Zentrum Zentrum

DGK-Zentren auf einen Blick: Mitralklappenzentrum – Expertise bei Erkrankungen der Mitralklappe

Die Mitralklappeninsuffizienz, bei der die Mitralklappe nicht mehr komplett schließt, ist eine der häufigsten Herzklappenerkrankungen im Erwachsenenalter und kann lange unbemerkt bleiben. Mitralklappenzentren sind spezialisiert auf die Behandlung dieser Art der Herzerkrankung. Prof. Dr. Holger Nef und Prof. Dr. Volker Rudolph stellen die Einrichtung vor.

Von Max Hendriks

 

27.03.2026 (aktualisiert: 10.07.2026)


Bildquelle (Bild oben): Prathankarnpap / Shutterstock.com (bearbeitet)

Das Wichtigste in Kürze

Ein Mitralklappenzentrum ist eine Klinik oder Krankenhaus-Abteilung, die sich auf die Diagnose und Behandlung von Mitralklappenerkrankungen spezialisiert hat.

 

Die Patientinnen und Patienten werden dabei durch ein Herz-Team betreut, das sich aus Expertinnen und Experten verschiedenen Fachrichtungen zusammensetzt, wie Kardiologie, Chirurgie, Anästhesiologie und Intensivmedizin.

 

Die Mitralklappenzentren bündeln unterschiedliche Fachkompetenz an einem Ort. Die Versorgung umfasst das gesamte Spektrum von diagnostischen Untersuchungen über die Planung und Durchführung der Therapie bis hin zu Konzepten für die Nachsorge. 


In Deutschland gibt es über 75 Einrichtungen, die durch die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie (DGK) als Mitralklappenzentren zertifiziert sind.


Zu den wichtigsten Kriterien der DGK-Zertifizierung zählen u. a.:

 

  • Qualitätssicherung durch eine Mindestfallzahl
  • individualisierte Entscheidungsfindung bei der Therapie durch ein interdisziplinäres Heart-Team
  • Konzepte für das Management von Komplikationen und für die Nachsorge

 

Über ihre Postleitzahl finden Patientinnen und Patienten HIER alle Einrichtungen im Umkreis auf einen Blick!

Die Mitralklappe befindet sich zwischen Vorhof und Kammer der linken Herzhälfte. Nach der Aortenklappenstenose ist die Mitralklappeninsuffizienz die zweithäufigste Klappenerkrankung – rund 10 % der über 75-Jährigen sind betroffen. Bei der Mitralklappeninsuffizienz liegt eine Undichtigkeit vor, wodurch das Blut zurück in den Vorhof statt in die Herzkammer fließt. Neben der Insuffizienz kommt die Verengung (Stenose) der Mitralklappe ebenfalls häufig vor – etwa 40 % der Menschen mit einer Aortenklappenstenose leiden zusätzlich auch unter einer Mitralklappenstenose. 


Schwere Mitralklappenerkrankungen müssen operativ behandelt werden, wobei eine Reparatur oder ein Ersatz der Mitralklappe in Frage kommt. Alternativ zur Herzoperation steht mit der M-TEER (Transcatheter-Edge-to-Edge-Reparatur) inzwischen eine neue minimalinvasive Methode für die Reparatur der Mitralklappeninsuffizienz zur Verfügung, die insbesondere für ältere Menschen in Betracht kommt, bei denen eine Operation am offenen Herzen nicht möglich ist.


Weitere umfangreiche Informationen zu Herzklappenerkrankungen finden Sie hier: Ursachen, Symptome und Diagnose von Herzklappenerkrankungen und Therapie von Herzklappenerkrankungen.

Was ist ein Mitralklappenzentrum?

Ein von der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK) zertifiziertes Mitralklappenzentrum ist ein hochspezialisiertes Zentrum zur Diagnose und Behandlung von Erkrankungen der Mitralklappe, das unterschiedliche medizinische Fachdisziplinen vereint. Das Herz-Team von Expertinnen und Experten aus Kardiologie, Chirurgie, Anästhesie und Radiologie ermöglicht eine individuelle Betreuung der Patientinnen und Patienten. Die Zertifizierung dieser Zentren stellt sicher, dass die Qualitätsanforderungen erfüllt werden, um eine medizinische Versorgung auf höchstem Niveau zu gewährleisten


Für Patientinnen und Patienten bietet die Behandlung in einem Mitralklappenzentrum zahlreiche Vorteile: Ein hohes Maß an Sicherheit durch langjährige Erfahrung und moderne Technik, individuell angepasste Betreuung sowie der Zugang zu innovativen, schonenden Verfahren. Durch die kontinuierliche Überprüfung und Weiterentwicklung der Qualität wird zudem sichergestellt, dass die Versorgung den aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen entspricht.

