Das Wichtigste in Kürze
Ein Mitralklappenzentrum ist ein hochspezialisiertes Zentrum zur Diagnose und Behandlung von Erkrankungen der Mitralklappe.
Charakteristisch ist die enge interdisziplinäre Zusammenarbeit von Kardiologie, Herzchirurgie, Anästhesie und spezialisierten Pflegekräften zur Festlegung einer optimalen und individuellen Behandlungsstrategie für Betroffene.
Meist wird das Zentrum bei typischen Symptomen einer Mitralklappeninsuffizienz aufgesucht. Betroffene bemerken häufig Atemnot, rasche Ermüdbarkeit, Herzrhythmusstörungen oder Wassereinlagerungen.
In Deutschland gibt es über 75 Einrichtungen, die durch die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie (DGK) als Mitralklappenzentren zertifiziert sind.
Zu den wichtigsten Kriterien der DGK-Zertifizierung zählen u. a.:
- Qualitätssicherung durch eine Mindestfallzahl,
- individualisierte Entscheidungsfindung bei der Therapie durch ein interdisziplinäres Heart-Team,
- dokumentierte Prozesse für das Komplikationsmanagement und strukturierte Nachsorge.
Was ist ein Mitralklappenzentrum?
Ein von der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK) zertifiziertes Mitralklappenzentrum ist ein hochspezialisiertes Zentrum zur Diagnose und Behandlung von Erkrankungen der Mitralklappe. Die Zertifizierung stellt sicher, dass diese Zentren strenge und regelmäßig überprüfte Qualitätsanforderungen erfüllen, um eine medizinische Versorgung auf höchstem Niveau zu gewährleisten. Ziel des Zertifizierungsprogramms ist es, bundesweit einheitliche Standards für komplexe, vor allem kathetergestützte Eingriffe an der Mitralklappe zu etablieren und sicherzustellen, dass solche Behandlungen nur in erfahrenen, technisch gut ausgestatteten und interdisziplinär arbeitenden Einrichtungen durchgeführt werden. Die Zertifizierung ist auf drei Jahre befristet und setzt eine regelmäßige Re-Zertifizierung voraus. Grundlage dafür ist ein umfassender Kriterienkatalog, der unter anderem die Anzahl der jährlich durchgeführten Eingriffe, die fachliche Expertise des Teams, die organisatorischen Strukturen sowie Maßnahmen zur Qualitätssicherung umfasst. Die Einhaltung dieser Vorgaben wird durch unabhängige Gutachter im Rahmen von Audits überprüft.
Charakteristisch für ein DGK-zertifiziertes Mitralklappenzentrum ist die enge interdisziplinäre Zusammenarbeit der Kardiologie, Herzchirurgie, Anästhesie und von spezialisierten Pflegekräften. In sogenannten Heart-Team-Sitzungen wird für jede Patientin und jeden Patienten individuell die optimale Behandlungsstrategie festgelegt – von konservativen Ansätzen über kathetergestützten Verfahren bis hin zu operativen Eingriffen.
Für Patientinnen und Patienten bietet die Behandlung in einem Mitralklappenzentrum zahlreiche Vorteile: Ein hohes Maß an Sicherheit durch standardisierte Abläufe und moderne Technik, individuell angepasste Therapieentscheidungen sowie der Zugang zu innovativen, risikoärmeren Verfahren mit kürzeren Erholungszeiten. Durch die kontinuierliche Überprüfung und Weiterentwicklung der Qualität wird zudem sichergestellt, dass stets aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse in die Behandlung einfließen.
Zum Experten
Prof. Dr. Holger Nef
Prof. Dr. Holger Nef ist Klinikdirektor und Chefarzt des Herz- und Gefäßzentrums der Segeberger Kliniken.
Zum Experten
Prof. Dr. Volker Rudolph
Prof. Dr. Volker Rudolph ist Direktor der Klinik für Allgemeine und Interventionelle Kardiologie/Angiologie am Herz- und Diabeteszentrum Nordrhein-Westfalen in Bad Oeynhausen.
