Lungenarterienembolie und der Einsatz verschiedener Behandlungsmodalitäten in Deutschland

V. Oettinger (Freiburg im Breisgau)1, I. Hilgendorf (Freiburg im Breisgau)2, D. Wolf (Freiburg im Breisgau)2, N. Gauchel (Freiburg im Breisgau)2, J. Rilinger (Freiburg im Breisgau)2, A. Maier (Freiburg im Breisgau)2, K. Kaier (Freiburg im Breisgau)3, M. Wessinger (Freiburg)4, D. Westermann (Freiburg im Breisgau)1, C. von zur Mühlen (Freiburg im Breisgau)5, C. Olivier (Freiburg im Breisgau)2
1Universitäts-Herzzentrum Freiburg - Bad Krozingen Innere Medizin III, Kardiologie und Angiologie Freiburg im Breisgau, Deutschland; 2Universitäts-Herzzentrum Freiburg - Bad Krozingen Klinik für Kardiologie und Angiologie Freiburg im Breisgau, Deutschland; 3Universitätsklinikum Freiburg Institut für Medizinische Biometrie und Statistik Freiburg im Breisgau, Deutschland; 4Universitätsklinikum Freiburg Klinik für Kardiologie und Angiologie, Universitäts-Herzzentrum Freiburg, Deutschland; 5Albert- Ludwigs-Universität Freiburg Innere Medizin III, Kardiologie und Angiologie Freiburg im Breisgau, Deutschland

Hintergrund: Es gibt verschiedene Strategien für die Therapie einer lebensbedrohlichen akuten Lungenarterienembolie, einschließlich einer systemischen Lyse oder kathetergestützter Verfahren. Diese Studie möchte den Einsatz verschiedener Behandlungsmodalitäten über die letzten Jahre analysieren.

Methoden: Wir untersuchten Daten aller Patient*innen, die in Deutschland zwischen 2014 und 2022 wegen einer Lungenarterienembolie als Hauptdiagnose (ICD I26) stationär waren. Es erfolgte eine gesonderte Betrachtung der 513.188 Patient*innen, welche mit nur einem Therapieverfahren behandelt wurden. Die Patient*innen wurden kategorisiert nach Behandlungsmodalität: 1. keine Lyse oder Intervention, 2.  systemische Lyse, 3. kathetergestützte Therapien und 4. chirurgische Thrombektomie. Intrahospitale Ergebnisse wurden anhand von ICD- und OPS-Codes analysiert.

Ergebnisse: Zwischen 2014 und 2022 stieg die jährliche Gesamtzahl der Patient*innen, welche kathetergestützte Therapien erhielten, von 105 auf 1.039. Unter Berücksichtigung der Möglichkeit mehrerer durchgeführter Therapien pro Patient*in stiegen die ultraschallgestützten Thrombolysen von 21 auf 681, die kathetergestützten Thrombolysen ohne Ultraschall von 88 auf 763, andere transluminale Thrombusentfernungen von 23 auf 247 und die Nutzung eines Retriever-Systems von 3 auf 143. Andere Behandlungsmodalitäten waren im Zeitverlauf relativ vergleichbar (keine Lyse oder Intervention: von 51.962 auf 56.400; systemische Lyse: von 2.683 auf 2.675; chirurgische Thrombektomie: von 70 auf 43). Bei Betrachtung derjenigen 513.188 Patient*innen mit der Hauptdiagnose Lungenarterienembolie und nur einer Behandlungsmodalität betrug das Durchschnittsalter 68,0 Jahre. Die niedrigste Krankenhaussterblichkeit wurde bei der ultraschallgestützten Thrombolyse mit 5,6 % beobachtet, die höchste bei der systemischen Lyse mit 38,0 %. In Bezug auf alle kathetergestützten Verfahren gemeinsam zeigte sich eine Gesamtmortalitätsrate von 14,8 %. Das kombinierte klinische Ergebnis aus schwerer Blutung oder intrazerebraler Blutung trat bei 5,7 % der kathetergestützten Therapien auf, wobei die niedrigsten Raten 4,3 % bei der kathetergestützten Lyse ohne Ultraschall und die höchsten Raten 8,9 % bei anderer transluminaler Thrombusentfernung betrugen.

Schlussfolgerung: Der Einsatz kathetergestützter Verfahren zur Behandlung der Lungenarterienembolie hat sich in Deutschland in den letzten 9 Jahren verzehnfacht.


Abbildung: Zeitliche Entwicklung kathetergestützter Verfahren in der Therapie der akuten Lungenarterienembolie