Morbidität und Mortalität von Patienten mit Sepsis und kardialen implantierbaren elektronischen Geräten – Real- World Daten aus einem High volume center

E. Veliqi (Hamburg)1, N. Geßler (Hamburg)1, A. Schlichting (Hamburg)1, P. Wohlmuth (Hamburg)2, J. M. Feldhege (Hamburg)1, D.-U. Chung (Hamburg)1, E. Rexha (Hamburg)1, S. Willems (Hamburg)1, S. Hakmi (Hamburg)3, L. Kaiser (Hamburg)1
1Asklepios Klinik St. Georg Kardiologie & internistische Intensivmedizin Hamburg, Deutschland; 2Asklepios Proresearch Hamburg, Deutschland; 3Asklepios Klinik St. Georg Abteilung Herzchirurgie Hamburg, Deutschland
Hintergrund
Patienten mit kardialen implantierbaren elektronischen Geräten (CIED) sind einem gewissen Infektionsrisiko ausgesetzt, welches mit einer erhöhten Mortalität einhergeht. Bei infektiöser Endokarditis oder rezidivierender okkulter Bakteriämie ist daher eine vollständige Aggregat- und Sondenentfernung (Transvenous lead extraction, TLE) indiziert. Ziel der Studie war die Untersuchung des CIED-Einflusses auf die Krankenhausmortalität bei Sepsis.
Methoden
In der Analyse wurden Patienten eingeschlossen, die im Zeitraum von 08/2016 bis 01/2025 mit den Diagnosen Sepsis oder Endokarditis in unserem Zentrum hospitalisiert waren. Die Definition der Diagnosen erfolgte anhand der Diagnose-bezogenen Fallgruppen (DRG)-Dokumentation in den administrativen Daten. Primärer Endpunkt war die Krankenhausmortalität. Der Einfluss von CIED auf die Mortalität wurde mithilfe eines adjustierten und gematchten logistischen Regressionsmodells untersucht. 
Ergebnisse
Insgesamt wurden 3544 Sepsis- und Endokarditisfälle (Sepsis n=3092; Endokarditis n=452) analysiert. Im Gesamtkollektiv hatten Patienten mit CIED häufiger eine Nieren- oder Herzerkrankung (70%vs.55% bzw. 43%vs.31%). Im erweiterten multivariablen logistischen Regressionsmodell wurden Mortalitätsdeterminanten untersucht. Steigendes Alter war mit einem signifikant erhöhten Mortalitätsrisiko assoziiert (OR 1,89 pro 20 Jahre, 95%-KI 1,66–2,16; p<0,001). Frauen zeigten eine leicht höhere Mortalität im Vergleich zu Männern (OR 1,23; 95%-KI 1,04–1,45; p=0,014). Weitere starke Prädiktoren erhöhter Mortalität waren Dialysepflicht (OR 4,43; 95%-KI 3,57–5,49; p<0,001) und Niereninsuffizienz (OR 1,38; 95%-KI 1,16–1,55; p<0,001). Ein CIED hatte im Gesamtkollektiv keinen signifikanten Einfluss auf die Mortalität (p=0,308). Jedoch zeigte sich nach Matching (nach Alter, Geschlecht und sämtlichen Komorbiditäten und Prozeduren) ein altersabhängiger Einfluss von CIED auf die Mortalität. 
Im erweiterten logistischen Regressionsmodell der CIED- Patienten waren steigendes Alter (p<0.001), weibliches Geschlecht (p=0.044), Dialysepflichtigkeit (p<0.001), das Vorliegen einer Tumorerkrankung (p<0.001) sowie zerebrovaskuläre Erkrankungen (p<0.001) signifikante Prädiktoren einer erhöhten Mortalität. Die TLE zeigte zwar im Gesamtkollektiv der CIED-Patienten keinen signifikanten Effekt, jedoch war in der altersspezifischen Analyse für das mediane Alter von 70 Jahren ein signifikant niedrigeres Mortalitätsrisiko (OR 0,64; 95%-KI 0,41–0,99; p=0,023) nachweisbar. Die Anzahl der TLE war insgesamt niedrig mit 7,3% aller CIED- Patienten im Gesamtkollektiv (3,2% (n=22/679) bei CIED-Patienten mit Sepsis und 28% (n=38/135) bei CIED-Patienten mit Endokarditis).  
Schlussfolgerung
Bei Patienten mit Sepsis war das Vorhandensein eines CIED im Gesamtkollektiv nicht mit einer erhöhten Mortalität assoziiert. Steigendes Lebensalter, Dialysepflicht, maligne Erkrankungen und zerebrovaskuläre Komorbiditäten waren unabhängige Prädiktoren der Mortalität. Eine TLE erfolgte abteilungsabhängig sehr selten und zeigte keinen generalisierten Überlebensvorteil. Weitere Analysen könnten helfen, Therapien künftig gezielter anzuwenden.