Hintergrund:
Vorhofflimmern (VHF) ist bei älteren Patienten mit Herzinsuffizienz (HF) eine der häufigsten Begleiterkrankungen und beeinflusst Morbidität, Hospitalisationsrate und Prognose. Über die spezifische Komorbiditätslast und Versorgung nach Entlassung bei Hochbetagten mit HF und VHF ist bislang wenig bekannt. Ziel der Studie war es, Komorbiditäten, klinische Ereignisse und Versorgungsunterschiede bei Patienten ≥ 80 Jahre mit HF zu analysieren – in Abhängigkeit vom Vorliegen von VHF.
Methoden:
Analysiert wurden Routinedaten von 1,8 Mio. Versicherten der Knappschaft Bahn-See, die zwischen 2012 und 2020 erstmals aufgrund einer Herzinsuffizienz hospitalisiert wurden. Eingeschlossen wurden 24 568 Patienten ≥ 80 Jahre (53,3 % Frauen, medianes Alter 85 Jahre). Stratifizierung nach Vorliegen eines Vorhofflimmerns vor oder während der Indexhospitalisierung (n = 13 142; 55,4 %). Untersucht wurden Komorbiditäten, akute Komplikationen, Rehospitalisierungen, Mortalität und ambulante Arztkontakte. Deskriptive Statistik mittels OR mit 95 %-KI, Chi²-Test und t-Test.
Ergebnisse:
Vorhofflimmern war mit einem ausgeprägten metabolisch-vaskulären und renalen Risikoprofil assoziiert. Patienten mit VHF wiesen häufiger eine koronare Herzkrankheit (OR 1,35; 95 %-KI 1,28–1,42), Diabetes mellitus (OR 1,08; 1,02–1,15), Adipositas (OR 1,12; 1,03–1,22) und eine chronische Niereninsuffizienz (OR 1,30; 1,23–1,37) auf (alle p < 0,001). Auch arterielle Hypertonie und periphere Gefäßerkrankungen zeigten tendenziell höhere Prävalenzen.
Akute Komplikationen traten bei VHF-Patienten signifikant häufiger auf, darunter respiratorische Insuffizienz (OR 1,22; 1,15–1,29), Blutungen (OR 1,31; 1,21–1,42), Elektrolytstörungen wie Hypokaliämie (OR 1,07; 0,99–1,16) oder Hyponatriämie (OR 1,07; 0,97–1,18) sowie zerebrovaskuläre Ereignisse (OR 1,48–1,64; alle p < 0,001). Besonders stark war die Assoziation mit Schrittmacherimplantationen (OR 2,32; 2,15–2,50; p <0,001).
Im stationären Verlauf zeigte sich eine längere mittlere Verweildauer (10,0 ± 6,7 Tage vs. 9,4 ± 6,6 Tage; p < 0,001) bei vergleichbarer Fallschwere (CMI 1,06 ± 0,95 vs. 1,07 ± 1,02; p = n. s.). Im Folgejahr waren Rehospitalisierungen häufiger (58,1 % vs. 55,6 %; OR 1,11; 1,04–1,19), insbesondere wegen Herzinsuffizienz (28,6 % vs. 17,7 %; OR 1,81; 1,70–1,94) und Schlaganfall (3,1 % vs. 1,9 %; OR 1,67; 1,43–1,94).
Patienten mit VHF hatten mehr ambulante Arztkontakte (32,4 ± 23,6 vs. 28,1 ± 23,5 pro Jahr; p < 0,001), insbesondere Hausarzt- (+ 21 %) und Kardiologenkontakte (+ 65 %). Trotz der höheren Morbidität zeigten sich keine signifikanten Unterschiede in der 30-Tage- (4,1 % vs. 4,5 %) oder 1-Jahres-Mortalität (17,6 % vs. 17,4 %; p = n. s.).
Schlussfolgerung:
Bei Herzinsuffizienzpatienten ≥80J ist Vorhofflimmern mit einer höheren Komorbiditätslast, mehr akuten Komplikationen und erhöhter Rehospitalisierungsrate assoziiert. Gleichzeitig profitieren diese Patienten von einer intensiveren und engmaschigeren medizinischen Betreuung, was eine vergleichbare Mortalität trotz erhöhter Morbidität ermöglicht.