Die Mitralklappe befindet sich zwischen Vorhof und Kammer der linken Herzhälfte. Nach der Aortenklappenstenose ist die Mitralklappeninsuffizienz die zweithäufigste Klappenerkrankung – rund 10 % der über 75-Jährigen sind betroffen. Bei der Mitralklappeninsuffizienz liegt eine Undichtigkeit vor, wodurch das Blut zurück in den Vorhof statt in die Herzkammer fließt. Neben der Insuffizienz kommt die Verengung (Stenose) der Mitralklappe ebenfalls häufig vor – etwa 40 % der Menschen mit einer Aortenklappenstenose leiden zusätzlich auch unter einer Mitralklappenstenose.
Schwere Mitralklappenerkrankungen müssen operativ behandelt werden, wobei eine Reparatur oder ein Ersatz der Mitralklappe in Frage kommt. Alternativ zur Herzoperation steht mit der M-TEER (Transcatheter-Edge-to-Edge-Reparatur) inzwischen eine neue minimalinvasive Methode für die Reparatur der Mitralklappeninsuffizienz zur Verfügung, die insbesondere für ältere Menschen in Betracht kommt, bei denen eine Operation am offenen Herzen nicht möglich ist.
Weitere umfangreiche Informationen zu Herzklappenerkrankungen finden Sie hier: Ursachen, Symptome und Diagnose von Herzklappenerkrankungen und Therapie von Herzklappenerkrankungen.
Ein von der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK) zertifiziertes Mitralklappenzentrum ist ein hochspezialisiertes Zentrum zur Diagnose und Behandlung von Erkrankungen der Mitralklappe, das unterschiedliche medizinische Fachdisziplinen vereint. Das Herz-Team von Expertinnen und Experten aus Kardiologie, Chirurgie, Anästhesie und Radiologie ermöglicht eine individuelle Betreuung der Patientinnen und Patienten. Die Zertifizierung dieser Zentren stellt sicher, dass die Qualitätsanforderungen erfüllt werden, um eine medizinische Versorgung auf höchstem Niveau zu gewährleisten.
Für Patientinnen und Patienten bietet die Behandlung in einem Mitralklappenzentrum zahlreiche Vorteile: Ein hohes Maß an Sicherheit durch langjährige Erfahrung und moderne Technik, individuell angepasste Betreuung sowie der Zugang zu innovativen, schonenden Verfahren. Durch die kontinuierliche Überprüfung und Weiterentwicklung der Qualität wird zudem sichergestellt, dass die Versorgung den aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen entspricht.
Spezialisierte Mitralklappenzentren bieten im Vergleich zu anderen Kliniken folgende Vorteile:
- Gemeinsame Entscheidungsfindung: Über die Therapie wird gemeinsam mit den Betroffenen durch das Herz-Team entschieden, das mindestens die Bereiche Kardiologie und Herzchirurgie umfasst. Dabei werden individuelle Faktoren berücksichtigt, wie u. a. Operationsrisiko, Lebenserwartung und Größe, Form und Lage der Herzklappen.
- Qualitätssicherung: Die Zertifizierung durch die DGK ist an Mindestfallzahlen geknüpft, um eine hohe Sicherheit zu garantieren. Ein Zusammenhang zwischen langjähriger Erfahrung des Zentrums und dem Erfolg des Eingriffs beziehungsweise niedrigeren Komplikationsraten konnte in verschiedenen Studien gezeigt werden.
- Moderne Bildgebung: Da minimalinvasive Verfahren für die Klappenreparatur oder den Klappenersatz technisch anspruchsvoll sind, bieten diese Zentren eine besondere Kompetenz durch moderne Bildgebung, wie 3D-TEE (transösophageale Echokardiografie), CT (Computertomografie) und MRT (Magnetresonanztomografie). Diese ist für die genaue Charakterisierung der Klappenerkrankung und Planung der Eingriffe unerlässlich.
- Umfassendes Management von Komplikationen: Die Zentren müssen auf die Behandlung von Komplikationen vorbereitet sein und die intensivmedizinische Versorgung sicherstellen.
- Strukturierte Nachsorge: Die Versorgung endet nicht mit dem Eingriff. Häufig organisieren die Zentren auch die Nachbetreuung nach der Entlassung aus dem Krankenhaus, die Kontrolluntersuchungen, Einstellung der Medikamente und Schulungen der Patientinnen und Patienten umfasst.
Zusammenfassend bietet das Zentrum durch erfahrene Spezialistinnen und Spezialisten, modernste Technik und standardisierte Qualitätsabläufe eine Versorgungssicherheit, die über die Möglichkeiten einer klassischen, nicht-spezialisierten Einrichtung hinausgeht.
