 2Universitätsklinikum Giessen und Marburg GbmH Klinik für Kardiologie, Angiologie und internistische Intensivmedizin Marburg, Deutschland

Hintergrund:
Die Herzinsuffizienz (HI) ist ein komplexes Syndrom und zählt zu den häufigsten Ursachen für Hospitalisierungen. Eine akut dekompensierte Herzinsuffizienz (ADHF) ist mit einer deutlich erhöhten Mortalität assoziiert. Neben einer leitliniengerechten medikamentösen Therapie ist die Identifikation früher Risikoprädiktoren entscheidend, um die kurzfristige Prognose zu verbessern.

 

Methoden:
Daten von 777 Patienten mit ADHF, die im Jahr 2024 am Universitätsklinikum Marburg behandelt wurden, wurden retrospektiv analysiert. Mittels univariater Cox-Regressionsanalyse wurden 58 klinische, laborchemische und therapiebezogene Parameter auf ihre Relevanz für das 30-Tages-Überleben untersucht. Signifikante Variablen wurden anschließend in eine multivariate Analyse überführt, um unabhängige Prädiktoren zu identifizieren.

 

Ergebnisse:
In der multivariaten Cox-Analyse wurden vier unabhängige Prädiktoren für die 30-Tages-Mortalität identifiziert: höheres Alter (Nicht-Überlebende: 82 Jahre [IQR 14] vs. Überlebende: 78 Jahre [IQR 15], p = 0,015; HR 1,071; 95 %-KI 1,013–1,133), das radiomorphologische Vorliegen einer Pneumonie mit klinisch-laborchemischer Infektkonstellation (HR 3,608; 95 %-KI 1,417–9,181; p = 0,007), eine niedrigere Gesamtproteinkonzentration (Nicht-Überlebende: 64 g/L [IQR 10] vs. Überlebende: 70 g/L [IQR 9], p < 0,001; HR 0,868; 95 %-KI 0,808–0,933) sowie eine NOAK-Vormedikation als protektiver Faktor (HR 0,312; 95 %-KI 0,118–0,824; p = 0,019).

 

 

Schlussfolgerung:

Das 30-Tages-Überleben bei ADHF wird durch vier Parameter beeinflusst. Während das Alter als nicht beeinflussbarer Parameter gilt, eröffnen die übrigen Befunde wichtige klinische Ansatzpunkte. Eine NOAK-Vormedikation war mit einer günstigeren Prognose assoziiert. Auch wenn keine generelle Indikation bei ADHF gegeben ist, unterstreicht dieser Befund dennoch die Bedeutung der frühzeitigen Diagnostik und adäquaten Therapie relevanter Komorbiditäten wie z.B. Vorhofflimmern. Das Auftreten einer Pneumonie reflektiert die klinische Relevanz kardialer Stauung und erfordert ebenso eine zeitgerechte Diagnostik und Behandlung. Ebenso weist eine erniedrigte Gesamtproteinkonzentration auf den Schweregrad der Dekompensation hin und betont die Notwendigkeit einer gezielten Rekompensation, Ernährungsunterstützung und Mobilisation. Insgesamt verdeutlichen die Ergebnisse, dass eine proaktive, interdisziplinäre Betreuung mit frühzeitiger Mobilisation und physikalischen Maßnahmen entscheidend ist, um die Mortalität bei ADHF zu senken.