Der Mehrwert spezialisierter Mitralklappenzentren gegenüber einer klassischen Versorgung liegt vor allem in der Bündelung interdisziplinärer Expertise und der Erfüllung strenger Qualitätskriterien, die speziell auf die Komplexität moderner Herzklappentherapien zugeschnitten sind. Hierzu zählen insbesondere:
- Interdisziplinäre Entscheidungsfindung: Im Gegensatz zur herkömmlichen Versorgung werden Indikationsstellung und Therapiewahl in einem Heart-Team getroffen, das mindestens aus einem interventionellen Kardiologen und einem Herzchirurgen besteht. Dies gewährleistet eine individualisierte Therapieentscheidung, die Faktoren wie das Operationsrisiko, die Lebenserwartung und die spezifische Anatomie der Patientinnen und Patienten umfassend berücksichtigt.
- Hohe Spezialisierung und Qualitätssicherung: Die Zertifizierung durch Fachgesellschaften wie die DGK ist an Mindestfallzahlen geknüpft, um eine hohe prozedurale Sicherheit und Routine zu garantieren. Ein Zusammenhang zwischen Expertise des Zentrums und dem Erfolg des Eingriffs beziehungsweise niedrigeren Komplikationsraten konnte in verschiedenen Studien gezeigt werden.
- Expertise in modernster Bildgebung: Da kathetergestützte Verfahren technisch anspruchsvoll sind, bieten diese Zentren eine besondere Kompetenz in der multimodalen Bildgebung (insbesondere 3D-TEE, CT und MRT). Diese ist für die präzise Charakterisierung der Pathologie und die Planung komplexer Eingriffe unerlässlich.
- Umfassendes Komplikationsmanagement: Die Zentren müssen dokumentierte Prozesse (SOPs) für den Umgang mit Komplikationen (z. B. Gefäßkomplikationen oder neurologische Ereignisse) vorweisen und eine ständige ärztliche Präsenz auf spezialisierten Intensiv- oder Intermediate-Care-Stationen sicherstellen.
- Strukturierte Nachsorge: Der Mehrwert endet nicht mit dem Eingriff. Häufig fördern die Zentren eine gezielte Anschlusstherapie, die eine Optimierung der Medikation, echokardiographische Kontrollen und eine spezielle Herzinsuffizienzschulung umfasst.
Zusammenfassend bietet das Zentrum durch die Zusammenführung von Spezialistinnen und Spezialisten, modernster Technik und standardisierten Qualitätsabläufen eine Versorgungssicherheit, die über die Möglichkeiten einer klassischen, nicht-spezialisierten Einrichtung hinausgeht.
Wann sollte man ein Mitralklappenzentrum aufsuchen?
Die Mitralklappeninsuffizienz zählt zu den häufigsten Herzklappenerkrankungen und entwickelt sich oft schleichend über einen längeren Zeitraum. Viele Betroffene bemerken erste Veränderungen zunächst kaum oder führen sie auf allgemeine Erschöpfung oder das Älterwerden zurück. Umso wichtiger ist es, Warnsignale frühzeitig zu erkennen und rechtzeitig eine spezialisierte Abklärung in einem Mitralklappenzentrum in Anspruch zu nehmen.
Grundsätzlich wird die Mitralklappeninsuffizienz in zwei Formen unterschieden: die primäre (degenerative) Form, bei der die Ursache direkt in einer strukturellen Veränderung der Mitralklappe liegt, sowie die sekundäre (funktionelle) Form, die infolge von Erkrankungen oder Umbauprozessen der linken Herzkammer oder des linken Vorhofs entsteht. Beide Formen können unbehandelt zu einer zunehmenden Belastung des Herzens und langfristig zu einer Herzschwäche führen.
