Dobutamin bei akuter Herzinsuffizienz: Weniger Rehospitalisation trotz kontroverser Evidenz?

N. Patsalis (Marburg)1, J. Kreutz (Marburg)1, G. Chatzis (Marburg)1, S. Syntila (Marburg)1, D. Gaczoch (Marburg)2, C. Müller (Marburg)1, B. Schieffer (Marburg)1, B. Markus (Marburg)1
1Universitätsklinikum Giessen und Marburg GmbH Klinik für Kardiologie, Angiologie und internistische Intensivmedizin Marburg, Deutschland; 2Universitätsklinikum Giessen und Marburg GbmH Klinik für Kardiologie, Angiologie und internistische Intensivmedizin Marburg, Deutschland

Hintergrund:
Die akut dekompensierte Herzinsuffizienz (ADHF) zählt zu den häufigsten Ursachen für Hospitalisationen älterer Patienten und ist nach wie vor mit einer hohen Mortalität verbunden. Neben der Optimierung von Vor- und Nachlast mittels Diuretika, RAAS-Blockade und SGLT2-Hemmern, kann bei Hypotonie oder Hypoperfusion eine positiv inotrope Therapie mit Dobutamin erwogen werden (Klasse IIb, Evidenzgrad C). Obwohl Dobutamin kurzfristig eine hämodynamische Verbesserung bewirken kann, bleibt der Einfluss dieser Therapie auf Nierenfunktion, Überleben und insbesondere auch Rehospitalisierungsrate bislang kontrovers diskutiert. Ziel der vorliegenden Untersuchung war es, den kurzfristigen Effekt der Dobutamin-Therapie bei ADHF auf das 30-Tages-Überleben, die Nierenfunktion (eGFR bei Aufnahme und Entlassung) sowie das Risiko einer Rehospitalisierung innerhalb von sechs Monaten nach Entlassung zu bewerten.

Methoden:
Daten von 777 konsekutiven Patienten mit ADHF, die im Jahr 2024 am Universitätsklinikum Marburg behandelt wurden, wurden retrospektiv analysiert. Patienten, die während des stationären Aufenthalts eine Dobutamin Therapie erhielten, wurden mit Patienten ohne Dobutamin-Therapieverglichen. Zur Minimierung von Selektionsverzerrungen erfolgte ein 1:1 Nearest-NeighbourPropensity-Score-Matching (Caliper 0,05) basierend auf systolischem Blutdruck, Herzfrequenz, LVEF, LDH und CRP bei Aufnahme.

Ergebnisse:
In der Dobutamin-Gruppe betrug die mediane Dauer der Dobutamin-Therapie 5 Tage (IQR 3). In der gematchten Kohorte zeigte die mit Dobutamin behandelte Gruppe eine signifikant niedrigere 30-Tages-Mortalität (86,3% vs. 95,4%,p = 0,029; HR 0,351; 95 % CI 0,137–0,897). Zudem kam es in dieser Gruppe zu einer signifikanten Verbesserung der eGFR während des stationären Aufenthaltes (Dobutamin: 39 ml/min [IQR 31] auf 43 ml/min [IQR 33]; Non-Dobutamin: 51,5 ml/min [IQR 31] auf 54 ml/min [IQR 29]; p = 0,024). Darüber hinaus war die Rehospitalisierungsrate innerhalb von sechs Monaten nach Entlassung deutlich reduziert (22,2% vs. 48%,p = 0,001; OR 0,375; 95 % CI 0,21–0,674).

Schlussfolgerung:
Im Gruppenvergleich zeigte sich die Therapie mit Dobutamin bei ADHF, trotz initial schlechterer Nierenfunktion in dieser Gruppe, mit einer signifikanten Optimierung der 30-Tages-Überlebensrate, Zunahme der eGFR sowie geringeren Rehospitalisierungsrate assoziiert. Vor dem Hintergrund des demographischen Wandels und wachsenden gesundheitspolitischen und ökonomischen Herausforderungen unterstreichen diese Ergebnisse die mögliche Bedeutung einer gezielten, kurzfristigen inotropen Therapie zur Verbesserung klinischer Outcomes und zur Reduktion vermeidbarer Rehospitalisierungen bei ADHF.