Longitudinale Studie zur Prävalenz von chronischen Erkrankungen und Teilnahme am Gesundheitsmanagement von Frauen und Männern bei der Bundeswehr

U. Seeland (Magdeburg)1, R. Roehle (Berlin)2, J. Ucar (Berlin)3, L. Arnold (Berlin)3, C. Dickob (Koblenz)4, S. N. Willich (Berlin)5, T. Reinhold (Berlin)5, R. Roy (Diez)6, S. Ludwig (Innsbruck)7
1Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg Medizinische Fakultät, Universitätsklinikum Sektion Geschlechtersensible Medizin und Prävention Magdeburg, Deutschland; 2Charité-Universitätsmedizin Berlin Biometrie und klinische Epidemiologie Berlin, Deutschland; 3Charité-Universitätsmedizin Berlin Sozialmedizin, Epidemiologie und Gesundheitsökonomie Berlin, Deutschland; 4Bundeswehr Kommando Sanitätsdienst der Bundeswehr Koblenz, Deutschland; 5Charité - Universitätsmedizin Berlin Institut für Sozialmedizin, Epidemiologie u. Gesundheitsökonomie Berlin, Deutschland; 6Kdo RegSanUstg Betriebsmedizinischer Dienst der Bundeswehr Diez, Deutschland; 7Medizinische Universität Innsbruck Diversität in der Medizin Innsbruck, Österreich
Hintergrund: 
Maßnahmen zur betrieblichen Gesundheitsförderung (BGF) zählen zu den empfohlenen Optionen zur Erhaltung der Gesundheit von Beschäftigten. Ziel der Studie ist es, die Prävalenz chronischer Erkrankungen bei weiblichen und männlichen Beschäftigten der Bundeswehr zu ermitteln und mögliche Zusammenhänge mit BGF zu untersuchen.
Methoden:
Es wurde eine prospektive Längsschnittstudie mit drei Befragungen durchgeführt, um selbstberichtete Endpunkte zu Erkrankungen, dem subjektiven Gesundheitszustand und der Teilnahme an BGF-Maßnahmen im Zeitraum von T0 (06.–09.2022) bis T2 (06.09.2024) zu erfassen. Insgesamt wurden ~ 220.000 Beschäftigte der Bundeswehr befragt und die Daten sowohl deskriptiv als auch mit Regressionsmodellen analysiert. In die Längsschnittanalyse wurden diejenigen einbezogen, die an mindestens zwei der drei Befragungen teilgenommen hatten (erste Teilnahme: TBL, letzte Teilnahme: TFU).
Ergebnisse: 
Die Teilnahmerate betrug 23.568 (11%) in T0, 14.059 (6 %) in T1 und 13.551 (6%) in T2. N=7.183 nahmen an mindestens zwei Befragungen teil (militärisch Beschäftigte: 49%, Frauen: 35.1%; Alter Ø 43 ± 10 J.). An BGF haben n=3.600 (50.1%) teilgenommen. Erkrankungen des muskuloskelettalen Bewegungsapparates (MS) weisen die höchste Prävalenz bei weiblichen und männlichen Beschäftigten auf: Frauen: TBL 34.5% (862/2497), TFU 34.1% (852/2497); Männer: TBL 34.2% (1581/4621), TFU 32.5% (1501/4621). Psychische Beschwerden bei Frauen: TBL 24.4% (613/2514), TFU: 22.7% (852/2497); bei Männern: TBL 18.4% (859/4657), TFU: 17.4% (812/4657) und Bluthochdruck bei Frauen: TBL 9.6% (242/2514), TFU: 9.1% (228/2514); bei Männern: TBL16.4% (763/4657), TFU: 15.6 % (726/4657). BGF-Teilnehmende haben eine 12 % geringere Chance an Bluthochdruck zu erkranken als Nicht-Teilnehmende (aOR 0.88; 95%-Konfidenzintervall, KI [0.75; 1.05]) und eine 20% höhere Chance ihren allgemeinen Gesundheitszustand als sehr gut oder gut zu bezeichnen (aOR 1.20; 95% KI [1.05; 1.37]). 
Schlussfolgerung:
Bluthochdruck gehört zu den drei am häufigsten berichteten Erkrankungen von Frauen und von Männern. BGF-Teilnehmende haben bereits nach einem kurzen Zeitraum von zwei Jahren eine 12%ig geringere Chance an Bluthochdruck zu erkranken und eine 20%ig höhere Chance auf einen sehr guten oder guten allgemeinen Gesundheitszustand. Zielgruppen spezifische BGF-Maßnahmen und ein längerer Trainingszeitraum könnten die gemessenen Effekte verstärken.