In der Regel werden Patientinnen und Patienten mit der Diagnose einer Mitralklappenerkrankung laut Ultraschalluntersuchung (Echokardiografie) von der kardiologischen Praxis zur Behandlung in eine Klinik überwiesen. Meist empfiehlt die Kardiologin bzw. der Kardiologe Krankenhäuser in der Umgebung, wobei jede Patientin und jeder Patient die Klinik aber selbst auswählen kann. Dabei sollte das Augenmerk vor allem auf der Zertifizierung als Mitralklappenzentrum liegen.
Insbesondere bei unklaren Befunden, einer Verschlechterung der Symptome oder wenn eine Entscheidung über weiterführende Therapien getroffen werden muss, bietet ein spezialisiertes Mitralklappenzentrum die notwendige Expertise.
Durch moderne Untersuchungsverfahren und die enge Zusammenarbeit des Herz-Teams kann eine genaue Einschätzung der individuellen Situation erfolgen. Auf dieser Grundlage wird eine individuelle Therapie entwickelt, die darauf abzielt, die Herzfunktion zu erhalten, Beschwerden zu lindern und die Lebensqualität langfristig zu sichern.
In Deutschland gibt es über 75 von der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK) zertifizierten Mitralklappenzentren. Mit der Suche der DGK finden Sie nach Eingabe Ihrer Postleitzahl alle Einrichtungen in Ihrem Umkreis auf einen Blick!
Die Zertifizierung von Mitralklappenzentren durch die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie (DGK) ist an strenge quantitative und qualitative Anforderungen geknüpft, um eine hochwertige Versorgung sicherzustellen.
Dabei stehen folgende zentrale Anforderungen und deren spezifischer Nutzen für die Patientin oder den Patienten im Vordergrund:
1. Mindestfallzahlen und personelle Expertise
Ein Zentrum muss mindestens 30 Eingriffe pro Jahr zur Behandlung von Mitralklappenerkrankungen durchführen; jeder der zwei leitenden Kardiologinnen oder Kardiologen muss persönlich Erfahrungen über mindestens 15 Prozeduren vorweisen. Zudem müssen die Operierenden eine mindestens 5-jährige Erfahrung in der interventionellen Kardiologie besitzen. Fachärztinnen und Fachärzte aus dem Bereich der interventionellen Kardiologie führen minimalinvasive Eingriffe mit Kathetern am Herzen durch.
Die hohen Fallzahlen garantieren eine ausreichende Routine-Erfahrung für diese Art von Eingriffen. In Studien zeigte sich, dass Routine-Erfahrungen den Behandlungserfolg erhöhen und Komplikationen vermindern, insbesondere bei technisch anspruchsvollen minimalinvasiven Eingriffen zur Behandlung von Mitralklappenerkrankungen.
2. Das interdisziplinäre Herz-Team
Die Entscheidung über die Therapieform (minimalinvasiver Eingriff oder Herzoperation) muss zwingend von einem Herz-Team getroffen werden, das mindestens aus den Bereichen interventionelle Kardiologie und Herzchirurgie besteht.
Damit wird sichergestellt, dass alle wichtigen Faktoren, wie Begleiterkrankungen, Beschaffenheit der Herzklappe und Lebenserwartung ganzheitlich abgewogen werden, um jeweils die sicherste Methode zu wählen.
3. Spezialisierte Bildgebung (3D-Echokardiografie)
Das Zentrum muss Expertise in der Echokardiografie vorweisen, insbesondere in der 3D-transösophagealen Echokardiografie (3D-TEE). Da Kathetereingriffe an der Mitralklappe primär unter Ultraschallkontrolle gesteuert werden, ist diese Expertise für die Präzision des Eingriffs unerlässlich. Eine exakte Charakterisierung von Größe, Form und Eigenschaften der Klappe im Vorfeld entscheidet darüber, ob ein Katheterverfahren in Frage kommt.
4. Infrastruktur und Notfallmanagement
Das Zentrum muss auf das Management von Komplikationen (z. B. Gefäßverletzungen oder Schlaganfälle) vorbereitet sein sowie eine rund um die Uhr ärztlich betreute Intensivmedizin vorweisen. Durch die ständige Verfügbarkeit von Spezialistinnen und Spezialisten sowie moderner Technik ist eine sofortige Notfallversorgung gewährleistet.
Zusammenfassend stellt die DGK-Zertifizierung sicher, dass Sie in einem Umfeld behandelt werden, das technische Höchstleistung mit maximaler Patientensicherheit und interdisziplinärer Beratung kombiniert.
Die einzelnen Kriterien im Detail können Sie hier einsehen.