Hintergrund: Herzinsuffizienz (HF) weist eine hohe Gesamtprävalenz auf und geht mit Lungenstauung bzw. nächtlichen Flüssigkeitsverschiebungen in den Halsbereich einher, was zu schlafbezogenen Atmungsstörungen (SBAS) und nächtlicher Hypoxämie führen kann. Ziel der vorliegenden Studie war es, den Einfluss verschiedener HF-Phänotypen auf die Prävalenz von SBAS und nächtlicher Hypoxämie bei einem Patientenkollektiv mit schwerer koronarer Herzkrankheit (KHK) zu untersuchen.
Methoden: Die prospektive CONSIDER-AF Studie untersucht Patienten, bei denen eine Bypass-Operation geplant ist. Die HF wurde nach den ESC/ASE-Leitlinien in HF mit reduzierter (HFrEF) bzw. mäßig reduzierter Ejektionsfraktion (HFmrEF), mit erhaltener Ejektionsfraktion (HFpEF) oder keine HF eingeteilt. Die SBAS-Klassifikation erfolgte polygraphisch anhand des Apnoe-Hypopnoe-Indexes (AHI): keine SBAS für AHI<15/h und SBAS für AHI≥15/h. Prävalente nächtliche Hypoxämie wurde definiert als Anteil der Aufzeichnungszeit mit einer Sauerstoffsättigung unter 90% (T90)≥5%, einem repräsentativen Grenzwert bei Herz-Kreislauf-Patienten hinsichtlich des Risikos für kardiovaskulären Tod und Krankenhausaufenthalt. Wir testeten die Assoziation zwischen HFpEF und HFrEF/HFmrEF und SBAS/nächtlicher Hypoxämie in multivariablen binären logistischen Regressionsanalysen adjustiert für Alter, Geschlecht, BMI, Diabetes mellitus, Hyperlipidämie, Bluthochdruck, Vorhofflimmern und Nierenversagen.
Ergebnisse: Die Analysepopulation umfasste 418 Patienten (14% weiblich, Durchschnittsalter 66 Jahre, mittlere linksventrikuläre Ejektionsfraktion 53%). Die Prävalenz von SBAS war bei Patienten mit HF höher als bei Patienten ohne HF: 54% bzw. 57% bei HFpEF bzw. HFrEF/HFmrEF vs. 25% ohne HF (je p<0.001). Ähnlich lag eine höhere Prävalenz einer nächtlichen Hypoxämie bei 48% bei HFpEF und 50% bei HFrEF/HFmrEF im Vergleich zu 26% der Patienten ohne HF vor (je p<0.001). HFpEF und HFrEF/HFmrEF waren je mit einem 3.3- bzw. 3.7-fach erhöhten Risiko einer prävalenten SBAS assoziiert (HFpEF vs. keine HF Odds Ratio (OR) 3.3, 95% Konfidenzintervall (CI) [1.9–5.8]; HFrEF/HFmrEF vs. keine HF OR 3.7, 95% CI [2.1–6.4]). Weiterhin war eine HF signifikant mit der Prävalenz einer nächtlichen Hypoxämie assoziiert (HFpEF vs. keine HF OR 2.2, 95% CI [1.3–3.9]; HFrEF/HFmrEF vs. keine HF OR 2.6, 95% CI [1.5–4.5]).
Zusammenfassung: Patienten mit schwerer KHK und HFpEF oder HFrEF/HFmrEF weisen ein deutlich erhöhtes Risiko für eine SBAS und relevante nächtliche Hypoxämie auf als Patienten ohne HF. Ein Screening dieser Hochrisiko-Patienten mittels Polygraphie ermöglicht eine frühzeitige Identifizierung und Therapie.
Finanzierung: CONSIDER-AF wurde durch Fördermittel von Philips Respironics (MA) und der Medizinischen Fakultät der Universität Regensburg unterstützt.