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DGK-Zentren auf einen Blick: TAVI-Zentrum – vereinte Kompetenz zur Aortenklappen-Behandlung

Die Verengung der Aortenklappe (Aortenklappenstenose) ist eine der häufigsten Herzklappenerkrankungen. Mit zunehmendem Alter steigt die Wahrscheinlichkeit, von dieser Erkrankung betroffen zu sein. TAVI-Zentren sind spezialisiert auf die Behandlung der Aortenklappenerkrankung. Prof. Dr. Christian Frerker und Dr. Thomas Schmitz stellen die Einrichtung vor.

Von Max Hendriks

 

09.03.2026


Bildquelle (Bild oben): Prathankarnpap / Shutterstock.com (bearbeitet)

Das Wichtigste in Kürze

TAVI-Zentren sind spezialisierte Einrichtungen innerhalb von Kliniken, die sich um Transkatheter-Aortenklappenimplantationen (engl. „Transcatheter Aortic Valve Implantation“) kümmern – ein schonendes, minimalinvasives Verfahren zur Behandlung von Aortenklappenerkrankungen.

 

Ein TAVI-Zentrum behandelt Aortenklappenerkrankungen mit einem interdisziplinären Herz-Team, in dem über ein klassisch-chirurgisches Vorgehen oder eine Versorgung mit minimalinvasiven Verfahren entschieden wird.

 

Meist wird das Zentrum aufgesucht, wenn der Verdacht auf eine Erkrankung der Aortenklappe bereits gestellt wurde. Vorangehende Symptome sind üblicherweise ein Leistungsabfall mit Luftnot, einem Engegefühl in der Brust oder Schwindel.


In Deutschland gibt es über 60 Einrichtungen, die durch die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie (DGK) als TAVI-Zentren zertifiziert sind.


Zu den wichtigsten Kriterien der DGK-Zertifizierung zählen u. a.:

 

  • das Vorhandensein einer kooperierenden herzchirurgischen Abteilung
  • modernste Techniken zur Diagnostik sowie eigene hybride Katheterlabore (Hybrid-OP) zur optimalen Behandlungsdurchführung
  • strukturierte Nachsorgeabläufe zur frühzeitigen Erkennung und Behandlung von Komplikationen

Die Aortenklappe fungiert als Ventil zwischen der linken Herzkammer und dem Körperkreislauf. Die Verengung der Aortenklappe (Aortenklappenstenose) stellt in westlichen Industrienationen die häufigste erworbene Herzklappenerkrankung dar. Mit zunehmendem Alter steigt die Wahrscheinlichkeit, von dieser Erkrankung betroffen zu sein. 3 bis 5 Prozent aller 70-Jährigen und bis zu 10 Prozent aller 80-Jährigen sind betroffen. Symptome wie Luftnot, Engegefühl in der Brust sowie Schwindel und Bewusstlosigkeit entwickeln sich meist schleichend. Das Aufsuchen eines spezialisierten TAVI-Zentrums ist essenziell zur bestmöglichen therapeutischen Behandlung.

Was ist ein TAVI-Zentrum?

Ein TAVI-Zentrum vereint die Kompetenz aller erforderlichen medizinischen Fachdisziplinen zur Behandlung von Aortenklappenerkrankungen unter einem Dach – langjährige Erfahrung und eine strukturierte Zusammenarbeit helfen, ein individuelles Therapiekonzept für jeden einzelnen Betroffenen festzulegen.

 

Das interdisziplinäre Herz-Team (engl. „Heart Team“), bestehend aus erfahrenen Kardiologinnen und Kardiologen sowie Herzchirurginnen und Herzchirurgen, ermöglicht gemeinsam mit Anästhesie und Radiologie eine individuelle Betrachtung der Patientinnen und Patienten (Voroperationen, Vorerkrankungen, Anatomie etc.). Im gemeinsamen Austausch wird festgelegt, ob Betroffene klassisch-chirurgisch versorgt werden, oder ob z. B. bei ausgeprägtem OP-Risiko ein schonenderes minimalinvasives Verfahren wie die TAVI sinnvoller ist.

Zum Experten

Prof. Dr. Christian Frerker

Prof. Dr. Christian Frerker ist Stellvertretender Klinikdirektor der Medizinischen Klinik II (Kardiologie, Angiologie, Intensivmedizin) des Universitären Herzzentrums Lübeck.

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Dr. Thomas Schmitz

Dr. Thomas Schmitz ist Chefarzt der Klinik für Kardiologie und Angiologie am Elisabeth Krankenhaus Essen.

Dr. Thomas Schmitz Dr. Thomas Schmitz

Wann sollte man ein TAVI-Zentrum aufsuchen?

TAVI steht für Transkatheter-Aortenklappenimplantation (engl. „Transcatheter Aortic Valve Implantation“) und bezeichnet ein schonendes, minimalinvasives Verfahren insbesondere zur Behandlung der Aortenklappenstenose, in bestimmten Fällen auch der Aortenklappeninsuffizienz.

