Hintergrund: Das Takotsubo Syndrom (TTS), erstmals 1990 in Japan beschrieben, verläuft klinisch wie ein akutes Koronarsyndrom (ACS). Die Erkrankung wird weltweit zunehmend häufiger diagnostiziert. In den vergangenen Jahren ist eine progrediente Anzahl von Fallberichten, Registerdaten sowie retrospektiven und prospektiven Studien erschienen mit einem steilen Anstieg an Publikationen seit 2006. Dies kann an einer Zunahme der Prävalenz des TTS in der Bevölkerung liegen, bedingt durch den Stress unserer Zeit, oder einer wachsenden Kenntnis des Krankheitsbildes in der Ärzteschaft.
Ziel: Ziel dieser Studie war es, über einen Zeitraum von 12 Jahren die Inzidenz eines TTS bei Patienten zu untersuchen, die unter dem Verdacht auf ein akutes Koronarsyndrom hospitalisiert waren und bei denen eine Herzkatheteruntersuchung durchgeführt wurde.
Methode: Zwischen Mai 2000 und Dezember 2012 waren konsekutive Patienten mit der Diagnose eines TTS entsprechend den Kriterien der Heart Failure Association und den InterTAK Kriterien in eine Datenbank aufgenommen worden. Bestimmt wurde die Inzidenz eines TTS bei Patienten, die unter dem Verdacht auf ein ACS eine Herzkatheteruntersuchung erhalten hatten und die Inzidenz eines TTS bei allen Krankenhausaufnahmen über einen Zeitraum von 12 Jahren.
Ergebnisse: Insgesamt wurden 95 Patienten mit einem TTS in die Datenbank aufgenommen, 84 Frauen (88%) und 11 Männer (12%) im Alter von 71±12 Jahren. Zwei Patientinnen starben während des Krankenhausaufenthaltes (30-Tage Mortalität 2,1%). Innerhalb des Beobachtungszeitraumes kam es bei 6/95 Patienten (6,9%) zu einem Rezidiv. Pro Jahr wurden zwischen 4 und 11 (im Mittel 7,6) TTS-Ereignisse beobachtet. Unter dem Verdacht auf ein ACS wurde während des Zeitraumes von 12 Jahren bei 4297 Patienten eine Herzkatheteruntersuchung durchgeführt und in 101 Fällen ein TTS diagnostiziert (Inzidenz 2,35%). Bei 1405 Frauen mit ACS-Verdacht wurden 90 TTS-Ereignisse beobachtet (Inzidenz 6.4%), bei Männern betrug die Inzidenz 0,4% (11 TTS-Ereignisse unter 2892 ACS).
Im ersten Jahr des Beobachtungszeitraumes (2000 – 2001) betrug die TTS-Inzidenz 2,3% bei allen Patienten und 6,3% bei Frauen mit Verdacht auf ein ACS. Im letzten Jahr (2011 – 2012) war die Inzidenz 1,8% in der Gesamtgruppe und 4,3% bei Frauen. Beim Vergleicht des initialen mit dem folgenden Sechsjahres-Zeitraum war die Inzidenz des TTS identisch (2,34% vs 2,35%, p=ns). Bei Unterteilung des Beobachtungszeitraumes in vier Dreijahresintervalle war ebenfalls kein signifikanter Unterschied in der Inzidenz eines TTS erkennbar. Insgesamt wurde ein TTS bei 0,05% aller Krankenhauseinweisungen diagnostiziert, sowohl im ersten als auch im nachfolgenden Zeitraum von sechs Jahren.
Konklusion: In dieser prospektiven Studie über einen Zeitraum von 12 Jahren war der Anteil an Patienten mit der Diagnose eines TTS unter Patienten mit dem Verdacht auf ein akutes Koronarsyndrom und bei allen Krankenhauseinweisungen im Verlauf unverändert. Der starke Anstieg an Fallberichten und Publikationen seit dem Jahr 2006 ist daher nicht auf eine zunehmende Häufigkeit des TTS, sondern auf den wachsenden Bekanntheitsgrad des Krankheitsbildes in der Ärzteschaft zurückzuführen.