Inzidenz und Risikofaktoren einer krebstherapieassoziierten kardialen Dysfunktion unter BRAF/MEK-Inhibitoren: eine prospektive Studie nach ICOS-Kriterien

J. Brauer (Heidelberg)1, S. Romann (Heidelberg)1, D. Scheidet (Heidelberg)1, J. Hassel (Heidelberg)2, N. Frey (Heidelberg)1, L. H. Lehmann (Heidelberg)1
1Universitätsklinikum Heidelberg Klinik für Innere Med. III, Kardiologie, Angiologie u. Pneumologie Heidelberg, Deutschland; 2Universitätsklinikum Heidelberg Dermatologie, Allergologie und Venerologie Heidelberg, Deutschland

Einleitung:
Die Einführung zielgerichteter BRAF- und MEK-Inhibitoren hat die Prognose von Patientinnen und Patienten mit BRAF-mutierten Tumoren, insbesondere beim malignen Melanom, deutlich verbessert. Gleichzeitig treten zunehmend therapieassoziierte kardiovaskuläre Nebenwirkungen auf, von arterieller Hypertonie bis zur Reduktion der linksventrikulären Ejektionsfraktion (LVEF). Die Inzidenz und Risikofaktoren einer cancer therapy–related cardiac dysfunction (CTRCD) unter BRAF/MEK-Inhibition sind bislang nur unzureichend untersucht, insbesondere da bisherige Studien kardiale Biomarker im Verlauf kaum berücksichtigt haben. Ziel dieser prospektiven monozentrischen Beobachtungsstudie war es, Häufigkeit, Schweregrad und prädiktive Faktoren einer CTRCD unter BRAF/MEK-Inhibition zu bestimmen und den Nutzen der aktuellen Kriterien der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie (ESC) zu evaluieren.

Methoden:
In diese Beobachtungsstudie wurden 75 onkologische Patientinnen und Patienten eingeschlossen, die zwischen 2019 und 2023 mit BRAF- und/oder MEK-Inhibitoren behandelt wurden. Alle Teilnehmenden erhielten vor Beginn sowie im Verlauf der Therapie standardisierte kardiologische Untersuchungen einschließlich Anamnese, 12-Kanal-EKG, Echokardiographie mit Global Longitudinal Strain (GLS) sowie Bestimmung von hs-cTnT und NT-proBNP. Die Einteilung der CTRCD sowie die Risikostratifizierung erfolgte nach den Leitlinien-Kriterien der ESC.

Ergebnisse:
Der Median des Follow-up betrug 90 Tage (IQR 36–137) beim ersten und 199 Tage (IQR 115–266) beim zweiten Kontrolltermin. Im Verlauf trat eine CTRCD gemäß der aktuellen Leitlinie bei 33 von 75 (44 %) auf, davon 17 % mild, 23 % moderat und 4 % schwer. Kardiale Nebenwirkungen jeglicher Art wurden bei 41 (55 %) beobachtet, am häufigsten Dyspnoe (24 %), periphere Ödeme (15 %) und Arrhythmien (13 %). Zwischen den Gruppen mit und ohne CTRCD bestanden keine signifikanten Unterschiede hinsichtlich Alter, Geschlecht, BMI oder klassischer kardiovaskulärer Risikofaktoren. Lediglich eine vorbestehende koronare Herzkrankheit war signifikant mit einem erhöhten Risiko für CTRCD assoziiert (OR = 11,0; p = 0,029). Baseline-Werte von LVEF, GLS, hs-cTnT und NT-proBNP zeigten keine prädiktive Bedeutung für das Auftreten einer CTRCD. Die Prävalenz einer CRTCD war in der Niedrigrisikogruppe gemäß ESC-Klassifikation am höchsten. In einer kleinen Kohorte von Patientinnen und Patienten (n = 9), die gemäß ESC-Klassifikation der Niedrigrisikogruppe zugeordnet waren, trat bei 66,6 % (6 von 9) eine CTRCD auf.

Fazit:

CTRCD ist bei Patienten unter BRAF/MEK-Inhibition häufig und betrifft nahezu die Hälfte der Behandelten. Klassische kardiovaskuläre Risikofaktoren erlauben keine zuverlässige Vorhersage, während eine bestehende koronare Herzkrankheit den stärksten Risikomarker darstellt. Diese Ergebnisse unterstreichen die Notwendigkeit einer strukturierten kardialen Verlaufskontrolle mit Echokardiographie und kardialen Biomarkern, unabhängig vom Ausgangsrisiko.