Geschlechterspezifische Unterschiede in der LDL-C-Zielwerterreichung: geringere Therapieintensität, und nicht der Körperfettanteil, erklärt die niedrigere Erfolgsrate bei Frauen

M. Muck (Regensburg)1, M. Fischer (Kelheim)2, F. Brummer (Regensburg)1, C. Liebl (Regensburg)1, C. Strack (Regensburg)1, A. Bäßler (Regensburg)3
1Universitätsklinikum Regensburg Klinik und Poliklinik für Innere Med. II, Kardiologie Regensburg, Deutschland; 2Caritas Krankenhaus St. Lukas Kelheim GmbH Klinik für Kardiologie, Angiologie, Pneumologie und internistische Intensivmedizin Kelheim, Deutschland; 3Universitätsklinikum Regensburg Universitäres Herzzentrum Regensburg Regensburg, Deutschland

Einleitung:
Zahlreiche Registerdaten zeigen, dass Frauen seltener als Männer die empfohlenen LDL-Cholesterin-Zielwerte erreichen. Neben Unterschieden in der Therapieintensität wird diskutiert, ob ein höherer Körperfettanteil über veränderte Pharmakokinetik lipophiler Statine, Adipozytokinwirkungen oder eine verminderte LDL-C-Rezeptoraktivität die Therapieantwort beeinflusst. In welchem Ausmaß der höhere Körperfettanteil von Frauen zur geringeren LDL-C-Zielwerterreichung beiträgt, ist noch unklar.

Methoden:
Seit 2017 wurden 2013 Pat. aufgrund fehlender Zielwerterreichung, erhöhter LDL-C-Ausgangswerte, familiärer Hypercholesterinämie, Statinintoleranz, erhöhter Lp(a)-Werte und/oder hohen kardiovaskulären Risikos in unsere spezialisierte Lipidambulanz aufgenommen. Nach ESC/EAS-Guidelines gehörten 1325 Pat. (39,2 % Frauen) zur Hochrisikogruppe mit LDL-C-Zielwert <55 mg/dl.

Ergebnisse:
Trotz wiederholter Follow-up-Untersuchungen (≥ 3 Termine) und Therapieanpassungen erreichten nur 53,8% den LDL-Zielwert. Frauen erreichten diesen signifikant seltener als Männer (42,2% vs. 60,6%; p<0,0001). Sie berichteten häufiger über Statinintoleranz (57,8% vs. 38,6%; p<0,0001) und erhielten seltener eine Statintherapie (61,6% vs. 77,4%; p<0,0001), eine high-intensity Statintherapie (49,3% vs. 73,3%; p<0,0001) oder Kombinationstherapie (50,7% vs. 63,8%; p=0,002). Die Anwendung von Bempedoinsäure und PCSK9-Inhibitoren war zwischen den Geschlechtern vergleichbar. BMI, Adipositas oder morbide Adipositas (BMI ≥35 kg/m²) waren weder bei Frauen noch Männern mit der Zielwerterreichung assoziiert. In einem multivariaten Modell korrelierten ausschließlich Geschlecht und Statineinnahme mit der Zielwerterreichung.

Schlussfolgerung:
Frauen erreichen trotz intensiver Betreuung in einer spezialisierten Lipidambulanz seltener die LDL-Zielwerte. Hauptursache sind Unterschiede in Therapieintensität und Statineinnahme, nicht jedoch BMI, Adipositas bzw. Körperfettanteil. Geschlechtsspezifische Barrieren in der Lipidtherapie müssen daher gezielt adressiert werden.