Einleitung: Lipoprotein(a) (Lp(a)) gilt als erwiesener Risikofaktor für kardiovaskuläre (kv) Ereignisse; insb. für Lp(a)-Konzentrationen ≥ 50 mg/dl wurde ein Zusammenhang mit einer erhöhten kv Ereignisrate nachgewiesen. Bei der Risikostratifizierung (SCORE2) findet in den Präventionsleitlinien des ESC (2021) die Lp(a)-Konzentration als Risikomodifikator keine Berücksichtigung. Wie umfangreich ist eine Reklassifizierung, wenn eine höhere Einstufung der Probanden mit niedrigem/moderatem oder hohem Risiko für kv Ereignisse bei hoher Lp(a)-Konzentration (≥50 mg/dl) vorgenommen wird?
Methoden: Im Rahmen des Projektes „Unternehmen mit Herz“ erfolgte bei 882 Probanden (Alter: 45 ± 12 Jahre, 551 Frauen, 331 Männer) in 8 Betrieben ein kv Screening im Kontext der betrieblichen Gesundheitsvorsorge. Dabei wurden mit einem einheitlichen Fragebogen anamnestisch kv Risikofaktoren erfragt, eine Blutentnahme (Bestimmung von Gesamt-Cholesterin, LDL-Cholesterin, HDL-Cholesterin, Triglyceriden, Lp(a), HbA1c), eine oszillatorische ABI-Messung, und eine EKG-Aufzeichnung durchgeführt. Die Risikostratifizierung erfolgte mit den Risikorechnern SCORE2, SCORE2-Diabetes, SCORE2-OP.
Ergebnisse: Zur Auswertung kamen 521 Probanden (Alter: 52 ± 7 Jahre, 341 Frauen, 180 Männer). Vom Gesamtkollektiv ausgeschlossen wurden die Probanden im Alter unter 40 Jahren und alle mit LDL-Cholesterin > 190mg/dl. In die SCORE-Berechnung gingen die vorgegebenen Parameter (s. Tab. 1) ein.
Die Probanden wurden entsprechend den berechneten SCORE2-Werten und den Lp(a)-Werten in Gruppen eingeteilt (s. Tab 2). Um die Bedeutung von Lp(a) ≥ 50 mg/dl in das kv Risiko miteinzubeziehen, wurden die Probanden mit niedrigem/moderatem oder hohem kv Risiko in die nächst höhere kv Risikostufe eingruppiert.
Insgesamt wurden 63 Probanden (12%) mit einem niedrigen/moderaten und 24 Probanden (5%) mit einem hohen 10-Jahres-Risiko für kv Ereignisse reklassifiziert.
Schlussfolgerung: Dass Lp(a) als kardiovaskulärer Risikofaktor gilt, ist hinlänglich in Studien, Auswertungen von Datenbanken (UK-Biobank) und Leitlinien der Fachgesellschaften (ESC/EAS; AHA/ACC) bestätigt. Da Lp(a) nicht explizit als Variable in die SCORE-Berechnung eingeht, führt dies bei hohen Lp(a)-Werten zu einer Unterbewertung in der Risikostratifizierung. Für unser Kollektiv ist daher eine Optimierung der Präventionsmaßnahmen bei 12% der Probanden durch Anpassung der LDL-Zielwerte von 100 auf 70 mg/dl bzw. bei 5% von 70 auf 55 mg/dl unter Beibehaltung der Risikofaktorenkontrolle (Blutdruckkontrolle, Raucherentwöhnung, Diabeteskontrolle, Gewichtsabnahme, körperliche Bewegung) empfehlenswert.