Ein Mitralklappenzentrum sollte insbesondere dann aufgesucht werden, wenn typische Symptome auftreten. Dazu gehören vor allem Atemnot – anfangs bei körperlicher Belastung, im weiteren Verlauf auch in Ruhe –, eine rasche Ermüdbarkeit, eine deutlich verminderte Belastbarkeit oder spürbares Herzklopfen beziehungsweise Herzrhythmusstörungen. Auch Wassereinlagerungen, etwa in Form von geschwollenen Knöcheln und Füßen, sowie Flüssigkeitsansammlungen in der Lunge oder im Bauchraum können Hinweise auf eine fortgeschrittene Erkrankung sein.
Unabhängig von akuten Beschwerden ist eine Vorstellung im Mitralklappenzentrum auch dann sinnvoll, wenn bereits eine Mitralklappeninsuffizienz diagnostiziert wurde. Insbesondere bei unklaren Befunden, einer Verschlechterung der Symptome oder wenn eine Entscheidung über weiterführende Therapien – wie minimalinvasive kathetergestützte Verfahren oder operative Eingriffe – getroffen werden muss, bietet ein spezialisiertes Mitralklappenzentrum die notwendige Expertise.
Da die Erkrankung häufig schleichend fortschreitet, spielt die frühzeitige Diagnostik eine entscheidende Rolle. In einem Mitralklappenzentrum kann durch moderne Untersuchungsverfahren und die enge Zusammenarbeit eines interdisziplinären Teams eine präzise Einschätzung der individuellen Situation erfolgen. Auf dieser Grundlage wird eine individuelle Therapie entwickelt, die darauf abzielt, die Herzfunktion zu erhalten, Beschwerden zu lindern und die Lebensqualität langfristig zu sichern.
Wie findet man ein Mitralklappenzentrum in seiner Nähe?
In Deutschland gibt es über 75 von der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK) zertifizierten Mitralklappenzentren. Mit der Suche der DGK finden Sie nach Eingabe Ihrer Postleitzahl alle Einrichtungen in Ihrem Umkreis auf einen Blick!
Was sollte man in ein Mitralklappenzentrum mitnehmen?
Für den Aufenthalt im Mitralklappenzentrum sollten alle relevanten persönlichen, medizinischen und versicherungsbezogenen Unterlagen vollständig mitgebracht werden. Dazu zählen insbesondere die Krankenversicherungskarte, eine aktuelle und möglichst vollständige Medikamentenliste sowie die Einweisung zur Krankenhausbehandlung. Falls vorhanden, gehören auch Patientenpässe (z. B. Herzpass oder Implantatausweise) sowie medizinische Vorbefunde wie Arztbriefe und Untersuchungsergebnisse dazu. Ist im Anschluss eine Rehabilitation vorgesehen, sind zudem entsprechende Unterlagen des Kostenträgers hilfreich.
Ebenso sollten regelmäßig benötigte Hilfsmittel wie Brille, Hörgeräte oder andere im Alltag verwendete medizinische Geräte mitgebracht werden. Für den persönlichen Komfort empfiehlt sich das Mitbringen bequemer Kleidung, Nachtwäsche sowie Hygieneartikel für den täglichen Bedarf. Ergänzend können persönliche Gegenstände zur Beschäftigung, etwa Mobiltelefon, Tablet oder Laptop, Bücher oder Zeitschriften, sinnvoll sein.
Wie wird ein Mitralklappenzentrum zertifiziert?
Die Zertifizierung von Mitralklappenzentren durch die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie (DGK) ist an strenge quantitative und qualitative Anforderungen geknüpft, um eine hochwertige Versorgung sicherzustellen.
Dabei stehen folgende zentrale Anforderungen und deren spezifischer Nutzen für die Patientin oder den Patienten im Vordergrund:
1. Mindestfallzahlen und personelle Expertise
- Anforderung: Ein Zentrum muss mindestens 30 Mitralklappeninterventionen pro Jahr durchführen; jeder der zwei leitenden Kardiologinnen oder Kardiologen muss mindestens 15 Prozeduren persönlich vorweisen. Zudem müssen die Operierenden eine mindestens 5-jährige Erfahrung in der interventionellen Kardiologie besitzen.
- Vorteil: Hohe Fallzahlen garantieren eine ausgeprägte prozedurale Routine.
