Die P-Wellen Amplitude als Marker für atriale Kardiomyopathie – Zusammenhänge von EKG-Parametern, CHA₂DS₂-VASc-Score und linksatrialem Strain bei Patienten mit Vorhofflimmern

H. Dörrstein (Heidelberg)1, M. Prüser (Heidelberg)1, N. Frey (Heidelberg)1, F. Wiedmann (Heidelberg)1, C. Schmidt (Göttingen)1
1Universitätsklinikum Heidelberg Klinik für Innere Med. III, Kardiologie, Angiologie u. Pneumologie Heidelberg, Deutschland

Einleitung: Vorhofflimmern (VHF) ist weltweit die häufigste persistierende Herzrhythmusstörung und geht mit einem erhöhten Risiko für Schlaganfälle und Mortalität einher. Bei VHF-Patienten treten häufig Einschränkungen der linksatrialen Funktion als Ausdruck einer atrialen Kardiomyopathie auf. Der linksatriale Strain (LAS), gemessen durch Speckle-Tracking-Echokardiographie, ermöglicht eine Quantifizierung dieser Funktionseinschränkungen. Während das EKG zur Erkennung von Rhythmusstörungen als schnell verfügbares Diagnoseinstrument unentbehrlich ist, spielt es zur Evaluierung der atrialen Funktion bislang eine untergeordnete Rolle.

Zielsetzung: Unser Ziel ist die Identifizierung von klinischen und elektrokardiographischen Parametern, die mit einer Einschränkung des linksatrialen Strains assoziiert sind.

Methoden: In diese retrospektive Datenauswertung wurden 893 Patienten (Durchschnittsalter 62,63 ± 11,85 Jahre, 61,1% männlich, durchschnittlicher CHADS-VASc-Score 2,23 ± 1,57) eingeschlossen, bei denen zwischen 2008 und 2023 aufgrund eines Vorhofflimmerns eine Pulmonalvenenisolation (PVI) im Universitätsklinikum Heidelberg durchgeführt wurde. Im präinterventionellen 12-Kanal-EKG wurden 12 P-Wellen-spezifische Parameter sowie die PQ, QRS, QT und QTc-Zeit ausgewertet. Zusätzlich wurden präinterventionelle Echokardiographieaufnahmen mittels biplanem Speckle-Tracking analysiert, um den linksatrialen Strain (LAS) zu bestimmen. Die Patientenkohorte wurde entsprechend des medianen Linksatrialen Reservoirstrain (LASr) von 32,45% in zwei Gruppen eingeteilt und verglichen. In einer multivariaten logistische Regressionsanalyse wurden unabhängige Prädiktoren für eine Einschränkung des LASr ≤ 32,45% identifiziert.

Ergebnis: Ein QTc-Intervall von ≥ 410 ms (Adjusted Odds ratio AOR 2,090; p < 0,001), ein P mitrale (AOR 1,917; p = 0,006) sowie eine P-Wellen Amplitude in Ableitung I von <0,6 mV (AOR 1,894; p < 0,001) sind die einzigen elektrokardiographischen Parameter, die unabhängig mit einer Einschränkung des LASr assoziiert sind. Die ROC-Kurvenanalyse ergab eine Area under the curve (AUC) von 0,657 für das QTc-Intervall und von 0,623 für die P-Wellen-Amplitude in Ableitung I.

Der CHADS-VASc-Score kann einen eingeschränkten LASr mit einer AUC von 0,736 identifizieren, während der CHADS-VA-Score eine AUC von 0,718 erreicht. Von den klinischen Parametern des CHADS-VASc-Scores sind Herzinsuffizienz (AOR 3,505; p < 0,001), ein Alter von 65-74 Jahren (AOR 1,688; p = 0,004), ein Alter > 74 Jahre (AOR 4,650; p < 0,001], ein stattgehabtes thromboembolisches Ereignis (AOR 2,090; p=0,039) und weibliches Geschlecht (AOR 2,419; p < 0,001) unabhängige Prädiktoren für einen eingeschränkten LASr.

Schlussfolgerung: Unsere Ergebnisse zeigen, dass die QTc-Zeit, ein P mitrale und die P-Wellen-Amplitude in Ableitung I mit der atrialen Kardiomyopathie assoziiert sind und als einfach verfügbare Marker in Zukunft die Diagnostik von atrialen Funktionseinschränkungen unterstützen könnten. Gleichzeitig weist der etablierte CHADS-VASc-Score im Vergleich die höchste diagnostische Aussagekraft auf.