Geschlechterspezifische Unterschiede in der LDL-C-Zielwerterreichung: geringere Therapieintensität, und nicht der Körperfettanteil, erklärt die niedrigere Erfolgsrate bei Frauen

Clin Res Cardiol (2026). DOI 10.1007/s00392-026-02870-1
M. Muck (Regensburg)1, M. Fischer (Kelheim)2, F. Brummer (Regensburg)1, C. Liebl (Regensburg)1, C. Strack (Regensburg)1, A. Bäßler (Regensburg)3
1Universitätsklinikum Regensburg Klinik und Poliklinik für Innere Med. II, Kardiologie Regensburg, Deutschland; 2Caritas Krankenhaus St. Lukas Kelheim GmbH Klinik für Kardiologie, Angiologie, Pneumologie und internistische Intensivmedizin Kelheim, Deutschland; 3Universitätsklinikum Regensburg Universitäres Herzzentrum Regensburg Regensburg, Deutschland

Einleitung:
Zahlreiche Registerdaten zeigen, dass Frauen seltener als Männer die empfohlenen LDL-Cholesterin-Zielwerte erreichen. Neben Unterschieden in der Therapieintensität wird diskutiert, ob ein höherer Körperfettanteil über veränderte Pharmakokinetik lipophiler Statine, Adipozytokinwirkungen oder eine verminderte LDL-C-Rezeptoraktivität die Therapieantwort beeinflusst. In welchem Ausmaß der höhere Körperfettanteil von Frauen zur geringeren LDL-C-Zielwerterreichung beiträgt, ist noch unklar.

Methoden:
Seit 2017 wurden 2013 Pat. aufgrund fehlender Zielwerterreichung, erhöhter LDL-C-Ausgangswerte, familiärer Hypercholesterinämie, Statinintoleranz, erhöhter Lp(a)-Werte und/oder hohen kardiovaskulären Risikos in unsere spezialisierte Lipidambulanz aufgenommen. Nach ESC/EAS-Guidelines gehörten 1325 Pat. (39,2 % Frauen) zur Hochrisikogruppe mit LDL-C-Zielwert <55 mg/dl.

Ergebnisse:
Trotz wiederholter Follow-up-Untersuchungen (≥ 3 Termine) und Therapieanpassungen erreichten nur 53,8% den LDL-Zielwert. Frauen erreichten diesen signifikant seltener als Männer (42,2% vs. 60,6%; p<0,0001). Sie berichteten häufiger über Statinintoleranz (57,8% vs. 38,6%; p<0,0001) und erhielten seltener eine Statintherapie (61,6% vs. 77,4%; p<0,0001), eine high-intensity Statintherapie (49,3% vs. 73,3%; p<0,0001) oder Kombinationstherapie (50,7% vs. 63,8%; p=0,002). Die Anwendung von Bempedoinsäure und PCSK9-Inhibitoren war zwischen den Geschlechtern vergleichbar. BMI, Adipositas oder morbide Adipositas (BMI ≥35 kg/m²) waren weder bei Frauen noch Männern mit der Zielwerterreichung assoziiert. In einem multivariaten Modell korrelierten ausschließlich Geschlecht und Statineinnahme mit der Zielwerterreichung.

Schlussfolgerung:
Frauen erreichen trotz intensiver Betreuung in einer spezialisierten Lipidambulanz seltener die LDL-Zielwerte. Hauptursache sind Unterschiede in Therapieintensität und Statineinnahme, nicht jedoch BMI, Adipositas bzw. Körperfettanteil. Geschlechtsspezifische Barrieren in der Lipidtherapie müssen daher gezielt adressiert werden.