Ist Harnsäure ein kardiovaskulärer Risikofaktor?

F. Al-Azem (Cloppenburg)1, B. Schrader (Oldenburg)2, B. Vaske (Cloppenburg)3, J. Schrader (Cloppenburg)3, M. Lammers (Oldenburg)2, S. Lüders (Cloppenburg)4, A. Elsässer (Oldenburg)2
1St. Josefs-Hospital Klinik für Innere Medizin/Kardiologie Cloppenburg, Deutschland; 2Klinikum Oldenburg AöR Klinik für Kardiologie Oldenburg, Deutschland; 3Institut für Hypertonie und Herz-Kreislauf-Forschung Cloppenburg, Deutschland; 4St.Josefs-Hospital Cloppenburg Nephrologie Cloppenburg, Deutschland

Einleitung:

Die Bedeutung der Harnsäure für die Gesamtmortalität und kardiovaskuläre Ereignisse wird kontrovers diskutiert. Deshalb wurden in der ELITE-Studie, die seit Jahren im Nordwesten Deutschlands (Oldenburger Münsterland, Emsland, Region Oldenburg) durchgeführt wird, Daten zur Harnsäure und kardiovaskulären Risikofaktoren ausgewertet.

Methodik:

Ausgewertet wurden die Daten von 4.082 Personen. Die Werte der Personen mit normaler Harnsäure wurden mit Personen mit erhöhter Harnsäure und/oder Harnsäure-senkender Therapie verglichen. (Harnsäure erhöht: weiblich 5,7 mg/dl, männlich: 7,0 mg/dl).

Die Gruppe 1 bestand aus 3.277 Teilnehmer/innen mit normaler Harnsäure (80%), Gruppe 2 aus 805 Teilnehmer/innen mit erhöhter Harnsäure und/oder Harnsäure-senkender Therapie (20%), davon 15% mit Allopurinol). 51% waren männlich, 49% weiblich, das mittlere Alter der Gruppe 1 betrug 52 Jahre, das Alter der Gruppe 2 58 Jahre. Untersucht wurden Blutdruck, Gewicht, Laborwerte, Fragebögen zur körperlichen Aktivität, zum persönlichen Stress, Depressionen (Test durch BDI II). Nach der Aufnahme erhielten alle Teilnehmer/innen eine ausführliche Information über ihre Befunde mit konkreten Empfehlungen für Verbesserungen. Es wurden weitere Untersuchungstermine in 1-2 Jahresabständen durchgeführt. Das Follow-Up betrug 4,4 Jahre. Als kardiovaskuläre Ereignisse wurde gewertet: Herzinfarkt bzw. KHK, Schlaganfall, nicht ischämische Herzinsuffizienz, pAVK, VHF, Carotis-Stenose.

Ergebnisse:

Eine erhöhte Harnsäure und/oder eine Gicht gaben in der Anamnese der Studie insgesamt 15% an. Somit wusste der Hauptanteil der Teilnehmer/innen, bei einer registrierten Prävalenz von 20%, von ihrer erhöhten Harnsäure. Die Personen mit erhöhter Harnsäure wiesen häufiger Risikofaktoren auf als Personen mit normaler Harnsäure.

Es fand sich häufiger in Gruppe 2 eine Hypertonie (Gr1 56% vs. Gr2 82,7%), Diabetes mellitus (Gr1 5% vs. Gr2 13%), BMI > 30 (Gr1 17% vs. Gr2 44%), LDL > 130 mg/dl (Gr1 48% vs. Gr2 54%) trotz Einnahme von mehr Lipidsenkern (Gr1 7% vs. Gr2 17%) Außerdem waren die Personen der Gruppe 2 weniger körperlich aktiv (Gr1 26% vs. Gr2 32%). Ein geringer Unterschied bestand beim Nikotinabusus (Gr1 14 % vs. Gr2 11%).

Gesamtmortalität und kardiovaskuläre Ereignisse:

Die Gesamtmortalität im Verlauf der Studie betrug in der Gruppe 1 2%, in Gruppe 2 8%. Ein kardiovaskuläres Ereignis erlitten in der Gruppe 1 11 % und in Gruppe 2 22% der Teilnehmer.

Fazit:

Die Untersuchung belegt den deutlichen Anstieg der Mortalität und der kardiovaskulären Ereignisse bei Personen mit erhöhter Harnsäure. Allerdings dürfte das ausgeprägte Gesamtrisikoprofil mutmaßlich bedeutender sein als die Harnsäure.