Zum Experten

Prof. Dr. Holger Nef

Prof. Dr. Holger Nef ist Klinikdirektor und Chefarzt des Herz- und Gefäßzentrums der Segeberger Kliniken.

Prof. Holger Nef Prof. Holger Nef

Zum Experten

Prof. Dr. Volker Rudolph

Prof. Dr. Volker Rudolph ist Direktor der Klinik für Allgemeine und Interventionelle Kardiologie/Angiologie am Herz- und Diabeteszentrum Nordrhein-Westfalen in Bad Oeynhausen.

Prof. Volker Rudolph Prof. Volker Rudolph

Spezialisierte Mitralklappenzentren bieten im Vergleich zu anderen Kliniken folgende Vorteile:

 

  • Gemeinsame Entscheidungsfindung: Über die Therapie wird gemeinsam mit den Betroffenen durch das Herz-Team entschieden, das mindestens die Bereiche Kardiologie und Herzchirurgie umfasst. Dabei werden individuelle Faktoren berücksichtigt, wie u. a. Operationsrisiko, Lebenserwartung und Größe, Form und Lage der Herzklappen.
  • Qualitätssicherung: Die Zertifizierung durch die DGK ist an Mindestfallzahlen geknüpft, um eine hohe Sicherheit zu garantieren. Ein Zusammenhang zwischen langjähriger Erfahrung des Zentrums und dem Erfolg des Eingriffs beziehungsweise niedrigeren Komplikationsraten konnte in verschiedenen Studien gezeigt werden.
  • Moderne Bildgebung: Da minimalinvasive Verfahren für die Klappenreparatur oder den Klappenersatz technisch anspruchsvoll sind, bieten diese Zentren eine besondere Kompetenz durch moderne Bildgebung, wie 3D-TEE (transösophageale Echokardiografie), CT (Computertomografie) und MRT (Magnetresonanztomografie). Diese ist für die genaue Charakterisierung der Klappenerkrankung und Planung der Eingriffe unerlässlich.
  • Umfassendes Management von Komplikationen: Die Zentren müssen auf die Behandlung von Komplikationen vorbereitet sein und die intensivmedizinische Versorgung sicherstellen.
  • Strukturierte Nachsorge: Die Versorgung endet nicht mit dem Eingriff. Häufig organisieren die Zentren auch die Nachbetreuung nach der Entlassung aus dem Krankenhaus, die Kontrolluntersuchungen, Einstellung der Medikamente und Schulungen der Patientinnen und Patienten umfasst.


Zusammenfassend bietet das Zentrum durch erfahrene Spezialistinnen und Spezialisten, modernste Technik und standardisierte Qualitätsabläufe eine Versorgungssicherheit, die über die Möglichkeiten einer klassischen, nicht-spezialisierten Einrichtung hinausgeht.

Wann sollte man ein Mitralklappenzentrum aufsuchen?

In der Regel werden Patientinnen und Patienten mit der Diagnose einer Mitralklappenerkrankung laut Ultraschalluntersuchung (Echokardiografie) von der kardiologischen Praxis zur Behandlung in eine Klinik überwiesen. Meist empfiehlt die Kardiologin bzw. der Kardiologe Krankenhäuser in der Umgebung, wobei jede Patientin und jeder Patient die Klinik aber selbst auswählen kann. Dabei sollte das Augenmerk vor allem auf der Zertifizierung als Mitralklappenzentrum liegen.


Insbesondere bei unklaren Befunden, einer Verschlechterung der Symptome oder wenn eine Entscheidung über weiterführende Therapien getroffen werden muss, bietet ein spezialisiertes Mitralklappenzentrum die notwendige Expertise.


Durch moderne Untersuchungsverfahren und die enge Zusammenarbeit des Herz-Teams kann eine genaue Einschätzung der individuellen Situation erfolgen. Auf dieser Grundlage wird eine individuelle Therapie entwickelt, die darauf abzielt, die Herzfunktion zu erhalten, Beschwerden zu lindern und die Lebensqualität langfristig zu sichern.