 

Die Aortenklappe fungiert als Ventil zwischen der linken Herzkammer und der Hauptschlagader (Aorta). Sie öffnet sich, um den Blutstrom vom Herzen in den Systemkreislauf zu ermöglichen und schließt sich anschließend um einen Rückwärtsstrom zu verhindern. Ist diese Herzklappe verengt (Aortenklappenstenose), muss das Herz einen größeren Druck überwinden, um den Blutfluss zu ermöglichen und wird auf Dauer belastet.

 

Die Aortenklappeninsuffizienz hingegen stellt einen unzureichenden Herzklappenschluss dar, sodass das Blut aus dem Systemkreislauf rückwärts in die linke Herzkammer fließt. Dies stellt ebenso eine längerfristige Belastung für das Herz dar.

 

Betroffene bemerken häufig über einen längeren Zeitraum einen Leistungsabfall und leiden an Luftnot, Engegefühl in der Brust oder Schwindel. In äußersten Fällen entwickeln sie sogar kurze Episoden von Bewusstlosigkeit – dann ist schnelles Handeln erforderlich. 

 

Das Aufsuchen eines TAVI-Zentrums erfolgt sinnvollerweise meist dann, wenn der Verdacht auf eine Erkrankung der Aortenklappe gestellt bzw. bereits diagnostiziert wurde. Häufig ist die Ultraschalluntersuchung (Echokardiografie) hier wegweisend.

Wie findet man ein TAVI-Zentrum in seiner Nähe?

In Deutschland gibt es über 60 von der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK) zertifizierten TAVI-Zentren. Mit der Suche der DGK finden Sie nach Eingabe Ihrer Postleitzahl alle Einrichtungen in Ihrem Umkreis auf einen Blick!

Was sollte man in ein TAVI-Zentrum mitnehmen?

Hilfreich sind:

 

  • Krankenversicherungskarte
  • Medikamentenplan
  • Kardiologische Vorbefunde oder letzte stationäre Entlassberichte

 

Wie wird ein TAVI-Zentrum zertifiziert?

TAVI-Zentren verfügen über modernste Techniken zur Diagnostik (z. B. Computertomographie, spezielle echokardiographische Verfahren) sowie eigene hybride Katheterlabore (Hybrid-OP) zur optimalen Behandlungsdurchführung.

 

Auch eine strukturierte Nachsorge mittels bewährter Abläufe ist ein elementarer Bestandteil. Im Falle von Komplikationen (z. B. Erforderlichkeit von Herzschrittmacher-Implantationen) können diese frühzeitig erkannt und bestmöglich auf kurzem Wege behandelt werden. Ebenso wird von den TAVI-Zentren ausgehend die ambulante Nachsorge eingeleitet.

 

In speziellen Prüfverfahren werden Voraussetzungen (z. B. das Vorhandensein einer kooperierenden herzchirurgischen Abteilung) zur Erlangung des Titels „TAVI-Zentrum“ kontrolliert. Die DGK-Zertifizierung stellt sicher, dass ein Zentrum definierte Qualitätsstandards erfüllt und dass Patientinnen und Patienten in Kliniken behandelt werden, die die meiste Erfahrung und beste fachliche Expertise haben. Zugleich wird die gebündelte Kompetenz an einem Ort angeboten, sodass keine Vorstellung in mehreren unterschiedlichen Einrichtungen mehr erforderlich ist. 


Die einzelnen Kriterien im Detail können Sie hier einsehen.

 

Weitere informative Artikel dazu finden Sie auf unserer Übersichtsseite Blutdruck.

FAQ – Häufige Fragen zu TAVI-Zentren

Ein TAVI-Zentrum vereint die Kompetenz aller erforderlichen medizinischen Fachdisziplinen zur Behandlung von Aortenklappenerkrankungen in einem interdisziplinären Herz-Team unter einem Dach. Im gemeinsamen Austausch wird über ein klassisch-chirurgisches Vorgehen oder eine Versorgung über minimalinvasive Verfahren wie die TAVI entschieden.

Das Aufsuchen eines TAVI-Zentrums erfolgt sinnvollerweise meist dann, wenn der Verdacht auf eine Erkrankung der Aortenklappe gestellt bzw. bereits diagnostiziert wurde. Betroffene bemerken dabei häufig über einen längeren Zeitraum einen Leistungsabfall und leiden an Luftnot, Engegefühl in der Brust oder Schwindel. In äußersten Fällen entwickeln sie sogar kurze Episoden von Bewusstlosigkeit.

In Deutschland gibt es über 60 Einrichtungen, die als TAVI-Zentren zertifiziert sind. Über die Suche der DGK finden Sie alle zertifizierten Einrichtungen in Ihrem Umkreis!

Ein TAVI-Zentrum muss für eine Zertifizierung spezifisch definierte Voraussetzungen erfüllen. Dazu zählen u. a. das Vorhandensein einer kooperierenden herzchirurgischen Abteilung und strukturierte Nachsorgeabläufe. So wird sichergestellt, dass Betroffene in Kliniken behandelt werden, die die meiste Erfahrung und beste fachliche Expertise haben, und die Kompetenz gebündelt an einem Ort angeboten wird.

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