Metabolische Erholung des Myokards durch dauerhaftes LVAD-Unloading

E. Dreier (Regensburg)1, T. Globuschützt (Regensburg)2, S. Iberl (Regensburg)1, M. A. Heinrich (Regensburg)3, E. Zügner (Graz)4, C. Magnes (Graz)4, S. Hirt (Regensburg)5, K. Kozakov (Regensburg)6, Z. Provaznik (Regensburg)5, C. Birner (Amberg)7, L. S. Maier (Regensburg)3, A. Dietl (Regensburg)3
1Universitätsklinikum Regensburg Klinik und Poliklinik für Innere Medizin II Regensburg, Deutschland; 2Universitätsklinikum Regensburg Klinik und Poliklinik für Innere Medizin III Regensburg, Deutschland; 3Universitätsklinikum Regensburg Klinik und Poliklinik für Innere Med. II, Kardiologie Regensburg, Deutschland; 4Joanneum Research Health Institut für Biomedizin und Gesundheitswissenschaften Graz, Österreich; 5Universitätsklinikum Regensburg Herz-, Thorax- und herznahe Gefäßchirurgie Regensburg, Deutschland; 6Universitätsklinikum Regensburg Herz-Thorax-Chirurgie Regensburg, Deutschland; 7Klinikum St. Marien Klinik für Innere Medizin I Amberg, Deutschland

Hintergrund: Terminale Herzinsuffizienz wird metabolisch häufig als „engine out of fuel“ charakterisiert und ist durch eine gestörte mitochondriale Redox-Balance und eine Depletion energiereicher Substrate in Kardiomyozyten gekennzeichnet. Ein dauerhaftes Unloading mittels Linksherzunterstützungssystem (LVAD) kann zur funktionellen Erholung des Myokards beitragen, möglicherweise vermittelt durch eine metabolische Erholung.

Hypothese: Ein dauerhaftes linksventrikuläres Unloading mittels LVAD führt zu einer Erholung des mitochondrialen Stoffwechsels, konkret der mitochondrialen Redox-Balance (ratio NADH/NAD+) sowie der Konzentration der Substrate des Citratzyklus.

Methoden: Wir rekrutierten prospektiv Patient:innen mit terminaler Herzinsuffizienz und geplanter LVAD-Implantation. Die Studie wurde vom lokalen Ethikkomitee genehmigt. Es wurde sequentiell Gewebe des linksventikulären Apex asserviert, zunächst bei LVAD-Implantation und später bei einer Herztransplantation (HTX). Bei der HTX wurde Gewebe mehr als 2cm entfernt von der LVAD-Narbe entnommen. Es erfolgten Metabolomicsanalysen mittels Ultra-High Performance Liquid Chromatography-High Resolution Mass Spectrometry (UHPLC-HRMS). Die NADH/NAD+-Ratio wurde fluorometrisch bestimmt.

Ergebnisse: Es wurden Sequenzproben von 17 Patient:innen in die Analysen eingeschlossen. Das mediane Alter zum LVAD-Zeitpunkt war 55 Jahre (IQR 47-61), 82% waren Männer. Die LVAD-Unterstützungsdauer betrug im Median 251 Tage (IQR 112-415). Die mitochondriale Redoxbalance verschob sich vom LVAD- zum HTX-Zeitpunkt hin zu einem reduzierteren, insofern energetisch günstigeren Niveau (NADH/NAD+ HTX vs. LVAD 3,2±0,4 vs. 1,4±0,7, p=0,03). UHPLC-HRMS basierte Metabolitenprofile zeigten nach LVAD-Unloading deutlich höhere Konzentration von energiereichen Substraten des Citratzyklus, insbesondere von Citrat, Succinat und Fumarat. Der Unloading-induzierte erneute Aufbau des Citratzyklusmetabolitenpools war bei Patient:innen mit dilatativer Kardiomyopathie deutlich ausgeprägter als bei zugrundeliegender koronarer Herzerkrankung.

Schlussfolgerung:  Dauerhaftes linksventrikuläres Unloading mittels LVAD optimiert die mitochondriale Redox-Balance und führt zu einem erneuten Aufbau energiereicher Citratzyklusintermediäre. Diese metabolische Erholung war bei dilatativer Kardiomyopathie am ausgeprägtesten.