Wie findet man ein Mitralklappenzentrum in seiner Nähe?

In Deutschland gibt es über 75 von der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK) zertifizierten Mitralklappenzentren. Mit der Suche der DGK finden Sie nach Eingabe Ihrer Postleitzahl alle Einrichtungen in Ihrem Umkreis auf einen Blick!

Was sollte man in ein Mitralklappenzentrum mitnehmen?

Für den Aufenthalt im Mitralklappenzentrum sollten alle relevanten persönlichen, medizinischen und versicherungsbezogenen Unterlagen vollständig mitgebracht werden. Dazu zählen:

 

  • Krankenversicherungskarte
  • Medikamentenliste
  • Einweisung zur Krankenhausbehandlung
  • Patientenpässe (z. B. Herzpass oder Implantatausweise), soweit vorhanden
  • medizinische Vorbefunde wie Arztbriefe und Untersuchungsergebnisse

 

Ist im Anschluss eine Rehabilitation vorgesehen, sind zudem entsprechende Unterlagen des Kostenträgers hilfreich. Ebenso sollten regelmäßig benötigte Hilfsmittel wie Brille, Hörgeräte oder andere im Alltag verwendete medizinische Geräte mitgebracht werden. Für den persönlichen Komfort empfiehlt sich das Mitbringen bequemer Kleidung, Nachtwäsche sowie Hygieneartikel für den täglichen Bedarf. Ergänzend können persönliche Gegenstände zur Beschäftigung, etwa Mobiltelefon, Tablet oder Laptop, Bücher oder Zeitschriften, sinnvoll sein.

Wie wird ein Mitralklappenzentrum zertifiziert?

Die Zertifizierung von Mitralklappenzentren durch die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie (DGK) ist an strenge quantitative und qualitative Anforderungen geknüpft, um eine hochwertige Versorgung sicherzustellen.


Dabei stehen folgende zentrale Anforderungen und deren spezifischer Nutzen für die Patientin oder den Patienten im Vordergrund:

 

1. Mindestfallzahlen und personelle Expertise

 

Ein Zentrum muss mindestens 30 Eingriffe pro Jahr zur Behandlung von Mitralklappenerkrankungen durchführen; jeder der zwei leitenden Kardiologinnen oder Kardiologen muss persönlich Erfahrungen über mindestens 15 Prozeduren vorweisen. Zudem müssen die Operierenden eine mindestens 5-jährige Erfahrung in der interventionellen Kardiologie besitzen. Fachärztinnen und Fachärzte aus dem Bereich der interventionellen Kardiologie führen minimalinvasive Eingriffe mit Kathetern am Herzen durch.


Die hohen Fallzahlen garantieren eine ausreichende Routine-Erfahrung für diese Art von Eingriffen. In Studien zeigte sich, dass Routine-Erfahrungen den Behandlungserfolg erhöhen und Komplikationen vermindern, insbesondere bei technisch anspruchsvollen minimalinvasiven Eingriffen zur Behandlung von Mitralklappenerkrankungen.

 

2. Das interdisziplinäre Herz-Team

 

Die Entscheidung über die Therapieform (minimalinvasiver Eingriff oder Herzoperation) muss zwingend von einem Herz-Team getroffen werden, das mindestens aus den Bereichen interventionelle Kardiologie und Herzchirurgie besteht. 


Damit wird sichergestellt, dass alle wichtigen Faktoren, wie Begleiterkrankungen, Beschaffenheit der Herzklappe und Lebenserwartung ganzheitlich abgewogen werden, um jeweils die sicherste Methode zu wählen.

 

3. Spezialisierte Bildgebung (3D-Echokardiografie)

 

Das Zentrum muss Expertise in der Echokardiografie vorweisen, insbesondere in der 3D-transösophagealen Echokardiografie (3D-TEE). Da Kathetereingriffe an der Mitralklappe primär unter Ultraschallkontrolle gesteuert werden, ist diese Expertise für die Präzision des Eingriffs unerlässlich. Eine exakte Charakterisierung von Größe, Form und Eigenschaften der Klappe im Vorfeld entscheidet darüber, ob ein Katheterverfahren in Frage kommt.

