Stadien des kardialen Schadens bei Aortenklappenstenose-Patienten vor TAVI

M. Kirchner (München)1, M. Tischmacher (München)2, J. Fischer (München)3, K. Löw (München)3, M. Haum (München)3, H. D. Theiss (München)3, C. Stremmel (München)3, K. Stark (München)3, S. Deseive (München)3, S. Massberg (München)3, J. Steffen (München)3
1Klinikum der Ludwig-Maximilians-Universität München Medizinische Klinik und Poliklinik I München, Deutschland; 2LMU Klinikum Medizinische Klinik und Poliklinik I München, Deutschland; 3LMU Klinikum der Universität München Medizinische Klinik und Poliklinik I München, Deutschland

Einleitung

Die Transkather-Aortenklappen-Implantation (TAVI) ist eine etablierte Therapie bei hochgradiger Aortenklappenstenose (AKS). Noch unklar ist der optimale Zeitpunkt einer Intervention, um eine fortschreitende kardiale Schädigung zu verhindern. Aktuelle Studien suggerieren einen Benefit eines frühzeitigen Klappenersatzes.

Das Ausmaß der kardialen Schädigung wird in vier Grade unterteilt. Angefangen von einer Verschlechterung der linksventrikulären Funktion über eine atriale Beteiligung bis hin zu einer Rechtsherzinsuffizienz. Ziel dieser Studie war es, die Erfüllung der Stadien in einem großen deutschen Kollektiv zu beschreiben und deren prognostischen Wert auch im Kontext der Low-Flow Low-Gradient AKS zu untersuchen.

Methoden

Untersucht wurden alle 3254 Patienten, die zwischen 2017 und 2022 an unserem Zentrum eine TAVI erhalten haben. Die Stadien waren wie folgt definiert: 0: keine kardiale Schädigung; 1: linksventrikuläre Schädigung (linksventrikuläre Ejektionsfraktion (LVEF) <50% oder E/E´>14); 2: linksatriale Schädigung (Vorhofflimmern oder Mitralklappeninsuffizienz ≥2 oder linksatrialer Volumenindex >34 ml/m²); 3: Beeinträchtigung des Pulmonalkreislaufes (Trikuspidalklappeninsuffizienz ≥2 oder pulmonalarterieller Druck >60 mmHg); 4. rechtsventrikuläre Schädigung (TAPSE <16 mm). Patienten mit einer vorangegangenen Herzoperation wurden ausgeschlossen.

Ergebnisse

Das mediane Alter betrug 81,8 [77,6-85,5] Jahre, 54,4% war männlich. Relevante Begleiterkrankungen waren eine KHK (55,6%), Niereninsuffizienz (39,1%) und Diabetes (27,4%). Die LVEF betrug 55,0 [50,0-58,0]. Die Aufteilung in die Stadien der kardialen Schädigung betrug 699 (24,0%) in Stadium 0, 422 (14,5%) in 1, 1229 (42,3%) in 2, 304 (10,5%) in 3 und 254 (8,7%) in 4.

Die meisten Patienten in Stadium 4 hatten eine klassische (39,6%) oder eine paradoxe lof-flow low-gradient (LFLG) (25,2%) AKS. 57,1% der Patienten mit klassischer und 34,5% derjenigen mit paradoxer LFLG AKS erfüllten hierbei jedoch nicht alle vorangegangenen Stadien. Insgesamt wurde bei Patienten mit einer paradoxen LFLG AKS am seltensten die Kriterien für alle vorangegangenen Stadien erfüllt (64,7%).

Bei Patienten, bei denen die Kriterien für alle vorangegangenen Stadien erfüllt wurden, zeigte sich ein Anstieg der 3-Jahres Mortalität mit jedem Stadium: Stadium 0, 18,8%; Stadium 1, 23,7%; Stadium 2, 27,6%; Stadium 3, 42,2%; Stadium 4, 53,7%.

Bei Patienten, bei denen die Kriterien der vorangegangenen Stadien nicht komplett erfüllt wurden, zeigte sich bei Stadium 3 eine höhere Mortalität (43,2 [30,2-53,9]%), als in Stadium 4 (38,9 [30,5-46,4]%). In Stadium 4 war die Mortalität 1,68fach [1,19-2,37] erhöht, wenn alle Kriterien der Vorstadien komplett erfüllt wurden.

Schlussfolgerungen

Das Prinzip der kardialen Schädigung war vor allem bei Patienten prädiktiv, bei denen auch die Kriterien der Vorstadien erfüllt wurden. Bei diesem Patientenkollektiv ist die AKS womöglich die initiale kardiale Pathologie und bedingt die kardiale Schädigung. Wenn die Kriterien der Vorstadien nicht komplett erfüllt werden, wie bei Patienten mit einer paradoxen LFLG AKS, ist die Pathologie ggf. nicht gänzlich durch die AKS erklärbar und durch eine weitere unabhängige kardiale Erkrankung mitverursacht. Oft war dies eine Rechtsherzinsuffizienz, wodurch die Patienten in das Stadium 4 zu zählen sind.