CMR First: Ischämie-Detektion mittels Schicht-spezifischem kardialem MRT-Strain bei Verdacht auf akutes Koronarsyndrom - eine prospektive Validierungsstudie

L. D. Weberling (Heidelberg)1, D. Siry (Heidelberg)1, A. Ochs (Heidelberg)1, A. C. Haney (Heidelberg)1, J. Salatzki (Heidelberg)1, E. Giannitsis (Heidelberg)1, M. Friedrich (Heidelberg)1, N. Frey (Heidelberg)1, F. André (Heidelberg)1
1Universitätsklinikum Heidelberg Klinik für Innere Med. III, Kardiologie, Angiologie u. Pneumologie Heidelberg, Deutschland

Hintergrund:

Moderne Troponin-Assays erkennen Myokardschäden schnell und empfindlich. Allerdings wird nur ein Teil dieser Schäden durch den Riss von Koronarplaques verursacht und benötigen eine invasive Therapie. Die kardiale Magnetresonanztomographie (CMR) ist der nicht-invasive Goldstandard zur Gewebe- und Funktionscharakterisierung, und moderne Strain-Sequenzen wie das fast Strain ENCoded (fSENC) sind schnell und daher für eine zügige Beurteilung geeignet. Jüngste Daten deuten darauf hin, dass schichtenspezifischer Strain Patienten mit ischämischer Ursache einer Myokardschädigung identifizieren kann.

Methoden:

Diese prospektive, monozentrische, Beobachtungs-CMR-Studie schloss alle Patienten mit Brustschmerzen und einer niedrigen oder mittleren Prätestwahrscheinlichkeit für koronare Herzkrankheit (KHK) ein. Ausschlusskriterien waren bekannte KHK, schneller Ausschluss oder Bestätigung durch Troponin bei Aufnahme, hämodynamische Instabilität und Kontraindikationen für CMR. Die Patienten erhielten eine schnelle CMR-Untersuchung vor der Therapie. Je nach der endgültigen klinischen Diagnose wurden die Patienten als gesund, mit akutem Koronarsyndrom (ACS) oder mit anderen kardiologischen Abnormalitäten (AKA) klassifiziert. Der globale longitudinale Strain (GLS) und die Differenz zwischen endokardialem und epikardialem GLS (GLS-Dif) wurden mit fSENC gemessen. Die Patienten wurden hinsichtlich Tod und schwerer kardiovaskulärer Ereignisse (MACE) nachverfolgt.

Ergebnisse:

108 Patienten (58 Männer) im Alter von 57,5 ± 17,4 Jahren wurden eingeschlossen. Der GLS war bei Patienten mit ACS (17,1 % [-17,6; 15,3], p < 0,001) und AKA (-15,8 % [-16,7; -12,0], p < 0,001) signifikant niedriger als bei Gesunden (-20,1 % [-21,0; -18,1]). Der GLS sagte das Vorliegen einer kardialen Pathologie mit einer Fläche unter der Kurve (AUC) von 86,5 % vorher. Der GLS-Dif war bei ACS negativ (-0,6 % [-0,8; 0,0]) und signifikant niedriger als in der gesunden Gruppe (1,5 % [0,95; 2,1], p < 0,001) und bei AKA (0,95 % [-0,08; 1,65], p = 0,027). Der GLS-Dif sagte das Vorliegen eines ACS mit einer AUC von 91,3 % vorher. Die Kombination von GLS und GLS-Dif ergab einen exzellenten Vorhersagewert sowohl für das Vorliegen einer kardialen Pathologie (AUC 93,0 %) als auch für ACS (AUC 93,2 %; Sensitivität 100,0 %; Spezifität 71,4 %). Das Auftreten von Tod (4.0%) oder MACE (5.9%) über eine mediane Nachbeobachtungszeit von >5 Jahren war gering und korrelierte nicht mit der Diagnose, dem GLS oder dem GLS-Dif.

Schlussfolgerungen:

Schichtenspezifischer CMR-Strain mit fSENC identifiziert ischämische Ursachen bei Patienten mit Verdacht auf ein akutes Koronarsyndrom. Er ergänzt die klinische Entscheidungsfindung und kann unnötige invasive Verfahren reduzieren.

Tabelle: Übersicht über die fSENC-Messungen pro Gruppe

Abbildung: Beispielfall

64-jähriger Patient mit großem subendocardial betonten Straindefekt und korrelierender Stenose des proximalen Hauptstammes und der distalen rechten Koronararterie.