Dies ist bei technisch anspruchsvollen Eingriffen wie der Edge-to-edge-Therapie (z. B. MitraClip™) entscheidend, um Komplikationsraten niedrig zu halten und den Behandlungserfolg zu maximieren.
2. Das interdisziplinäre Heart-Team
- Anforderung: Die Entscheidung über die Therapieform (Eingriff vs. Operation) muss zwingend in einem Heart-Team getroffen werden, das mindestens aus einer interventionellen Kardiologin oder einem interventionellen Kardiologen sowie einer Herzchirurgin oder einem Herzchirurgen besteht.
- Vorteil: Dies gewährleistet eine objektive und individualisierte Therapieempfehlung. Es wird sichergestellt, dass Faktoren wie das OP-Risiko, die Anatomie der Klappe und die Lebenserwartung ganzheitlich abgewogen werden, um die für Sie sicherste Methode zu wählen.
3. Spezialisierte Bildgebung (3D-Echokardiographie)
- Anforderung: Das Zentrum muss mindestens Person mit Expertise in der Echokardiographie vorweisen, die besonders in der 3D-transösophagealen Echokardiographie (3D-TEE) erfahren ist.
- Vorteil: Da Kathetereingriffe an der Mitralklappe primär unter Ultraschallkontrolle gesteuert werden, ist diese Expertise für die Präzision des Eingriffs unerlässlich. Eine exakte morphologische Charakterisierung im Vorfeld entscheidet darüber, ob die Klappe überhaupt für ein Katheterverfahren geeignet ist.
4. Infrastruktur und Notfallmanagement
- Anforderung: Es müssen dokumentierte Prozesse (SOPs) für das
Komplikationsmanagement (z. B. Gefäßverletzungen oder Schlaganfälle) sowie eine 24-stündige ärztliche Präsenz auf einer Intensiv- oder Intermediate-Care-Station vorhanden sein.
- Vorteil: Sollte es während oder nach dem Eingriff zu Problemen kommen, ist durch die ständige Verfügbarkeit von Spezialistinnen und Spezialisten sowie moderner Technik (wie CT oder Kreislaufunterstützungssystemen) eine sofortige Notfallversorgung gewährleistet.
Zusammenfassend stellt die DGK-Zertifizierung sicher, dass Sie in einem Umfeld behandelt werden, das technische Höchstleistung mit maximaler Patientensicherheit und interdisziplinärer Beratung kombiniert.
Die einzelnen Kriterien im Detail können Sie hier einsehen.
FAQ – Häufige Fragen zu Mitralklappenzentren
Ein Mitralklappenzentrum ist ein hochspezialisiertes Zentrum zur Diagnose und Behandlung von Erkrankungen der Mitralklappe. Charakteristisch ist die enge interdisziplinäre Zusammenarbeit von Kardiologie, Herzchirurgie, Anästhesie und spezialisierten Pflegekräften zur Festlegung einer optimalen und individuellen Behandlungsstrategie für Betroffene.
Das Aufsuchen eines Mitralklappenzentrums erfolgt meist bei typischen Symptomen einer Mitralklappeninsuffizienz. Betroffene bemerken häufig Symptome wie Atemnot, rasche Ermüdbarkeit, Herzrhythmusstörungen oder Wassereinlagerungen – die Erkrankung entwickelt sich dabei oft schleichend über einen längeren Zeitraum.
In Deutschland gibt es über 75 Einrichtungen, die als Mitralklappenzentrum zertifiziert sind. Über die Suche der DGK finden Sie alle zertifizierten Einrichtungen in Ihrem Umkreis!
Die Zertifizierung eines Mitralklappenzentrums ist an strenge quantitative und qualitative Anforderungen geknüpft. Dazu zählen u. a. eine Mindestfallzahl, das Arbeiten in einem interdisziplinären Heart-Team oder dokumentierte Prozesse für das Komplikationsmanagement. So wird sichergestellt, dass die Einrichtung eine Behandlung mit technischer Höchstleistung, maximaler Patientensicherheit und interdisziplinärer Beratung anbieten kann.