 

4. Infrastruktur und Notfallmanagement

 

Das Zentrum muss auf das Management von Komplikationen (z. B. Gefäßverletzungen oder Schlaganfälle) vorbereitet sein sowie eine rund um die Uhr ärztlich betreute Intensivmedizin vorweisen. Durch die ständige Verfügbarkeit von Spezialistinnen und Spezialisten sowie moderner Technik ist eine sofortige Notfallversorgung gewährleistet.

 

Zusammenfassend stellt die DGK-Zertifizierung sicher, dass Sie in einem Umfeld behandelt werden, das technische Höchstleistung mit maximaler Patientensicherheit und interdisziplinärer Beratung kombiniert.


Die einzelnen Kriterien im Detail können Sie hier einsehen.

Infos zur DGK und ihren Zertifizierungsprogrammen

Die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie (DGK) ist eine gemeinnützige wissenschaftlich-medizinische Fachgesellschaft mit mehr als 12.000 Mitgliedern aus Universitäten, Kliniken und Praxen vom Fachgebiet der Kardiologie. Das Ziel der Organisation ist die Förderung der Wissenschaft und Forschung zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen, wofür neben der Ausrichtung von Tagungen und Kongressen auch die Fortbildung der Mitglieder und die Veröffentlichung von medizinischen Leitlinien im Fokus stehen.

 

Darüber hinaus hat die DGK Zertifizierungsprogramme für Institutionen und Fachpersonen etabliert. Kardiologische Einrichtungen können sich in verschiedenen Bereichen zertifizieren lassen. Grundlage hierfür ist ein umfassender Kriterienkatalog, dessen Anforderungen erfüllt werden müssen, um die jeweilige Zertifizierung zu erhalten. Das Verfahren dient der Sicherung und kontinuierlichen Weiterentwicklung hoher Qualitätsstandards und trägt somit zu einer optimalen Patientenversorgung bei.

FAQ – Häufige Fragen zu Mitralklappenzentren

Ein Mitralklappenzentrum ist eine Klinik oder Krankenhaus-Abteilung, die sich auf die Diagnose und Behandlung von Mitralklappenerkrankungen spezialisiert hat. Die Patientinnen und Patienten werden dabei durch ein Herz-Team betreut, das sich aus Expertinnen und Experten verschiedenen Fachrichtungen zusammensetzt, wie Kardiologie, Chirurgie, Anästhesiologie und Intensivmedizin. 

In der Regel werden Patientinnen und Patienten mit der Diagnose einer Mitralklappenerkrankung laut Ultraschalluntersuchung (Echokardiografie) von der kardiologischen Praxis zur Behandlung in eine Klinik überwiesen. Insbesondere bei unklaren Befunden, einer Verschlechterung der Symptome oder wenn eine Entscheidung über weiterführende Therapien getroffen werden muss, bietet ein spezialisiertes Mitralklappenzentrum die notwendige Expertise.

In Deutschland gibt es über 75 Einrichtungen, die als Mitralklappenzentrum zertifiziert sind. Über die Suche der DGK finden Sie alle zertifizierten Einrichtungen in Ihrem Umkreis!

Die Zertifizierung eines Mitralklappenzentrums ist an strenge quantitative und qualitative Anforderungen geknüpft. Dazu zählen u. a. eine Mindestfallzahl, das Arbeiten in einem interdisziplinären Herz-Team oder dokumentierte Prozesse für das Komplikationsmanagement. So wird sichergestellt, dass die Einrichtung eine Behandlung mit technischer Höchstleistung, maximaler Patientensicherheit und interdisziplinärer Beratung anbieten kann.

Das könnte Sie auch interessieren

Mitralklappeninsuffizienz erkennen: Symptome, Ursachen und Behandlungen im Überblick – wann Medikamente reichen und wann ein Eingriff nötig ist.
mitralklappeninsuffizienz-1217096099-t mitralklappeninsuffizienz-1217096099-t

Luftnot hat viele Gründe – von COPD bis Herzschwäche. Lesen Sie, welche Warnzeichen Sie ernst nehmen sollten und welche Untersuchungen helfen.
luftnot-ursachen-534673093-t luftnot-ursachen-534673093-t

Symptome, Diagnose, Behandlung: So wirkt sich eine Aortenklappenstenose auf das Herz aus und wann ein Klappenersatz nötig wird.
aortenklappenstenose-917730100-t aortenklappenstenose-917730100-t